Nebiga

Als die Wildkatze Gesellschaft suchte

Afrikanische Wildkatze liegend

Im Norden von Simbabwe lebte einmal eine Wildkatze. Nachts schlich sie durchs Gehölz und jagte Mäuse und für untertags hatte sie ein bevorzugtes Sonnenplätzchen. Auf einem Stein neben einem Mahagonibaum sonnte sie sich und träumte, bis es wieder Zeit zu jagen war. Sie lebte also so wie Wildkatzen eben leben.

Eines Tages aber, als sie wieder ihren Pelz in der Sonne wärmte, merkte sie, dass sie sich allein fühlte. Dieser Umstand stimmte sie nachdenklich.

  • Ich suche mir einen Partner.

entschied sie.

  • Einen der zu mir passt.

Für die Katze kam natürlich nur der Schönste, der Stärkste, der Größte infrage. Sie machte sich also auf, das herrlichste Geschöpf des Dschungels zu suchen.

Die Wildkatze findet ihren Traum

Wie es der Zufall wollte, kreuzte sie  schon in dieser Nacht den Weg eines Wildkaters – eines Kuders. Es war ein stattliches Tier mit einem dunklen Streifen auf dem Rücken. Seine Stirn war schwarz gemustert als würde sie oft gerunzelt. Zudem nannte er einen langen weißen Schnurrbart sein eigen. Der war viel länger als der ihre.

  • Was für ein herrliches Geschöpf!

dachte sie.

Die Wildkatze blinzelte kurz, stolzierte elegant an dem Kuder vorbei und ließ dabei wie aus Versehen die Maus in ihrem Maul fallen. Ein paar Schritte weiter blieb sie stehen, blickte zurück, wartete.

Der Kuder – ja nun, der war ein Kater – der verstand sehr wohl, was die Dame wollte. Er folgte ihr.

Bald schon schlichen die zwei im Dickicht umher, stöberten Mäuse auf, putzten sich gegenseitig, lagen nebeneinander in der Sonne. Die Wildkatze war glücklich und zufrieden.

Oder doch nicht?

Bis zu jenem Tag als der Wildkater im Staub landete. Schuld war ein Leopard, der auf der Jagd nach einem Hasen aus dem Gebüsch brach, mit dem Kater zusammenstieß und ihn zu Boden schleuderte.

  • Ist er doch nicht das herrlichsten Geschöpf des Dschungels?

fragte sich die Wildkatze. Nachdenklich betrachtete sie den Leoparden, der den Hasen erlegte.

Leopard, Kopfansicht

Photo by Yigithan Bal von Pexels

Diese Eleganz, diese Verwegenheit!

Hoch erhobenen Hauptes schritt die Dame nun an dem fressenden Leoparden vorbei. Als sie bei ihm ankam, zitterte ihr aufgerichteter Schwanz ein wenig. Kurz vor einer Wegbiegung blieb sie stehen, blickte zurück, wartete.

Auch ein Leopard ist ein Kater. Bald schon legte er der Wildkatze Leckerbissen zurecht, schaukelte mit ihr auf einem Ast. Sie schlugen sich gemeinsam die Nächte um die Ohren – ja, es schien, als wäre die Wildkatze wieder glücklich und zufrieden.

Herrlich, herrlicher, am herrlichsten

Allerdings nur bis zu jenem Tag, als ein Löwe in ihrer Nähe brüllte. Der Leopard schreckte aus seinem Mittagsschlaf,  sprang instinktiv vom Baum und lief in langen Sätzen davon.

Die Wildkatze sah ihm auf dem Ast liegend nach; lässig schwang sie ihren Schwanz hin und her.

  • Angsthase!  Der  kann nicht das herrlichste Geschöpf des Dschungels sein.

Ihr Blick fiel auf den Löwen.

  • Diese Mähne… wie majestätisch…

Von da an verbrachten die beiden so manche Nacht zusammen. Sie jagten. Der Löwe teilte jedoch nur ungern. Meist wollte er sogar  noch die Beute der Wildkatze fressen. Morgens kehrte er zu den Löwinnen seines Rudels zurück und ließ sich versorgen.

Mit diesem Arrangement konnte die Katze sich nicht anfreunden.  Sie grübelte, während sie sich unter einem Baum ausruhte. Sollte sie den Löwen verlassen? Er benahm sich nicht wie das herrlichste Geschöpf des Dschungels. In dieser Stimmung war sie, als sie einem  Elefanten begegnete.

Des Widerspenstigen Zähmung

 

Afrikanischer Elefant, Kopf, Rüssel erhoben

  • Was für schöne, große Ohren!

schwärmte sie. Wie gewohnt, schritt unsere Wildkatze knapp an dem Elefanten vorbei, wackelte mit dem Hinterteil, blinzelte auffordernd. In einiger Entfernung an, hielt sie an, putzte sich und wartete.

Der Elefant aber bemerkte davon nichts. Er schüttelte die Ohren und fraß gemächlich weiter.

  • Na warte!

Entschlossen kletterte die Wildkatze auf den Baum, an dem der Elefant fraß, balancierte einen Ast entlang und sprang auf den Kopf des Dickhäuters. Dort zwischen den Ohren kreiste sie ein paar Mal, trat ein bisschen auf der Lederhaut herum, rollte sich schließlich zusammen, um zu dösen.

Elefant und Wildkatze: Szenen einer Ehe

Der Elefant, zunächst empört, bemerkte schnell, wie angenehm eine Kopfmassage war. Sein Kopf fühlte sich außerdem leichter an, da er der Sonne nicht unmittelbar ausgesetzt war. So beschlossen die beide, es miteinander zu versuchen.

In den ersten Tagen gab es ein  paar Schwierigkeiten. Die Katze konnte mit der veganen Kost nichts anfangen und der Elefant? Der verabscheute Mäuse in jeglicher Form. Sie mussten sich erst aneinander gewöhnen. Doch zwischen den Elefantenohren hatte die Wildkatze immer ein sonniges Plätzchen zum Ausruhen.

Allerdings gab es da noch weitere kleine Ärgernisse:

  • Hey,  was wirfst du Rüpel mir jetzt Sand ins Fell? Was glaubt du eigentlich? Das ich den ganzen Tag putze, oder was?
  • Wasser? Brrr, hör sofort auf herum zu spritzen!

Manchmal stellte sich die Wildkatze die Frage, ob der Elefant wirklich der Richtige für sie war. Trotzdem verließ sie ihn nicht. Er war ja nun einmal das…

HERRLICHSTE GESCHÖPF DES DSCHUNGELS!

Die Wildkatze und der Herr des Feuers

Doch eines Tages, als sie auf dem Kopf des Elefanten so vor sich hin döste, trompetete dieser plötzlich laut. Panisch klang das. Sie schreckte auf, sprang auf den Boden. Gerade rechtzeitig! Denn der Elefant stürmte so schnell er konnte davon.

Verblüfft sah sich unsere Katze um. Sie roch Rauch, sah die Flammen.

Feuer Rodung im Wald

Aus sicherer Entfernung beobachtete die Katze, wie sich die Flammen einen Weg bahnten und ein Stück Land freilegten. Erst als die Feuer erloschen waren, entdeckte sie ein  seltsames Wesen auf zwei Beinen. Es schien dem Feuer zu gebieten.

  • War das etwa das herrlichste Geschöpf des Dschungels?

Geheuer war der Mann der Wildkatze nicht. Sie beobachtete ihn lange, gut versteckt im Gehölz. Schließlich folgte sie ihm in gebührendem Abstand in sein Dorf. Dort schlüpfte er in eine Hütte. Die Katze sprang auf dessen Strohdach. Sie räkelte sich der Sonne entgegen. Entspannt und zufrieden schlief sie ein.

Geschrei weckte sie; Gezeter, das aus dem Haus drang.

Die Katze entscheidet sich

Der Mann kam aus der Hütte gestolpert. Er drehte sich um und sagte etwas. Dann duckte er sich und wich so einer Tonschüssel aus, die geflogen kam und am Boden zerschellte. Gleich folgte die nächste. Schnell brachte sich der Mann aus der Schusslinie, verschwand hinter der nächsten Hütte.

Verwundert lugte die Wildkatze nach unten.  Da sah sie die Frau, die dem Mann mit einem Krug in der Hand nachsah. Kurzentschlossen sprang sie vom Dach. Sie schlich sich an den Beinen der Frau vorbei ins Innere des Hauses und legte sich auf einen Platz neben dem Feuer.

Und dort liegt sie noch heute.

Schnurrrrr…

Beitragsbild: Von Sonelle in der Wikipedia auf Englisch – eigenes Werk

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