Auf der Suche nach der Herberge
Nebiga

Was auf der Suche nach Herberge niemand erwähnt

Die Gasse lag staubig im Dunkeln. Zwischen der dritten und der fünften Sur in Cholula, Mexiko, duckte sich das Haus der Nonnen hinter einer hohen, mit Glasscherben besetzten Mauer. Herberge sollte es sein für diesen Tag. Ein einziges Fenster leuchtete.

Das Tor zum Haus war jedoch festlich geschmückt. Ein Weihnachtsstern prangte in der Mitte eines Kranzes aus Reisig, in dem Orangenscheiben, Zimtstangen, Anis und goldener Bänder steckten. Auf der gegenüber liegenden Straßenseite wartete Pepe. Er lauschte dem Krachen der Feuerwerkskörper, die Jung und Alt am Hauptplatz der Stadt zündeten; sein Blick folgte den spritzenden Blüten am Himmel; Funken spiegelten sich in seinen Augen.

Jetzt müssten sie bald kommen…

Ein Pilgerzug bittet um Herberge

Erste Pilger bogen um die Ecke. Mehr und mehr Menschen folgten  – Nachbarn, Freunde und sogar ein paar Mitglieder der Kirchengemeinde, die einige Straßen weiter wohnten. Auch sie hatten sich dem Zug angeschlossen; sie wollten heute im Nonnenhaus Herberge suchen. Aus Neugier vermutlich.

In der Mitte des Pilgerzugs schlenderten Kinder: Maria und José, Engel, Esel und Ochs. Sie trugen Kerzen. Hinter ihnen spielten Musikanten und verstummten erst, als die Gruppe vor dem Tor des rot gestrichenen Nonnenhaus stehen blieb.

Die Kinder bildeten eine Gasse. Für José. Er trat vor und klopfte ans eiserne Tor. Die Musikanten stimmten an:

  • Im Namen des Himmels bitte ich um Herberge
  • denn weiter kann sie nicht mehr, meine geliebte Frau…

Im Nonnenhaus ging Licht an, sogar vorne am Tor. Die Metalltür öffnete sich einen Spalt. Der Pilgerzug sang:

  • Hier ist keine Herberge, geht weiter
  • Ich darf euch nicht öffnen, ihr könntet Gauner sein

Fast 500 Jahre ist es her

Im Nonnenhaus wohnten schon lange keine Nonnen mehr. Sie waren eines Tages plötzlich ausgezogen, ohne es der Gemeinde zuvor mitgeteilt zu haben. Das Haus stand danach eine Weile leer, bis Anfang des Jahres die Fremden eingezogen waren.

Pepe grinste, erinnerte sich an die junge Frau, die eines Tages in seiner Schreinerwerkstatt auftauchte und mit starkem Akzent um einen Besuch bat. Ein Tisch sei zu reparieren. Er wollte zuerst sehen, ob sie Geld mitgebracht hatte.

Sie war entsetzt. Wie konnte er an ihr zweifeln? Pepe zuckte nur mit den Schultern.

Eroberung Mexikos

Diego Rivera: Mural im Palast von Hernán Cortés in Cuernavaca, Morelos

Gauner gibt es überall! Das weiß in Mexiko jedes Kind. Auch dass diese selten auf den ersten Blick zu erkennen sind. Denn Gauner behaupten, was ihnen beliebt, auch, dass sie etwas Besonderes sind, Götter sogar. Sie schleichen sich unter dem Vorwand ein, Handel treiben zu wollen, bringen stählerne Waffen und Krankheiten mit und vernichten letzendlich Landstriche, Völker, ein riesiges Reich.

In nicht einmal 50 Jahren starben im 16. Jahrhundert nach der Eroberung des Aztekenreichs etwa 22, 5 Millionen Menschen – Mayas, Azteken,  Zapoteken, Mixteken, Huasteken und noch viele mehr, deren Namen heute kaum einer mehr kennt. Ursache waren die Fremden, die Spanier – Hernán Cortés und alle, die ihm folgten. Dieses Wissen steckt tief im mexikanischen Bewusstsein.

Gerüchte, die schneller fliegen als Tatsachen

  • Weißt du, wer von den Männern der Ehemann ist?
  • Womit verdienen die ihr Geld?
  • In der Kirche habe ich die noch nie gesehen.
  • Sie essen Tortillas. Ich hab‘ den Jungen beim Einkaufen zugesehen.
  • Ist das der mit dem Gold im Haar?

Am Anfang hatte Pepe nur die Gerüchte gehört. Manche  Nachbarn – Kinder wie Erwachsene – machten sich den Spaß, klingelten an dem roten Tor und fragten nach den Nonnen.

  • Hier gibt es keine Nonnen

antwortet die junge Frau. Die ersten paar Male noch verwundert, später genervt. Das wussten die Nachbarn. Doch der Satz klang so verrückt aus dem Mund der Fremde . Sie war jedoch lernfähig: Bald schon kam der Satz wie aus der Pistole geschossen, korrekt – mit fremder Betonung, aber ohne Verlegenheit.

Es blieben der Straße nur noch die Gerüchte – Mutmaßungen, Vorurteile… Pepe hörte eine Menge davon, hielt sich weiterhin vom Nonnenhaus fern. Schwieg meistens, wenn die junge Frau kam. Sie war geduldig geblieben; besuchte ihn täglich vor und nach der Arbeit; fragte, wann er sich denn endlich den Tisch ansehen würde.

  • Morgen,

sagte er; drei Monate lang. Sie fragte, er vertröstete. Bis sie eines Tages sagte:

  • Ich bin Nina. Versprich es mir in die Hand!

Da blieb ihm nicht anderes übrig: Pepe machte sich schließlich auf – zum Haus über der Straße, dem Nonnenhaus.

Wenn ein Tisch zu reparieren ist

Der Tisch war kein leichter Fall gewesen: Wackelig in den Beinen, aus dem Leim gehende Einlegearbeiten und eine an den Kanten stark abgenutze Tischplatte. So lernte er das Leben im Haus kennen;

  • Wohngemeinschaft

nannte es Nina. Pepe verlor den Überblick: Stets waren Leute da. Ob sie als Besuch galten oder im Nonnenhaus zuhause waren, konnte er meistens nicht sagen. Nina, ihr Junge mit den blonden Haaren und der Andalusier – die lebten bestimmt hier. Die junge Deutsche, die beiden Schweizer, der Texaner, die Peruanerin… wer weiß?

Während Pepe Kanten schliff, Einlegearbeiten ausbesserte und den Beinen das Wackeln austrieb, beobachtete Nina, was er tat und  löcherte ihn mit Fragen:

  • Habt ihr schon einen Christbaum für Weihnachten ?
  • Was gibt es am Weihnachtstag zu essen?
  • Wie feiert ihr Heiligabend?

Natürlich hatte seine Familie schon eine Pinie geschmückt. Seit dem 1. Dezember stand sie bereits im Haus. Später, erklärte er, hätte sowieso niemand mehr Zeit dafür;

  • später gehen wir von Haus zu Haus. Wir besuchen uns gegenseitig, neun Tage lang. Jeden Tag  kommt ein anderer dran. Wir klopfen bei Freunden, Nachbarn oder Verwandten, suchen Herberge und wenn wir eingelassen werden, feiern wir.

So viel hatte er das ganze letzte Jahr zusammengenommen nicht geredet.

Herrschende bestimmen Rituale

Im Troß der spanischen Eroberer reisten auch Missionare. Sie wollten die Götzenanbeter zum wahren Glauben bekehren. Mit wenig zimperlichen Methoden. Diese forderten nahezu ebenso viele Opfer wie die eingeschleppten Krankheiten.

Die Mönche hatten eine klar definierte Aufgabe: In zehn Jahren sollten sie die Heiden zu christlichen Arbeitern umerziehen.  Sie duldeten natürlich keine andere Religion neben dem Christentum. Das spirituelle Leben der Einheimischen war in ihren Augen sowieso keine Religion, sondern heidnischer Aberglaube und Hexerei.

Die Augustiner waren da keine Ausnahme. Der Bettelorden des Spätmittelalters hatte im 16. Jahrhundert schon längst das „Bettel“ verloren. Man errichtete das Kloster Alcolman nahe Mexiko Stadt – mit Hilfe derjenigen, die man bekehren wollte. Doch damit scheiterten die Mönche anfangs. Die Azteken liebten Feste und Feiern und hatten das ganze Jahr bereits verplant – ständig gab es heilige Feste zu Ehren ihrer Götter, auch wenn die Einheimischen keine Menschen mehr opferten.

Also mussten sich die Augustiner etwas einfallen lassen. Sie widmeten kurzerhand ein mehrtägiges Fest im Dezember um. Zwei Dinge führten sie ein:

  1. La Posada – statt der Prozession zum Altar einheimischen Gottes, ließen sie Maria und Josef Herberge suchen.
  2. La Piñata – bunte, mit Früchten und Erdnüssen gefüllte Figuren aus Krepp bestimmten die anschließenden Feiern. Auf sie schlugen die Einheimischen mit Stöcken, bis die Köstlichkeiten herausfielen.

In der Gasse 11 Poniente

La Posada - das Fest kann beginnen

Das erwartet die Herbergssuchenden – beachtet die dunklein Krug! Der ist mit Ponche – Punsch – gefüllt.

Zwischen der 3 und der 5 Sur standen an jeder Staßenseite neun Häuser. Damit kamen genug Häuser zusammen, so dass jedes nur alle zwei Jahre die Pilger bewirten brauchte.

Doch als das Nonnenhaus leer stand, ging die Rechnung nicht mehr auf. Die Fremden traute sich niemand zu fragen.Keiner nahm an, dass Nina mitmachen würde. Als Pepe aber den fertigen Tisch übergab, sagte er:

  • Keine Bezahlung, Nina. Richte dein Haus als Herberge aus.

Pepe  zählte die Pilger, die gekommen waren. Es waren mehr als irgendwo sonst in Cholula. Zufrieden sang er die letzte Strophe. Nina öffnete das Tor vollständig, hielt es auf, ihren Jungen an der Hand:

  • Tretet ein, heilige Pilger, ihr bekomm diese Ecke
  • so ärmlich die Wohnung ist, ich gebe sie von Herzen

An ihr vorbei zogen die Pilger, die Kinder, die Nachbarn, Freunde – auch Pepe. Sein Tisch, der reparierte Tisch bog sich vor Köstlichkeiten. Manche Speisen kannte er nicht. Sie sahen fremd aus. Trotzdem wusste er:  Sie alle werden alles probieren!

So bitten Pilger um Herberge

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Beitragsbild: Cornelis Massijs, Ankunft der Heiligen Familie in Bethlehem

Unterirdische Stadt Buchhaim
Tipp

Die unterirdische Stadt von Buchhaim

Menschen leben oberhalb der Erde, sie bauen seit Generationen höher und höher. Es ist, als würden Luft und Ausblick uns nach oben treiben, als könnten wir gar nicht hoch genug kommen und weit genug sehen. Das Oben einer Stadt gibt ein Gefühl von Freiheit: Danach sehnen wir uns. Das Unterhalb ist weniger verlockend: Von den Leitungen, der Kanalisation, den Katakomben, Schächten und U-Bahn-Röhren sprechen wir kaum. Die unterirdische Stadt existiert, aber eher als Gegenspieler von jener da oben.

Wir dulden sie, wissen aber kaum etwas über sie. Unterirdische Städte bleiben oft unerwähnt, viele sogar unerforscht. Deutlich wird das, wenn wir mit ihnen konfrontiert sind.

Die Leser zum Beispiel, die das im November erschienene „Comic-Buch“ von Walter Moers erstanden haben – den ersten Teil seiner zweiteiligen Graphic Novel „Die Stadt der Träumenden Bücher“.

In ihm spielt die unterirdische Stadt von Buchhaim die Hauptrolle; der Teil der berühmten Bücher-Stadt, der für Bücherjäger und Dichter am ergiebigsten ist.

Im Januar erscheint dann Teil 2 des Comics. Ideal also für Geschenkejäger und  all diejenigen, denen normalerweise an den letzten Tagen vor Weihnachten immer noch ein Präsent fehlt:

  • Teil 1 eignet sich als handfestes Geschenk für Heiligabend,
  • die Vorbestellung von Teil 2 lässt sich gleich miterledigen – als Geschenksverlängerung.

Auf diese Weise hält die Freude beim Beschenkten länger an ?.

Farbenfroh: Hildegunst und seine Abenteuer

Stadt der träumenden BücherMit seinem Roman „Die Stadt der träumenden Bücher hatte Moers, der Comiczeichner und Erfinder von „Käpt’n Blaubär“ und dem „Kleinen Arschloch“, einen Riesenerfolg. Er schuf eine eigenwillige Welt – eine, in der Saurier leben, die der Kultur des Dichtens frönen. Man sagt, Moers erklärte mit diesem Buch seine Liebe an das Lesen.

Im Roman steigt der Protagonist, Dichtersaurier Hildegunst von Mythenmetz, also in die unterirdische Stadt von Buchhaim – in die Katakomben, Kammern, Kathedralen-Räume. Er erkundet die Schattenwelt und findet Buch- und Dichtkunst.

Vom Dunkel, das nicht mehr los lässt

Bücherliebhaber und Leseratten fallen dieser Unterwelt zum Opfer: Sie verschwinden für Tage oder Wochen, ganz egal wie schön die Sonne oben auch scheint – und nicht alle kommen blinzelnd hervorgekrochen, wenn es zu essen gibt.

Sie verirren sich mit Hildegunst von Mythenmetz in den Labyrinthen, suchen Gänge, Räume und Bücher… und genauso wie der Erzähler verlieren sie sich in der Geschichte von Schutz, Flucht und Wissen. Die unterirdische Stadt birgt fast mehr Leben als die oben.

Genau diese unterirdische Stadt hat Moers über mehrere Jahre hinweg gemeinsam mit dem Illustrator und Comiczeichner Florian Biege jetzt in eine Graphic Novel übertragen. In Farbe und mit Perspektive. Fachlich gesprochen – „mit Tiefe“. Wer den Roman kennt, ist verblüfft, wie Orte, Räume und Figuren sich dadurch verändern.

Hildegunst in der Oberstadt

Eine unterirdische Stadt im Teamwork geschaffen

Um die besondere Lebhaftigkeit zu erreichen, die selbst eingefleischte Comicgegner zu einem vorsichtigen „Schon gut gemacht!“ verführt, war Teamarbeit nötig. Manchmal arbeiteten nur Moers und Biege an der Umwandlung, manchmal aber auch noch mehr Leute.

Vor jedem ausgearbeiteten Bild gab es das Szenario von Moers – er arbeitete den Text um und erstellte für jede Seite eine Skizze mit Bleistift, die schon direkt mit Sprechblasen versehen war.

Danach folgte Biege. Er schuf eine Computerskizze, um den groben Aufbau des Bildes zu klären. Von diesem Entwurf ausgehend, besprachen die beiden jeden Schritt einzeln. Auf diese Weise koordinierten sich die beiden und gelangten schließlich zum fertigen Bild.

Das dauert. Zahlt sich aber aus!

Tipp für den 6. Dezember

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Wassermangel
Leo Nerdette

Hab‘ da mal ’ne Frage! Wassermangel?

Spektakulär, wie die  schwarzen Plastikbälle dem Wassermangel Kaliforniens den Kampf ansagen. Massenweise kullern sie in die Trinkwasserspeicher… 96 Millionen Schattenbälle (shade balls) haben zum Beispiel die Aufgabe, die Einwohner von Los Angeles vor der chronischen Dürre im Land zu schützen.

Seit zehn Jahren setzen die Energieversorger die hohlen Kugeln ein. Bilder davon gehen schon mal um die Welt… Medien schreiben, drehen Videos über den spektakulären Wasserschutz.

Hand in Hand geht die Frage nach Kaliforniens Wassermangel. Jedes Jahr brennen ganze Wälder ab. Nachrichten von der Windrichtung, der Evakuierung von Familien und Löschhubschraubern sind üblich.

Was ist die Ursache von Kaliforniens Wassermangel?

Schuld, sagen die Medien, ist die Landwirtschaft! In Kalifornien werden Avocados, Mandeln, Walnüsse und Pistazien angebaut. Gerade Avocados und Mandeln gelten als die Schuldigen, weil sie besonders viel Wasser verbrauchen.

Trinkwasser ist eigentlich ein kostbares Gut – besonders in Kalifornien; jedoch auch in der gesamten Grenzregion zwischen USA und Mexiko dörrt das Land aus; sind von den Flüssen mittlerweile nur noch Rinnsale übrig.

Der Wassermangel resultiert daraus, dass man Trinkwasser eben nicht als wertvoll behandelt: Die Bauern – sie besitzen schon einmal 120 Hektar Mandelbäume – sehen es seit Jahren als ihre wichtigste Aufgabe, Wasser ranzuschaffen; Brunnen zu bohren, die so tief sind, dass sie an genügend Grundwasser kommen, um das Überleben der Bäume zu gewährleisten. Seit 150 Jahren zapfen sie Grundwasser ab –  mittlerweile haben sie schätzungsweise 160 Kubikkilometer versprengt, gut dreimal das Volumen des Bodensees.

Von Politik propagierte Maßnahmen

Die medienwirksamen Schattenbälle sollen diesem Raubbau und dem mittlerweile augenfälligen Wassermangel etwas entgegensetzen. Sie spenden Schatten, verhindern das Verdunsten der Wasservorräte und halten das gespeicherte Nass sauber.

Die schwarzen Wunderdinger können „unerwünschte chemische Reaktionen“ eindämmen, indem sie Sonnenstrahlen an sich abprallen lassen. Trinkwasser, das der Sonne  ausgesetzt ist, wird brackig. Das gilt es zu verhindern.

Kaliforniens Wasservorräte müssen lange halten: Es regnet in den Wintern wenig.

Eine andere politische Maßnahme ist es, Mexiko mehr Wasser abzukaufen. Zwar hat das Land ähnliche Probleme mit der Trockenheit wie die USA, aber der reiche Nachbar erhält es von der korrupten mexikanischen Regierung eher als die eigenen Leute.

Wasser ist durch die Globalisierung schon längst zu Handelsgut geworden. Wer kann sich leisten, Wasser zu verschwenden? Mexikaner nicht. Sie kaufen ihr Trinkwasser in garafones. Wasser ist kein Allgemeingut mehr. Es ist heute Ware, wie alles andere auch.

Wovon allerdings kaum jemand spricht: Silikon Valley

Ist von Wassermangel die Rede, spricht allerdings niemand gern von Rechenzentren. Silikon Valley liegt in Kalifornien.

Wenn Computer laufen, laufen sie heiß.

Ein Rechenzentrum ist ein ganzes Feld voller Computer, übereinander und hintereinander gereiht: 30 000, 70 000, 100 000 – die Zahlen purzeln nur so. In Kalifornien stehen an die 800 Rechenzentren. Wie viele Server sind da wohl zurzeit in Betrieb? Eingedenk des Gesetzes von Intel-Gründer Gordon Moore geht man heute davon aus, dass sich die Menge von Hardware (Computer) wie auch der zu verarbeitenden Daten alle 18 Monaten verdoppelt. Das alles muss gekühlt werden!

Luft allein genügt da nicht mehr!

Deshalb haben sich 2006 etliche Computer-Plantagen-Besitzer in Sillicon Valley wie Hewlett-Packard, IBM oder Sun Microsystems zusammengetan, um neue Wege zu finden, wie sie ihre kostbaren Geräte temperiert halten. Dabei ist ihnen aufgefallen: Wasser ist wirkungsvoller als Luft. Etwa 462 mal! Eine nicht zu unterschätzende Zahl bei Rechenzentrumskosten von etwa 37 Millionen per Megawatt, das für die Luftkühlung gebraucht wird. Der Bau eines Wasserkühlungssystems schlägt dagegen mit nur 30 Prozent davon zu Buche, rechnete Charles Doughty von Iron Mountain vor.

Einzige Herausforderung war es, die „natürlichen“ Feinde Wasser und Computer zusammenzubringen.

Für Ingenieure keine unlösbare Aufgabe!

Google & Co kühlt mit Wasser

2015 sah es folgendermaßen aus: Kaliforniens Rechenzentren verbrauchen grob geschätzt so viel Wasser wie in 158. 000 Olympia-Schwimmbäder passen. In einem Land, wo Politiker Kellner auffordern, kein Wasser mehr automatisch anzubieten! Wo Wassermangel zum Alltag gehört!

Auch Musterschüler Google kühlt seine Rechenzentren mit Wasser. Der riesige Data-Center-Betreiber verwendet, wie das Unternehmen gerne betont, allerdings nur aufbereitetes Wasser aus verschiedenen Quellen.

Eine Google-Anlage in Douglas County (USA) bereitet Abwasser auf, eine andere in Belgien bezieht ihr Kühlwasser aus einem Industriekanal. Das Unternehmen ist stolz darauf, Wasser zu recyclen. Es zeigt sich zuversichtlich, „für die meisten Fälle seiner Wassernutzung nachhaltige Lösungen finden zu können“.

Das klingt nach einem vorbildlichen Plan.

Ich aber frage einmal:

800 Rechenzentren…

Wie viele der Betreiber sind umweltbewusster als Landwirte?

*Foto: www.latinamericascience.org

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