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Afrikanische Wildkatze liegend
Nebiga

Wie die Wildkatze ins Haus fand

Die Wildkatze ist Wildtier des Jahres 2018. Was wissen wir von ihr? Sie ist scheu, ortstreu und war in früheren Jahrhunderten in Europa weit verbreitet. Doch vor ein paar Jahren war sie in Deutschland fast ausgestorben. Das hat sich mittlerweile wieder gebessert, allerdings steht die Europäische Wildkatze immer noch auf der Roten Liste. Mit einem Bestand von rund 5.000 bis 10.000 Tieren in Deutschland gilt sie als „gefährdet“ und darf nicht gejagt werden.  Sie ist übrigens NICHT die Ahnherrin unserer Hauskatzen!

Die Afrikanische Wildkatze dagegen schon. Wie das kam? Die Dorfältesten der Shona aus Simbabwe erzählen es so – oder so ähnlich:

Die Wildkatze träumt

Feuchte Erde und Nebel in der Luft, verrottende Pflanzen, stehendes Wasser – es riecht nach Wurzeln und nach Gras; nein nicht nach Gras, mehr nach Farnen … nach Hängemoosen, Efeu und Lianen.

Jeder einzelne Baum hat einen eigenen Duft – und es gibt viele davon: Palmen, Pinien, Mahagoni – manche riechen bitter, andere süß oder sauer. Liegt Tau auf den Blättern intensiviert sich dieser Geruch noch und manchmal mischt sich das schwere Parfum einer Orchidee darunter oder das herbe Aroma einer Akelei.

So riecht er, der Nebelwald, viele nennen ihn auch Dschungel? Der Wald, von dem ich euch hier berichte, das ist ein richtiger Nebelwald. Einer, in dem es dampft und über den morgens eine Hauch weiße Schwaden hinwegzieht. Genauso wie die Netze der Seidenspinne, die in der Sonne glitzern.

Regenwald, Nebelwald, Dschungel

In diesem Nebelwald lebte einmal eine wilde Katze.

Sie lebte dort allein. Nachts schlich sie durchs Gehölz und jagte Mäuse und für untertags hatte sie ein bevorzugtes Sonnenplätzchen. Auf einem Stein neben einem Mahagonibaum sonnte sie sich und träumte, bis es wieder Zeit zu jagen war.

Sie lebte also ein gutes Katzenleben.

Doch eines Tages, als sie sich wieder einmal sonnte, wurde sie nachdenklich.

So ganz allein zu jagen, macht zwar Spaß, aber viel  lustiger wäre es zu zweit. Ich muss mir einen Mann suchen! Aber einen, der zu mir passt!

Für eine Katze kam natürlich nur der schönste, der stärkste, der größte aller Männer infrage: Ja, er musste das herrlichste Geschöpf des Dschungels sein!

und findet ihren Traum

Wie es der Zufall so wollte, kreuzte sie auf der Jagd in dieser Nacht den Weg eines Kuders – eines Wildkaters sozusagen. Ein stattliches Tier mit einem dunklen Streifen auf dem Rücken. Seine Stirn war schwarz gemustert als würde sie oft gerunzelt.

Ein Denker!

Sie war begeistert! Er nannte einen langen weißen Schnurrbart sein eigen. Der war viel länger als der ihre!

Was für ein herrliches Geschöpf!

Sie blinzelte kurz, stolzierte elegant an dem Kuder vorbei, lächelte und ließ dabei wie aus Versehen die Maus in ihrem Maul fallen. Ein paar Schritte weiter blieb sie beläufig stehen.

Der Kuder – ja nun, der war ein Kater – der verstand sehr wohl, was die Dame wollte.

Bald also schlichen die zwei zusammen im Dickicht umher, stöberten Mäuse auf, putzten sich gegenseitig und verbrachten viel Zeit zusammen. Sie waren glücklich und zufrieden.

Oder doch nicht?

Bis die beiden eines Nachts in das Revier eines Leoparden kamen. Der verfolgte gerade einen Hasen, huschte aus dem Gebüsch, rempelte den Kuder an und warf ihn in den Staub. Die Katze war schockiert, als sie das sah:

Wie sieht DER denn aus? Das Fell so staubig… mein Mann ist ja gar nicht schön! Bin ich nicht mit dem herrlichsten Geschöpf des Dschungels zusammen?

Nachdenklich betrachtete sie den Leoparden, der elegant den Hasen erlegte.

Leopard, Kopfansicht

Photo by Yigithan Bal from Pexels

Was für wunderschönen Flecken auf dem Fell! Diese Eleganz, diese Verwegenheit!

Hoch erhobenen Hauptes schritt die Dame nun an dem Kuder und dem fressenden Leoparden vorbei. Als sie letzteren passierte, zitterte ihr aufgerichteter Schwanz ein bisschen. Kurz vor der Wegbiegung blieb sie stehen, blickte zurück, wartete.

Auch ein Leopard ist ein Kater. Bald schon legte er der Wildkatze Leckerbissen zurecht, schaukelte mit ihr auf einem Ast und sie schlugen sich gemeinsam die Nächte um die Ohren. Sie waren also glücklich und zufrieden.

Herrlich, herrlicher, am herrlichsten

Eines Tages aber

Booooooaaaahhhhh

brüllte ein Löwe plötzlich von seinem Fels und schreckte den Leoparden aus seinem Mittagsschlaf.  So tief hatte der Leopard geschlafen, dass er verwirrt seinem Instinkt gehorchte und davonrannte. Die Wildkatze aber blickte ihm auf dem Ast liegend nach und schwang ihren Schwanz hin und her.

Ist der schreckhaft! So ängstlich kann das herrlichste Geschöpf des Dschungels nicht sein.

Dabei fiel ihr Blick auf den Löwen, der lässig fressend auf seinem Fels kauerte.

Ach, diese Mähne… wie majestätisch…

Löwe männlich, Wildkatze

Photo by Frans Van Heerden from Pexels

Auch der Löwe verstand schnell und so taten sich die beiden zusammen. Sie verbrachten so manche Nacht zusammen – jagten. Der Löwe teilte allerdings nur ungern, eine Maus war mit einem Haps weg. Meist wollte er sogar ihre Beute fressen. Und… noch etwas: Jeden Morgen murmelte er so etwas Ähnliches wie „Regierungsgeschäfte“ und verschwand.

Seine Ehefrauen! Was die immer wollen? Wo bleibe ich? Ich bin doch die Katze unter den Katzen!

Aber noch bevor unsere Wildkatze zeigen konnte, dass sie ihre Krallen einzusetzen wusste, kamen die beiden in das Revier einer Elefantenherde. Ein Elefant wanderte zum nächsten Baum, um zu fressen. Da trat er dem Löwen versehentlich auf den Schwanz.

Des Widerspenstigen Zähmung

Uiiiiii… schrie der Löwe und war weg.

Da rennt er – hab ich’s doch geahnt! Was ist der wehleidig! Der ist nicht würdig, mein Mann zu sein!! Ich verdiene …

Ja was wohl? Wir wissen, was jetzt kommen muss:

Afrikanischer Elefant, Kopf, Rüssel erhoben

Was hat der Elefant für schöne, große Ohren und stark ist er und groß!

Wie gewohnt schritt unsere Wildkatze knapp vor dem Elefanten vorbei. Sie blinzelte, sie strafte ihn mit Missachtung…

Nur der Elefant – der war ziemlich begriffsstutzig. Er schüttelte die Ohren und fraß gemächlich weiter.

Unsere Katze setzte wirklich alle ihre Verführungskünste ein, grad, dass sie sich nicht vor ihm rollte. Nichts schien zu wirken.

Na warte!

Entschlossen kletterte sie auf den Baum, an dem der Elefant fraß, balancierte einen Ast entlang und sprang auf den Kopf des Dickhäuters. Dort zwischen den Ohren kreiste sie ein paar Mal, trat ein bisschen auf der Lederhaut herum und machte sie es sich bequem.

Ahhh…

Zufrieden rollte sie sich zusammen und schnurrte.

Elefant und Wildkatze: Szenen einer Ehe

Der Elefant, zuerst empört, bemerkte schnell, wie angenehm so eine Massage war. Sein Kopf fühlte sich außerdem leichter an, jetzt, als er der Sonne nicht unmittelbar ausgesetzt war. So beschlossen also beide, es miteinander zu versuchen.

In den ersten Tagen gab es ein  paar Schwierigkeiten. Man musste sich aneinander gewöhnen: Die Katze konnte sich mit der veganen Kost nicht so richtig anfreunden und der Elefant? Der verabscheute Mäuse in jeglicher Form.  So einigten sie sich, dass die Wildkatze jagte, wenn der Elefant seine Blätter fraß. Zwischen seinen Ohren aber hatte sie immer ein schönes, sonniges Plätzchen und so waren auch sie glücklich und zufrieden.

Naja…

Hey,  was wirfst du Rüpel mir jetzt Sand ins Fell? Was glaubt du eigentlich? Das ich den ganzen Tag putze, oder was?

Ja, es gab des öfteren solche Ärgernisse.

Wasser? Brrr, hör sofort auf herum zu spritzen!

Sie stellte sich schon mal die Frage, ob der Elefant wirklich der Richtige für sie war. Trotzdem verließ sie ihn nicht. Er war ja nun einmal das… HERRLICHSTE GESCHÖPF DES DSCHUNGELS!

Die Wildkatze und der Herr des Feuers

Doch – eines Tages, als sie auf dem Kopf des Elefanten so vor sich hin döste, trompetete dieser plötzlich laut. Panisch klang das, eigentlich. Sie schreckte auf, sprang auf den Boden. Gerade rechtzeitig! Denn der Elefant stürmte so schnell er konnte davon.

Verblüfft sah sich unsere Katze um. Sie roch Rauch.

Feuer Rodung im Wald

Vor ihr stand ein – äh – eher kleiner Mensch, ein Mann, kahl und unansehnlich, aber umgeben von einem Feuerring. Die Hitze war fürchterlich und die Flammen fraßen die Erde um ihn herum leer. Ihm aber taten sie offenbar nichts!

War das etwa das herrlichste Geschöpf des Dschungels?

Geheuer war der Mann der Wildkatze nicht, auch nicht als die Flammen verlöschten. Sie beobachtet ihn lange, gut versteckt im Gehölz und folgte ihm schließlich im gebührendem Abstand in sein Dorf. Dort schlüpfte er in eine Hütte. Sie aber sprang auf das Strohdach und beobachtete vorsichtshalber weiter. So achtsam war sie, dass keiner der Dorfbewohner sie bemerkte.

Hier oben entdeckt mich niemand und ich habe nachts meinen Zeitvertreib! Mäuse gibt es genug!

Und so räkelte sich die Katze zufrieden der Sonne entgegen. Endlich hatte sie es gefunden – das herrlichste Geschöpf des Dschungels! Entspannt und zufrieden schlief sie ein.

Aber, was war das? Geschrei weckte sie. Gezeter, das aus dem Haus drang.

Die Katze entscheidet sich

Der Mann stolperte heraus, drehte sich um und sagte etwas. Dann duckte er sich und wich so einer Tonschüssel aus, die geflogen kam und am Boden zerschellte. Gleich folgte die nächste. Schnell brachte sich der Mann aus der Schusslinie, verschwand hinter der nächsten Hütte.

Verwundert lugte die Katze nach unten.  Da sah sie die Frau, die dem Mann mit einem Krug in der Hand nachsah.

Was für eine schöne Gestalt, die Figur – und das Fell – wie Mahagonirinde!  Ja, nicht der Mann ist das herrlichste Geschöpf, sondern die Frau!

Kurzentschlossen sprang die Katze vom Dach, schlich sich an den Beinen der Frau vorbei ins Innere des Hauses und legte sich neben das Feuer.

Und dort liegt sie noch heute.

Schnurrrrr…

Beitragsbild: Von Sonelle in der Wikipedia auf Englisch – eigenes Werk

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Piet Grobler: Der Zauber Baum
Tipp

Piet Grobler: Vom Zauber im Baum

Mitten in Afrika steht ein Baum. Kein gewöhnlicher Baum, einer mit Früchten so groß wie Melonen, so saftig wie Granatäpfel und so samtig weich wie Mangos. Sie duften nach Himbeeren und ihr Saft schmeckt so glockenklar, dass deine Zunge ihn nie mehr vergisst. Woher ich das weiß? Schaut ihn euch doch an: Einer der bedeutendsten Illustratoren Südafrikas – Piet Grobler – hat ihn für uns im Bilderbuch Bojabi, der Zauberbaum: Eine afrikanische Fabel von Dianne Hofmeyr gemalt. Weit über die Savanne ragt dieser Baum hinaus, schon von weitem zu sehen.

Als nun einmal eine Zeit der Dürre über das Land kam, fanden die Tiere des Dschungels in der näheren Umgebung nichts mehr zu fressen. Daher beschlossen sie aufzubrechen und anderswo etwas zum Essen zu suchen. Nur der Satteste von ihnen, ihr König – der Löwe – blieb zurück und bewachte sein Revier. Die anderen Tiere aber wanderten Tag und Nacht und Nacht und Tag bis sie die Früchte unseres Baumes am Horizont in der Sonne leuchten sahen.

Macht schon! Dort gibt es etwas! Beeilt euch!

Die Gazelle, der Elefant und das Zebra freuten sich und liefen so schnell ihre Beine trugen; jeder wollte als erster beim Baum sein und sich wieder einmal richtig satt fressen. Doch nicht alle Tiere konnten mithalten: Die kleine Schildkröte zum Beispiel, die plagte sich und kam trotzdem nur langsam voran. Als sie endlich den Baum erreichte, fand sie alle Tiere schon versammelt davor. Niemand aber hatte die Früchte angerührt, denn eine riesige Python lag um den Stamm gewickelt. Der Elefant war der einzige, der keine Angst hatte.

  • Ich bin zu groß, als dass sie mich fressen kann!

So näherte er sich, fragte nach einer Frucht, aber die Python zischte:

  • Weißt du den Namen des Baumes?
  • Äh… Wunder…baum, vielleicht?
  • Ssszzzzt… du weißt ihn nicht! Sssszzzzt… nur wer den Namen weiß, darf von den Früchten kosten.

Piet Grobler: Der Zauberbaum mit Python Er versuchte es mit mehreren Namen und scheiterte. So hungerten alle Tiere weiter. Nur, dass jetzt diese Früchte über ihren Köpfen lockten. Verzweifelt überlegten die Tiere: Wie könnte dieser Zauberbaum nur heißen?

Da meldete sich die kleine Schildkröte plötzlich zu Wort.

Afrika erobert das Kinderzimmer im Nu

Wie es weiter geht? Schau es dir selbst an! Aber Vorsicht! Wer das Buch öffnet, der verwandelt das vertraute Kinderzimmer in einen anderen Ort: Python, Elefant, Zebra, Gazelle, Igel, Affe, verschiedene Vögel und die klitzekleine Schildkröte schlängeln, trampeln, kriechen, krabbeln, springen auf den Tisch, aus dem Regal und in die Kuschelecke. Afrika kommt dann nämlich zu Besuch.

Wie der Illustrator Piet Grobler diese Lebendigkeit hinkriegt? Der Künstler erinnert sich, wenn er zeichnet. Er kennt die Fauna Südafrikas von Kindheit an, denn er kommt von einer Farm in Limpopo… jener Provinz im Norden Südafrikas, wo der Krüger-Nationalpark liegt , das größte Wildschutzgebiet des Landes. Wenn jemand dort aufgewachsen ist, steckt es einem in den Knochen. Grobler:

  • Afrika – es ist mein Mutterland. Wie ich handle, alles, was ich tue, wie ich entscheide, wird diesen Kontinent spiegeln. Die Tiere, das Wetter, die Sonne, all das ist in meiner Arbeit präsent.

Ja, aber dPiet Grobler: Löwe und Zebraas ist nicht alles. Sein Geheimnis liegt tiefer, darin, wie er mit einem Bilderbuch-Auftrag umgeht.

  • Ich erzähle einfach Geschichten mit meinen Illustrationen.

Allerdings hat er dabei nicht im Kopf, für Kinder zu zeichnen. Grobler schafft Bilder für den Text, zeichnet das, was dieser verlangt. Wie er das macht?

  • Wenn ich den Text bekomme, lese ich ihn etliche Male, trage ihn einige Monate mit mir herum, lasse ihn sinken und drehe und wende ihn in meinem Kopf. Ich frage: Wie möchte dieser Text ausschauen?

Manchmal will der sich offenbar in Schale schmeißen: wie ein Löwe mit goldenem Sonnenkranz als Mähne. Als das Zebra im Buch bei dem König der Tiere auftaucht und ihn beim Dösen stört, riskiert der Löwe bloß ein müdes Auge. Die kleine Schildkröte muss später einen wesentlich wütenderen Herrscher aushalten.

Verrate ich zu viel? Eines noch:

Ausdauer ist das Thema des Buches, Wiederholen, Dranbleiben… Eigenschaften, die helfen, dass man gut in dem wird, das einen begeistert. Bojabi, der Zauberbaum ist  Buch, das Mut zum Lernen macht – und eines, das dich zum Lachen bringt.

Was alles in einem Baum steckt…

Aber das Buch steht in diesem Blogbeitrag ja eigentlich nicht im Mittelpunkt. Der Baum ist’s, der Zauberbaum mit seinen Früchten…

Grobler hat ihn schon sehr früh entdeckt und war ihm treu geblieben, hegt und pflegt ihn:

  • Seit ich mich erinnern kann, zeichne ich Bilder. In Afrika gab es nicht so viele Zeichenbücher, deshalb benutzten wir Umschläge von Vaters Post. Wir rissen sie auf und zeichneten innen.

Man kann sich vorstellen, dass da alles Mögliche entstand – in den über 80 Büchern, die der Bilderbuch-Künstler mittlerweile in der ganzen Welt illustriert hat, geht es um Tiere, Monster, um Engel, Menschen und Pflanzen. Die Motive gehen dem Vielarbeiter nie aus.

Wenn er draußen in der freien Natur keine Inspiration findet, entstehen sie in seinem Kopf: Das Vogel-ABC zum Beispiel oder Ballade vom Tod, ein Buch, das im Verlag Gerstenberg erschienen ist.

Letzteres scheint dem heiteren Wesen von Groblers Zeichnungen entgegen zu stehen.

  • Ich möchte, dass die Leute fröhlich sind, glücklich. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch Arbeit schätze, die leicht melancholisch ist oder ernster.

Leicht melancholisch? Was gibt es Ernsteres als ein Buch über den Tod? Trotzdem schafft Grobler den Spagat – sein humoristisch-heiterer Blick auf die Welt hilft ihm dabei.

Ein Blick, den der Illustrator auch einsetzt, wenn er für Erwachsene zeichnet. Das tut er nämlich ebenso wie er auf der Univeristät von Worcester, England, unterrichtet. Professor Piet Grobler bildet zukünftige Illustratoren aus – und reist dafür kreuz und quer durch die Welt.

Groblers Baum der Fantasie könnt ihr nun schon von weitem sehen, von Europa genauso wie von Lateinamerika. Seine Krone verzweigt sich auch mehr und mehr: Es treiben ständig neue Äste, Blätter, Früchte…

Die Webseite des Illustrators findet ihr hier!

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Wer ist sie, die Hexe Baba Jaga?

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Alpträume der Baba Jaga
Nebiga

Warum Baba Jaga Albträume hat

Gut, dass Baba Jaga so zurückgezogen lebt! Schon vor langem ihr Hüttchen auf Hühnerbeinen noch tiefer zwischen die Bäume hineingetrieben hat. Dorthin, wo der Wald so dicht und dunkel ist, dass man die Hand vor den Augen und die Füße auf dem Weg nicht sieht.

Hätte sie nicht so früh Maߟnahmen ergriffen, müsste sich Baba Jaga jetzt gegen Anhänger wehren. Gegen „Fäns“ oder „Followers“, die in Bussen zu ihr pilgern; sie zwecks tiefsinniger Prophezeiungen löchern und Heilsalben von ihr fordern.

Sie müsste tagtäglich Menschen riechen, besonders aber an den Wochenenden. Diese stünden Schlange, um „Großmütterchen“ zu sehen.

Großmütterchen, ha!

Und Baba dürfte keinen fressen; müsste die vom verlockendem Menschenduft geblähten Nasenlöcher freundlich kräuseln und sich den Fragen widmen. Den Nerv tötenden Fragen über die Zukunft der Welt, das Liebesglück einzelner oder die Anzahl der Jahre ihrer armseligen Leben.

Als interessierten die weise Alte Nichtigkeiten wie diese… Wie ein Krieg ausgeht zum Beispiel, ob das eine Land mehr Recht hat zu siegen als das andere, wer die kommende Wahl gewinnt und wie lange voraussichtlich jemand an der Macht bleibt.

Schwesterchen Wanda aus Petrich, Bulgarien

Baba-VangaIn Petrich, Bulgarien, zum Beispiel war eine ihrer zwei Schwestern, eine der drei Babas in der Welt, tatsächlich mit der Frage nach Spielergebnissen der Nationalmannschaft konfrontiert worden: Ein Schnauben war das einzige gewesen, was der Wahrsagerin solche Dummheit wert war.

Danach hatte es gleich geheiߟen, zwei Mannschaften mit B würden es ins Finale der Weltmeisterschaft 1994 schaffen. Dass die Bulgaren dann im Viertelfinale gegen Italien verloren, entäuschte die hohen Erwartungen.

Sterbliche interpretieren, manipulieren und machen auch nicht vor Mythen und uraltem Wissen halt. Wenn aber nicht hält, was sie sich versprochen haben, fühlen sie sich von der Wahrsagerin verraten anstatt von ihren Schlussfolgerungen.

Das erwartet heute eine gute Hexe

Baba und ihr neues Haus

  • Heute hätte Baba Jaga Umsatzsteuer auszuweisen, einen eigenen Registereintrag und eine Website.
  • Vor ihrem Haus, einem, das extra für sie gebaut worden wäre, würde eine Frau Heilsalben, natürliche Kosmetikas und Fläschchen mit Kräutertinktur an Touristen und Ratsuchenden verkaufen. Diese Frau säße Tag für Tag auf der Stufe, ohne im Geringsten zu ahnen, wie ihr Menschenduft den Appetit der ach so liebenswürdigen, harmlosen, alten Kräutersammlerin im Haus anregt.

Liebenswürdig? Harmlos? Blind sind sie, die Menschen! Viel blinder als die Babas selbst.

Die meisten Menschen erkennen nicht, wer Baba Jaga tatsächlich ist, bemerken die Totenschädel mit den glühenden Augen in ihrem Garten nicht, obwohl diese Tag und Nacht leuchten.

Ach, die Ahnungslosen!

  • Auf Youtube-Videos würden Vorhersagen, die angeblich von ihr stammen, im Wortlaut weiterverbreitet, kommentiert und zur Auslegung der vielgerühmten Schwarmintelligenz vorgelegt.
  • Sie müsste ungezählten Selfies beiwohnen, die dann mithilfe von Suchmaschinen weltweit aufzufinden sind.
  • Ihre Lebensgeschichte hätten geschäftstüchtige Männer verfilmt. Im Fernsehen würden Politiker mit ihr auftreten. Hitler war angeblich bei Baba Wanda gewesen – und Todor Schivkov, lange Jahre Diktator Bulgariens, zählte zu den „Stammkunden“.

Aufdringlicher, hinterlistiger, verbissener Mann!

Kein Wunder, dass Schwesterchen Wanda sich zum Sterben hingelegt und ihre Seele lieber nach Frankreich geschickt hatte. Sie wußte, dort würde einmal ein Kind geboren, blind, wissend, eigenartig – eine alte Seele.

Wer Baba Jaga heute sucht…

Baba Jagas NachtWer 2017 Baba Jaga um Rat fragen will, muss in die Stille gehen. Das Smartphone ausschalten. Es kann den Weg sowieso nicht leuchten.

Wer sie sucht, muss sich jeden Schritt in Dunkelheit ertasten. Die Weise hat sich rar gemacht, dreht ihr Hüttchen nur noch, wenn es dreimal klopft: von der Liebe, von der Seele – und vom Tod. Der Weg zu Baba Jaga ist also beschwerlich, sie duldet keine Ablenkung.

Und es ist der Alten egal, ob es gefällt oder nicht. Bei ihr gibt es sowieso keinen Empfang.

Titelbild von Viktor Vasnetsov

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Die Hexe Baba Jaga
Nebiga

Wer ist sie, die Hexe Baba Jaga?

Baba Jaga, sagen die einen, ist eine Hexe. So einfach ist das. Nur ist sie anders als alle Anderen. Das fängt damit an, dass sie keinen Besen fliegt. Besen sind zum Fegen. Und damit basta.

Wenn sie sich schon fortbewegen muss, dann bitte bequem in einem Mörser sitzend, nicht auf einem Holzstab, der zwischen den Beinen zwickt. Ihr Fluggefährt dirigiert sie mit dem Stößel; sie braucht ein Ruder – Mörser fliegen einfach drauflos oder trudeln im Kreis, wenn niemand ihnen sagt, wo es lang geht..

Ihre Hütte: Wo es richtig gemütlich ist

Die Hütte der Baba Jaga Sie verlässt ihre Hütte mitten im Wald nicht gern. Wozu auch?

Einmal steht ihr Hüttchen auf Hühnerbeinen. Damit kann sie so weit fort gehen, wie sie will. Nur will sie meistens nicht. Ihr gefällt der dichte Wald schon ganz gut, wenn er auch mehr und mehr mit diesen Russen bevölkert ist. Überall sind Menschen, riechen verlockend. So gerne würde sie die fressen. Aber mittlerweile sind es viel mehr als sie verdauen könnte.

Vasilia im Garten der Baba Jaga

Trotzdem stecken in ihrem Garten ihre ganz eigenen Rosenkugeln. Statt der Kugel an der Spitze hat sich Totenschädel angebracht. Trophäen aus einer alten Zeit. Die Augenhöhlen glühen, geben Feuer und Licht.

Menschen verpesten überall die Luft. Am schlimmsten sind die christlichen Priester, diejenigen, die den alten Glauben zunichte machen. Vor allem den Glauben an sie. Und diese Priester hinterlassen an allen Ecken und Enden ihre Klöster, ihre Kirchen, ihre Ideen.

Baba Jaga lebt in slawischen Märchen

Sie ist das, was sie immer war: eine schillernde Figur. Eine mit vielen, in den bekanntesten Märchen aber eine mit besonders häßlichen Gesichtern: Ihre Lippen hängen bis zum Kinn. Die Nase wächst lang und krumm, dicke, schwarze Warzen verunstalten ihre Wangen. Eisernen Zähne blitzen.

Wen dieses Bild wenig schreckt, den inspiriert sie. Sie ist Wolke, Mond, Tod, Winter, Schlange, Vogel, Pelikan oder Göttin der Erde…

Ist sie böse? Ist sie gut?

In den Geschichten, die über sie in Umlauf sind, zeigt sie, dass sie beides kann. Wer zu ihr kommt, muss vor allem arbeiten können, muss loyal und ehrlich sein. Aber auf keinen Fall unterwürfig!

Nichts haßt sie so sehr wie Menschen, die sich selbst nicht vertreten können.

der Ritt der Baba Jaga

Wer macht von so einer Schreckschraube schon ein Porträt? Da muss schon ein Mann her, der schon vor langer Zeit ausgezogen war, um das Fürchten zu lernen. Ein Mann wie Iwan Jakowlewitsch Bilibin, am 16. August 1876 geboren, 1942 gestorben. Er zog aus, Baba Jagas Welt zu malen. Gelungen sind ihm die schönsten Märchenbücher der Jahrhundertwende.

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Nebiga

Was bitte schön ist Glück?

Die Halbzeit von 28 Days of Blogging ist erreicht: Wir haben täglich gepostet. Manchmal war es knapp vor Mitternacht, aber wir haben es hingekriegt. Wir sind heute einmal so richtig zufrieden mit uns. Alle lehnen wir uns einen Augenblick zurück, denke ich. Alle, die bei dem Blogging-Marathon mitmachen.Wir betrachten, was wir geschafft haben, nicken uns zu, klopfen uns auf die Schultern und fühlen uns wohl. So wohl.

Ist das jetzt Glück?

Was Pech ist, weiß ich schon. Das hat mir Frau Wolle erzählt.  Wer’s auch noch wissen will, hört ihr am besten zu:

Glück ist: Liebe, Geld und Überleben

In diesem irischen Märchen fehlt zum Glück nicht wirklich viel: Etwas Liebe – ja – und eine Truhe mit Goldstücken. Ach – und den Wölfen weicht man am besten auch noch aus. Aber sonst…

Irlands durchschnittliches Glück lag 2005-2014 bei 7,5 von einer Skala zwischen 1 und 10.

Wo so etwas nachzulesen ist?

In der Weltdatenbank des Glücks, dem Archiv der Forschungsergebnisse zum subjektiven Empfinden von Freude. Dort sammeln die Glücksforscher dieser Welt die Resultate ihrer Studien. Sie haben einen Index entwickelt, mit dem sie das durchschnittliche Glücksempfinden der verschiedenen Länder bewerten. Irlands Glücksempfinden ist seit dem Beginn der Messungen Anfang der 70er Jahre um 3 Prozentpunkte gesunken.

Scheint so als würde Liebe, Geld und Überleben doch nicht ausreichen.

Deutschland liegt übrigens bei 7, 2. Der Spitzenreiter aber ist Costa Rica – mit dem durchschnittlichem Glücksempfinden von 8.9.

Ist ja auch kein Wunder! In Costa Rica scheint das ganze Jahr die Sonne; es gibt Meer, Freude und Tanz. Im Süden lebt es sich einfach besser, sagen die Leute. Am ehesten die, die dorthin auf Urlaub fahren.

Ja Costa Rica ist schön. Aber Costa Rica ist auch arm, sehr arm. Ein Vergleich: Das Bruttoinlandprodukt (BIP) des Landes liegt unter 50 Milliarden US-Dollar. Deutschland verfügt über 3, 73 Billionen US-Dollar.

Warum sind die Costa Ricaner also glücklicher?

Was wir heute über Glück wissen

Am besten fragen wir Ruut Veenhoven, den „Glücksprofessor“, der die Happiness-Datenbank gegründet hat. Er antwortet auf fünf Fragen. Als denn:

1. Was ist Glück?

Glück ist die subjektive Wertschätzung des Lebens. Mit anderen Worten, wie gut gefällt einem das Leben, das man führt.

2. Kann man Glück überhaupt messen?

Nachdem das Glück als etwas definiert ist, das wir im Kopf haben, kann es durch den Einsatz von Fragen gemessen werden. Eine gängige Frage ist: Alles in allem, wie zufrieden bist du zurzeit mit deinem Leben als Ganzes? Die Skala reicht von 0 – extrem unzufrieden bis 10 – extrem zufrieden. 

3. Wie glücklich sind wir?

Das divergiert von Land zu Land: Bei 7, 2 – dem deutschen Ergebnis – können wir davon ausgehen, dass die meisten Deutschen sich meistens glücklich fühlen.

4. Was macht uns glücklicher oder weniger glücklich?

Hier spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: kollektives Handeln und individuelle Verhaltensweisen, einfache Sinneserfahrungen und höhere Erkenntnisse, stabile Eigenschaften der Person und ihres Umfelds, aber auch Launen des Schicksals.

(Mit einfachen Worten: Dieser Bereich ist ein gigantisches Forschungsgebiet. In jedem Land gibt es andere Faktoren. Viel Arbeit für die Glücksforscher!)

5. Ist größeres Glück möglich?

Ein Großteil der wissenschaftlichen Arbeit über das Glück wird von der Hoffnung getragen, Wege zur Schaffung größeren Glücks für eine größere Zahl von Menschen zu finden.

Hoffnung und Glück also: die beiden gehören offenbar zusammen. Wir hoffen, dass wir mehr Glück haben.

Doch bleiben wir bei heute: Wie steht es jetzt? Wie zufrieden sind wir alles in allem mit unserem Leben als Ganzes?

Wenn ihr so fragt…

SEHR ZUFRIEDEN!

Wie glücklich seid ihr heute? Das Kommentarfeld ist weiter unten! :)

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