Hopi Indianerin: Sonnenblume
Nebiga

Wie die Sonnenblume auf die Welt kam

Vogelfutter, Naschwerk und Öl: Dafür ist sie gut. Im Herbst stellen wir sie noch in einer Vase in die Wohnung oder wir zieren den Garten damit. Landwirtschaftlich wird sie eigentlich nur noch zur Ölgewinnung angebaut. Sie zählt nämlich zu einer der wichtigsten Quellen cholesterinfreien Öls:  Helliantus annus, die Sonnenblume. Dabei kann sie doch viel mehr!

Die Hopi-Indianer nutzen die Sonnenblume schon von alters her auf vielfältigere Weise; die Blume ist neben dem Mais das Kostbarste, was dieser Indianerstamm im Nordosten von Arizona kennt. Ihr Wissen geben die Hopi seit Generationen an ihre Nachkommen auf eine Weise weiter, die das Vergessen unmöglich macht – mit dieser Geschichte:

Das Mädchen, das die Sonne liebte

Vor langer, langer Zeit lebte einmal ein Indianermädchen, das Xochitl – Blume – hieß. Xochitl war in die Sonne verliebt.

Hopi Pueblo

Hopi Pueblo (Dorf) von John K. Hillers, 1843-1925

Wenn die Frauen sich in die kühlen Behausungen zurückzogen, um Mais zu mahlen, huschte das Mädchen so oft es ging hinaus und suchte den grellen Ball am Himmel. Sandte Tonatiuh, der Sonnengott, seine Strahlen noch zur Erde?  Wie lang, wie kurz waren die Schatten geworden? Trübte gar ein Wölkchen seine Kraft?

Abends hockte sie im ockerfarbenen Schein des Abendrots und sah von der Leiter am Eingang ihres Hauses aus traurig zu, wie der Himmelsball hinter den Dünen verschwand. Rief dann die Großmutter, damit sie dem Mädchen die Haare kämmen konnte, schmiegte sich Xochitl an sie und fragte:

  • Großmutter, passiert dem Sonnengott auch nichts – dort hinten, so weit weg?
  • Tonatiuh, kann auf sich aufpassen, ihm passiert nichts. Leg du dich nur beruhigt nieder!
  • Kommt er auch wieder zurück?
  • Er kommt wieder zurück.
  • Gleich morgen, wenn ich die Augen öffne?
  • Wir werden sehen, Kind!

Manchmal schien die Sonne am nächsten Morgen, manchmal aber auch nicht: Letzteres betrübte Xochitl so sehr, dass sie grübelte und grübelte und den Älteren nur noch untätig zuhörte – ohne Mehl zu mahlen oder Körbe zu flechten. Ihre Großmutter machte sich oft Sorgen: Zum Grübeln, fand sie, war das Mädchen viel zu jung! Sie sollte sich lieber auf das Lernen und das Leben beschränken!

Das Jahr als Tonatiuh täglich kam

Doch es kam ein Jahr, da Xochitl glücklich war – Tonatiuh schickte seine Strahlen Tag für Tag, nicht ein einziges Mal trübte ein Wölkchen den Himmel. Nun lernte Xochitl, was Indianermädchen so lernen müssen:

Mehl mahlen natürlich und Farben herstellen: purpur, blau, schwarz und rot; töpfern, Körbe flechten und Stoffe weben; sie fütterte die Vögel, presste Öl aus den Maissamen, kochte Gemüse und half sogar Kräuter zu sammeln und Heilsalben zu rühren.

Rührig war Xochitl den ganzen Tag, weil sie sich so freute, dass Tonatiuh sie begleitete.

Kurz vor Sonnenuntergang aber schnappte sie den Wasserkrug, kletterte über die Leiter hinunter und machte sich auf den Weg durch die Savanne zur Quelle, um den Krug zu füllen. Zwei, drei Mal. Tonatiuhs Strahlen liefen mit ihr mit. Erst wenn die Zisterne voll und nur noch wenige Sonnenstrahlen ihren Schatten begleiteten, hockte sie sich vor den Hauseingang und beobachtete, wie die Sonne endgültig am Horizont verschwand:

Sonnenuntergang

  • Schön war es heute, Tonatiuh. Ich hatte Spaß! Du auch? Komm doch morgen wieder!

Und Tonatiuh kam wieder. Sogar im Juli schien die Sonne täglich – und der August war auch schon fast vorüber… Die Regenzeit dagegen blieb in diesem Sommer aus.

Ohne Regen aber vertrockneten die Felder.

Ein Dorf sucht einen Ausweg

Die Maisstauden ließen ihre Blätter hängen, Bohnen und Melonen wollten partout nicht sprießen. Sogar die Kürbis-Pflanzen trugen nicht.

  • Ayy Großmutter, warum beraten sich die Männer heute schon wieder?
  • Sie planen den großen Tanz, den Schlangentanz, Kind!
  • Aber damit rufen sie doch Tlaloc, den Regengott, damit er Tonatiuh vertreibt. Ich will nicht, dass die Sonne geht!
  • Versteh doch, Kind! Wir haben wirklich nicht mehr viel Zeit. Du weißt doch, Tlaloc schickt seine Kinder nur selten, um ihre Eimerchen auszuschütten.
Moki Snake Dancers

Hopi Schlangentänzer

Kurz darauf machten die Männer sich auf die Suche nach Klapperschlangen. Sie zogen sich mit ihnen in die Steinwüste zurück, um sich auf die beschwerlichen Tanz-Tage vorzubereiten. Neun Tage würden die Männer trommeln, tanzen und um Regen bitten.

Die Frauen stöberten währenddessen sorgenvoll in den Vorräten herum.

Würde es für die nächste Zeit genug geben? Oder mussten sie auf Essensreste zurückgreifen, die sie nach einer guten Ernte in die Asche eingegraben hatten – für schlechte Tage? Würden sie ihre Häuser verlassen müssen? Weiterwandern zu den reicheren Verwandten in der Nähe des Flusses?

Xochitl beobachtete die Mienen der Menschen im Dorf, sah zu, wie die Frauen in der Asche gruben, hörte zu, wenn sie von ihren Sorgen sprachen. Nachdenklich betrachtete sie das schmutzige Wasser in der Zisterne. Schließlich bat sie eines Abends:

  • Tonatiuh, morgen komm nicht. Versteck dich hinter den Wolken, damit die Kleinen des Tlaloc ihre Eimerchen ausschütten können. Ich bitte dich, Tonatiuh. Komm morgen nicht!

Am nächsten Tag – noch bevor die Männer die Trommel schlugen – verschwand die Sonne hinter einer großen Regenwolke. Und es regnete, diesen Tag und den nächsten, diese Woche und die nächste und die nächste…

Die Freude war groß

Die Zisternen füllten sich. Die Bewässerungsanlagen ebenso. Maiskolben sprossen hervor und Bohnen. Die Kürbisse wuchsen, so prall und üppig, dass die Leute im Dorf kaum mit der Ernte nachkamen. Es war eine Freude! Die Menschen konnten sich an der Fülle gar nicht sattsehen, arbeiteten gemeinsam tagtäglich bis tief in die Nacht auf den Feldern, um den Segen zu nutzen.

Die Frauen legten zusätzlich Vorräte an, mahlten Mehl, bis zu 12 Kilo am Tag. Sie schälten Bohnen und trockneten sie, bewahrten die Kürbisse mit Asche bedeckt auf. Sie schleppten schwer, gruben und ernteten. Xochitl war stets unter ihnen.

Lauf zum Tempel der Blumen

Zunächst fiel es nicht auf. Aber nach einer Weile fand die Großmutter, dass das Mädchen schmäler war als noch Tage zuvor. Schwach schleppte es sich vorwärts, schwächer schien es von Tag zu Tag. Jeder Regentag ließ es offenbar müder werden und bleicher.

  • Was hast du Kind?
  • Nichts Großmutter. Ich fühl mich heute nur nicht ganz so gut.

So viel gab es zu tun, dass die Großmutter es auf sich beruhen ließ. Das Mädchen ging ja auch täglich mit auf die Felder, bis es eines Tages am Rand eines Maisfeldes zusammenbrach. Kaum ein Hauch Atem war mehr in ihr; sie würde sterben, gleich… es fehlte nicht mehr viel. Die Großmutter flehte

  • Tonatiuh hilf, so hilf ihr doch!

Da schickte der Gott einen Sonnenstrahl hinter einer der Wolken hervor.

  • Xochitl, lauf zum Tempel der Blumen. Dort kann ich dich beschützen, mach schnell, lauf.

So schwach das Mädchen schien, erhob es sich und ging los – zum Maisfeld hin. Mit jedem Schritt verblasste es mehr und mehr…

Vor den Augen der Großmutter verwandelte es sich in eine leuchtend gelbe Blume. Nur die Mitte blieb dunkel, so dunkel wie ihre Augen und ihr langes Haar.

Seit diesem Tag gibt es sie – die Blume, die im August an den Rändern der Maisfelder wächst und deren Blüten sich  nach der Sonne drehen. Die Hopi nennen sie xochitl tonatiuh: Sonnenblume.

Weil sie aber genau wissen, was eine Hopi-Frau in jungen Jahren lernen muss, wissen sie auch, was diese besondere Blume alles kann.

Warum die Hopi die Sonnenblume verehren

Schon vor zwei- bis dreitausen Jahren verwendeten die Hopis die Sonnenblume in all ihren Teilen. Sie

Sonnenblumen

  • mahlten Mehl aus den Samen
  • kochten den Kopf als Gemüse
  • gewannen aus den Samen blaue, schwarze, purpurne und rote Farbstoffe
  • pressten Öl
  • webten Stoffe aus den fasrigen Teilen der Blätter
  • flochten Körbe
  • rühren aus Kernen Salben für Wunden, Schlangen- und Insektenbisse

 

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Beitragsbild: Hopi Indian woman and her daughter in the village of Oraibi, ca.1901

Carrie Mae Weems Küchentisch-Serien
Tipp

Küchentisch-Serien: Carrie Mae Weems‘ Blick ins Alltägliche

Carrie Mae Weems, Fotografin und Videokünstlerin – verewigt in der Blockbuster-Filmgeschichte:

Catwoman (Halle Berry)Was hat Carrie Mae Weems mit Catwoman zu tun? weiß nicht, wie sie mit den unzähligen Möglichkeiten eines Lebens umgehen soll.

Was werde ich mit meinem Leben anfangen? fragt sie eine Freundin.

Du kannst immer noch eine Künstlerin werden wie Carrie Mae Weems.

Eine Zeile nur in einem Dialog: Sie ist Ermutigung für Frauen, vor allem für kreative Frauen. Für diejenigen, die wie Carrie Mae Weems durchs Leben gehen, herrscht nämlich kein Mangel mehr an Ideen; sie haben die eigene Stimme gefunden, suchen im Alltäglichen das Besondere.

Was ein Küchentisch erzählt

Die Stärke von Carrie Mae Weems ist ihr Blick.

Er verwandelt das, was jede Frau kennt; etwas, das „gewöhnlich“, Teil ihres Alltags ist, bekommt eine eigene Geschichte, eine Existenz.

Wie oft sitzen wir am Küchentisch? Täglich, zwei, dreimal – mindestens. Wir sitzen oft und meistens auch gern in der Küche, dem gemütlichsten Platz unseres Zuhauses.

Wie oft aber denken wir tatsächlich an ihn, den Tisch? Überlegen wir uns jemals, was er im Laufe der Jahre erlebt? Welche Geschichten könnte er erzählen?

In den Küchentisch-Serien  (Kitchen Tables Series) lässt Carrie Mae Weems den Tisch erzählen, was Zusammenleben mit den Jahren bedeutet. Die Künstlerin fotografiert, was täglich vorgeht, was auf ihm und um ihn herum geschieht. Dadurch sagt sie auch ohne Worte viel.

Die Kitchen Tables Series seien Resultat eines Umzugs in eine Kleinstadt.

Carrie Mae Weems: Ich habe damals viel darüber nachgedacht, was es bedeutet, eine eigene Stimme zu entwickeln.

Ihre Fotografien waren eine Art Antwort darauf, was sie sich selbst fragte. Sie sollen zeigen, was ihrer Meinung nach eine eigene Stimme ausmacht. Was braucht es, um sie als eigene zu erkennen?

Sie muss allgemeingültig sein,

… darf nicht bloß eine Stimme für afroamerikanische Frauen sein

Deshalb schaut Weems bis heute allen Frauen ins Leben.

Warum Frauen die eigene Stimme vergessen

Mit acht Jahren ist den meisten Mädchen klar, dass ihre Stimme zählt. Sie haben ein Wörtchen mitzureden, wenn es um sie selbst geht. Sie wissen also um ihre Pläne, ihre Vorlieben, ihre Zukunft – vertrauen ihrem Ausdruck, vertreten ihre Überzeugungen.

Leider vergessen die meisten Mädchen diese Stimme im Laufe der Pubertät – andere, vermeintlich wichtigere Fragen verdrängen sie.

  • Was denken die Andere von mir?
  • Was kommt bei Jungs an?
  • Bin ich zu dick?
  • Esse ich das Richtige?
  • Mag mich die Gruppe?

Die eigene Stimme verschwindet oft mit all diesen Fragen. Um sie wieder zu finden, brauchen Frauen brauchen oft viel Zeit.

Carrie Mae Weems zeigt ihnen, wie sie sich selbst schneller wiederfinden: Mit einem Blick auf das Besondere im Alltäglichen.

Dafür muss eine Frau nicht einmal weit gehen. Es reicht der Weg zum Küchentisch.

Mehr von Carrie Mae Weems im Internet:

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Matchmaking vs Online Dating
Leo Nerdette

Matchmaking vs Online Dating: So sieht’s jemand vom Fach

Online Dating ist IN: Tinder zum Beispiel, die Wisch&Weg-App für Dating-Begeisterte zwischen 18 und 35 Jahren, aber auch Singlebörsen wie friendscout, zoosk, neu.de – und wie sie nicht alle heißen. Vielen Partnersuchenden bleibtjedoch eine Frage: Was führt eher zum Ziel? Matchmaking – Heiratsvermittlung also – oder Online Dating ? Ein Interview  mit der berühmtesten Heiratsvermittlerin der amerikanischen Literatur:

  • Online Dating vs Matchmaking?
  • Was ist die wichtigste Zutat beim Online Dating?
  • Wie man ein gutes Profil gestaltet?
  • Warum Matchmaker – sprich Heiratsvermittler – Online-Dating lieben?

„Großartig, ich lerne so viele Männer kennen wie nie“, schwärmt die Freundin. Schnell, unkompliziert und – vielleicht wird sogar etwas Dauerhaftes d’raus, hofft sie. „Online Dating? Hast du das denn tatsächlich not?“, fragt die Schwester skeptisch. Die Mutter verdreht die Augen: „Männer übers Internet treffen – bist du wahnsinnig? Da ziehst du ja alle Spinner an.“

Soll ich jetzt oder soll ich nicht? Ist Matchmaking besser als Online Dating?

Selbstversuche von Journalistinnen helfen auch nicht weiter: Sie sind nach einer, maximal zwei Wochen beendet; die Schreiberlinge skizzieren mit wenigen Strichen entweder ein euphorisches oder aber ein düsteres Bild, und verlassen die Szene wieder. In&Out – eine Art Blitzkriegtaktik. Deshalb geben Online-Dating-Artikel denjenigen, die sich ernsthaft um einen neuen Partner bemühen,  wenig hilfreiche Tipps. Womit die Suchenden tatsächlich konfrontiert sind, bleibt in der Regel im Dunkeln.

Wie ist es nun? Matchmaking oder doch lieber Online-Dating?

Um ernsthaft Suchenden eine professioneMatchmaking Koryphäelle Einschätzung mitzugeben, braucht es eine Expertin. Eine Frau, die im kleinen Finger mehr Erfahrung hat, als wir in unserem Leben je sammeln könnten. Darf ich vorstellen:

Dolly. Dolly Gallagher Levi – Heiratsvermittlerin, Krampfadern-Redukteurin, Strumpfwaren-Verkäuferin, Gitarren- und Mandolinenlehrerin… ja Dolly ist weltberühmt; sie hat den New Yorker Geschäftsmann, Horace Vandergelder, dazu gebracht, die einzig Richtige zu heiraten und nebenbei noch drei weitere, glückliche Literatur-Ehen gestiftet.

Schön, dass Ihr Agent Thornton Wilder dieses Gespräch doch noch ermöglichte. Sie sind eine umtriebige Person, wie ich erfahren durfte. Herzlich willkommen Frau Levi!

Vielen Dank, Kindchen! Ich freue mich, hier zu sein.

Frau Levi, was denken Sie, wie hilfreich wäre Tinder für den Selfmade-Mann Horace Vandergelder bei seiner Frauensuche gewesen?

(Dolly schaut verdutzt, lacht laut auf, verschluckt sich, lacht weiter und kramt schließlich in ihrem Handtäschchen. Sie tupft sich mit einem Taschentuch die Tränen von den Wangen) Der Witz… der ist… also der ist wirklich gelungen. Horace und… Tinder…

Voraussetzung: Kenne dich selbst

Eigentlich war das jetzt kein Witz. Glauben Sie denn nicht, dass gerade eine Online-Dating-App für die Vielbeschäftigten und Erfolgreichen ideal ist?

(Dolly setzt sich aufrecht, immer noch lachend) Na, wenn Sie das tatsächlich ernst meinen, Kindchen, dann muss ich Ihnen wohl die Frage Punkt für Punkt beantworten.

horace

  1. Horace Vandergelder mag ein guter Kaufmann sein, aber wenn’s um eher romantische Gefühlsdinge geht, ist er… hmm wie sage ich es… tja da ist er etwas unbeholfen… Gefühle überfordern ihn, ja sie überfordern ihn sehr. Er kennt seine kaum und die anderer achtet er gering. Da braucht es schon ein zartes Händchen und nicht eine mit menschlichen Gefühlen unvertraute App, um ihn zu einer Heirat zu kriegen.
  2. Außerdem ist er eitel und hält sich grundsätzlich für den wichtigsten Menschen auf Erden. Er würde ein Foto einstellen, das ihn pompös, altväterlich und antiquiert erscheinen ließe. Einfach deshalb, weil er genau diese drei Eigenschaften als jene ansieht, die ihn unwiderstehlich machen. Der Mann wollte sich die Haare färben, um mit jüngeren Männern mithalten zu können! Gleichzeitig posiert er in Verbandsuniformen! Der ist zu allem fähig, sag ich Ihnen. Da darf man sich keinen Illusionen hingeben. Horace dürfte man auf gar keinen Fall ohne Aufsicht auf die Damenwelt loslassen!
  3. Überraschung beim Online DatingDas schiere Angebot an Mädchengesichtern würde ihn heillos verwirren. Er hatte schon mit nur einem Angebot von drei Frauen seine liebe Not. Was meinen Sie, wie er auf hunderte Fotos reagieren würde? Die Qual der Wahl ist ja eine der größten Herausforderungen online.

Nein, nein – Horace ist für Tinder nichts,  vielleicht für eine Singlebörse wie friendscout oder zoosk. Aber selbst bei diesen beiden sehe ich nahezu unüberwindliche Probleme.

Online-Dating ist höchstens ein Hilfsmittel

Halten Sie demnach nichts von Online Dating? Ist es in Ihren Augen vergebliche Liebesmüh?

Aber ganz und gar nicht. Denken Sie nur an den indischen Mythos von Shiva und Parvati, dem göttlichen Ehepaar schlechthin. Die beiden brauchten am Anfang auch Gott Karma und dessen Pfeil, um überhaupt zusammen zu kommen. Völlig wurscht, wie meine österreichische Mutter sagen würde, ob Inserate, eine Heiratsvermittlerin oder ein Freund – viele brauchen Hilfe, wenn’s um so etwas Essentielles geht, wie eine lebenslange Partnerschaft.

Online-Dating ist ein Hilfsmittel, eine Initialzündung. Doch beim Wichtigsten lässt die App dann allein. Sie ist wie Gott Karma, der als Asche verweht, bevor die Werbephase des göttlichen Paares beginnen kann. Ich dagegen begleite den gesamten Prozess. Das ist Matchmaking in Reinkultur, das hilft beim Wichtigsten.

Was ist denn das Wichtigste?

Die Wahl, Kindchen, die Wahl! Die Entscheidung, welcher der oder welche die Richtige ist. Das sollte wir niemals aus den Augen verlieren.

Singlebörsen, Partnervermittlungen oder Casual-Dating: Wo finde ich ihn denn, den Richtigen?

Tja, das hängt davon ab, was Sie wollen und wer Sie tatsächlich sind. Dann kommt noch dazu, wie Andere Sie wahrnehmen sollen. Das ist eine der großen Schwierigkeiten beim Online-Dating: Selbst- und Fremdwahrnehmung – zwei Perspektiven, die Sie im Auge haben müssen. Nehmen Sie Mrs Molloy – Sie würde sich eindeutig in Tinder stürzen, zumindest eine zeitlang. Sie denkt, sie will Abenteuer, Erfahrungen sammeln, das Drama – nicht den sicheren Hafen der fixen Beziehung.

Und so wird sie versuchen, sich verrucht zu präsentieren. Ob sie das schafft, wage ich zu bezweifeln. Dafür ist sie schon zu lange in ihrem Hutladen eingesperrt. Die Abenteurer, die sie sucht, werden sie vermutlich ignorieren, weil die sich nämlich nach einem ruhigen Hafen sehnen. Die haben meistens schon genug Abenteuer hinter sich. Die Möchtegern-Abenteurer, die selbst die Sehnsucht nach einem aufregenden Leben in sich tragen, zieht sie bei Tinder dagegen an. Aber da muss sie durch; Online Dating ist halt auch ein ständiges Lernen.

Profil: Wer ich bin und wen ich will

Woran erkenne ich denn ein gutes Profil, eines mit Potential?

An der Ehrlichkeit. Das heißt jetzt nicht, dass Sie rückhaltlos ein ganzes Leben drin unterbringen sollen. Nein. Aber ein gutes Profil zeigt, wer Sie sind – Ihre Persönlichkeit. Wie Sie sich sehen. Was Sie mögen. Ein oder zwei liebenswerte Macken. Manche Portale fragen danach, da können Sie sich leiten lassen.

Dann aber berücksichtigt ein gutes Profil, wen Sie ansprechen wollen. Sind Sie eine gute Köchin, wollen aber lieber bekocht werden? Ziemlich unsinnig, hineinzuschreiben, dass Sie gut kochen können. So locken Sie genau diejenigen an, die bekocht werden wollen.

Horace zum Beispiel wollte eine bescheidene Haushälterin… gut… er hat sie auch von mir nicht bekommen (Dolly hüstelt grinsend)… aber auf das Popanz-Profil, mit dem er sich sicherlich präsentiert hätte, wäre ihm vermutlich auch keine bescheidene Haushälterin reingefallen. Die Frage beim Profil-Erstellen ist also nicht nur, wer Sie sind. Sie müssen sich auch fragen, wen Sie wollen und wie das Profil auf so eine Person wirkt. Fragen Sie sich: Werde ich meiner Zielgruppe gerecht?

Besonders schwierig ist es, mich selbst anzupreisen.

Ja tatsächlich, mit diesem Aspekt kämpfen vor allem Frauen. Es ist immer noch gesellschaftlich verpönt zu sagen, für wie gut man sich selbst hält oder welche großen Leistungen man vollbracht hat… Ich verstehe nicht, dass sich in all den Jahren noch nicht mehr getan hat.

Männer kennen da erfahrungsgemäß weniger Skrupel – naja… es kommt trotzdem meistens ziemlich eitel rüber. Ich selbst bin da direkt – beim Matchmaking preise ich ja jemanden anderen an, unterstreiche die Vorzüge und rede die Schwächen klein.

Im Profil sollte Eigenlob subtiler sein, versteckter. Das braucht Fingerspitzengefühl – und gerade das hat nicht jeder. (lacht in der Erinnerung versunken) Nein wirklich nicht!

Was sind beim Profil so richtige Don’ts?

Hmm, lassen Sie mich nachdenken… also, was für beide Geschlechter gilt, was  gar nicht geht:

  • Fotos mit Sonnenbrillen: Die Augen sind wichtig. Zumindest ein Foto sollte sie zeigen.
  • Gefälschte Fotos
  • Fotos, auf denen man die Person kaum erkennen kann
  • Nackte Oberkörper (Männer), tiefe Ausschnitte (Frauen) und andere exotische Einblicke, außer man ist bloß auf ein Abenteuer aus. Auf diese Weise macht man sofort klar, dass da nichts Tiefergehendes gewünscht ist.
  • Fotos im Bad- oder Schlafzimmer (ditto)
  • Mit materiellen Gütern protzen, außer man will eine Beziehung, die auf Materiellem aufbaut.
  • Beziehungsmüll. Der sollte ja schon längst vergessen sein! Besonders beliebt: Eine Liste von schlechten Eigenschaften, die man nicht duldet (Expartner)
  • Detaillierte Beschreibungen, wer einen überhaupt anschreiben darf. Das finde ich oft bei Profilen von gefragten Männern, aber ich habe auch ein paar Kundinnen, die denken, diese Direktheit kommt gut an.
  • Allgemeine Zurechtweisungen.
  • Ein Motto das zeigt, wie sehr man mit dem Leben hadert
  • und alles, was „Zuviel“ ist: zu viel Sport, zu viel Häuslichkeit, zu viel Erotik… Das erzählt vor allem eines: Wie unsicher man ist.

Im Grunde ist es einfach: Versetzen Sie sich beim Erstellen hin und wieder einmal in die Lage Ihres Wunschpartners. Würde der/die sich angesprochen fühlen, wenn sie/er das Profil mit anderen Augen betrachten?

Online Dating: Wer es wirklich liebt…

Geeinsam Matchmaking und Online DatingJetzt haben Sie mich neugierig gemacht: Warum haben Sie sich dem etwas verrufenen Beruf der Partnervermittlung zugewandt? Sie hätten doch auch Psychologie unterrichten können.

Ach, Sie schmeicheln mir… (zwinkert kokett) Psychologie ist nichts für mich, ist mir zu ernst. Sehen Sie, so wie es ist, ist mir das Leben nie interessant genug! Ich bin Künstlerin, ich unternehme etwas, verändere, gestalte… habe hier die Finger im Spiel und da die Finger im Spiel – ich liebe das, denn es ist äußerst amüsant.

Aber Online-Dating Portale machen Sie doch bald arbeitslos!

Das glauben Sie?

Ich bin doch selbst in all den Portalen, suche mir da meine neuen Klienten. Verzweifelte, die herausgefunden haben, was Online Dating tatsächlich bedeutet: Einen ungeheuren Zeitaufwand!

Niemand hat den Frauen vorher erzählt, dass sie anfangs mit bis zu hundert Mails konfrontiert sind, bei denen sie oft nicht wissen, was sie antworten sollen. Dass sie unzählige Profile durcharbeiten müssen, um geeignete Kandidaten zu finden. Außerdem bleibt noch die Frage, wie eine Frau einen Favoriten anspricht, der ja noch gar nicht weiß, dass er ihr gefällt. Und wenn er es weiß: Vielleicht ist er zu schüchtern auf sie zuzugehen.

Oder Männer: Sie haben keine Ahnung, wie sie eine Kandidatin ansprechen sollen. Ihre „Hallo schöne Frau“- oder „Na du“-Versuche beziehungsweise „Hi, liebst du Schmusebären“-Mails sind bereits mehrfach gescheitert. Ganz zu schweigen davon, dass nach der ersten Kontaktaufnahme weiterhin eine soziale und emotionale Kompetenz gefragt ist, die nicht jedem gegeben ist.

Ja, da gibt es jede Menge Arbeit für mich und sie wird täglich mehr! Nichts hat sich geändert. Ich mache das, was ich bisher auch schon gemacht habe: Den Leuten zu erklären, dass das Leben geschieht, während wir andere Pläne machen. Und sie ganz nebenbei liebevoll zum richtigen Partner zu schubsen.

Frau Levi, vielen Dank für das offene Gespräch!

Oh, Kindchen, es war mir ein Vergnügen!

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Falschmeldungen erkennen
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Wie erkennst du Falschmeldungen?

Sie geistern als Fakenews durch die mediale Welt: Falschmeldungen. Angeblich sind sie besonders häufig in den digitalen Medien anzutreffen – vor allem in den sozialen Netzen. Eine solche Falschmeldung heißt seit Beginn des Internets Hoax.

Sie muss nicht einmal mit einer Absicht dahinter im Netz gelandet sein. Es reicht, dass irgendjemand etwas behauptet, von dem er überzeugt ist, aber sich nicht die Mühe macht, es mit Fakten zu belegen. Weil Falschmeldungen auch eifrig geteilt werden, also schon mal „viral“ gehen, überzeugen sie andere.

Warum sind Fakenews in aller Munde?

Donald Trump bezeichnet grundsätzlich alles als Falschmeldung, was ihm jetzt medial nicht so in den Kram passt. Er beendet gern seine Twitter-Kommentare mit „Fakenews“. In USA werfen sich zurzeit die Medien und Trump gegenseitig vor, Lügner zu sein.

Eine ähnliche Taktik schwappt über manche Politiker auch nach Deutschland. Und die Medien versuchen sich dagegen zu wehren.

Bleibt die Tatsache: Falschmeldungen kommen immer wieder vor. Wir erkennen sie aber oft nicht.

Daher sollten wir uns in den sozialen Netzen den folgenden Fragen stellen:

  • Woran sehen wir Normalsterbliche, dass der Post von einem Freund ein Hoax ist?
  • An welchen Kriterien erkennen wir, ob in dem Post auch die Fakten stimmen?
  • Wann sollten wir einen Post melden, auch wenn ein Freund ihn geteilt hat?

Ein Verein kämpft gegen Falschmeldungen

Falschmeldungen entlarven, verdrehte Inhalte klarstellen, auf Nutzerprobleme reagieren – das ist mittlerweile eine Leben füllende Tätigkeit: Ein Verein mit Sitz in Wien hilft, Falsches von Fakten unterscheiden zu lernen. Die private Initiative mimikama beschäftigt  zwei hauptberufliche Fake-Aufklärer und 17 Ehrenamtliche in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. 100 bis 120 Falschmeldungen bearbeiten sie täglich.

Sie wissen daher ganz genau, wie wir Fakenews erkennen können: Hier sind ihre Tipps!

Wenn du trotzdem unsicher bist, ob du den einen Post weiterleiten sollst:

Das gelungenste Werkzeug des Vereins ist Hoaxsearch, die Suchmaschine für Fakes im Internet.

Mit ihr sollten wir viral gehen!

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Wassermangel
Leo Nerdette

Hab‘ da mal ’ne Frage! Wassermangel?

Spektakulär, wie die  schwarzen Plastikbälle dem Wassermangel Kaliforniens den Kampf ansagen. Massenweise kullern sie in die Trinkwasserspeicher… 96 Millionen Schattenbälle (shade balls) haben zum Beispiel die Aufgabe, die Einwohner von Los Angeles vor der chronischen Dürre im Land zu schützen.

Seit zehn Jahren setzen die Energieversorger die hohlen Kugeln ein. Bilder davon gehen schon mal um die Welt… Medien schreiben, drehen Videos über den spektakulären Wasserschutz.

Hand in Hand geht die Frage nach Kaliforniens Wassermangel. Jedes Jahr brennen ganze Wälder ab. Nachrichten von der Windrichtung, der Evakuierung von Familien und Löschhubschraubern sind üblich.

Was ist die Ursache von Kaliforniens Wassermangel?

Schuld, sagen die Medien, ist die Landwirtschaft! In Kalifornien werden Avocados, Mandeln, Walnüsse und Pistazien angebaut. Gerade Avocados und Mandeln gelten als die Schuldigen, weil sie besonders viel Wasser verbrauchen.

Trinkwasser ist eigentlich ein kostbares Gut – besonders in Kalifornien; jedoch auch in der gesamten Grenzregion zwischen USA und Mexiko dörrt das Land aus; sind von den Flüssen mittlerweile nur noch Rinnsale übrig.

Der Wassermangel resultiert daraus, dass man Trinkwasser eben nicht als wertvoll behandelt: Die Bauern – sie besitzen schon einmal 120 Hektar Mandelbäume – sehen es seit Jahren als ihre wichtigste Aufgabe, Wasser ranzuschaffen; Brunnen zu bohren, die so tief sind, dass sie an genügend Grundwasser kommen, um das Überleben der Bäume zu gewährleisten. Seit 150 Jahren zapfen sie Grundwasser ab –  mittlerweile haben sie schätzungsweise 160 Kubikkilometer versprengt, gut dreimal das Volumen des Bodensees.

Von Politik propagierte Maßnahmen

Die medienwirksamen Schattenbälle sollen diesem Raubbau und dem mittlerweile augenfälligen Wassermangel etwas entgegensetzen. Sie spenden Schatten, verhindern das Verdunsten der Wasservorräte und halten das gespeicherte Nass sauber.

Die schwarzen Wunderdinger können „unerwünschte chemische Reaktionen“ eindämmen, indem sie Sonnenstrahlen an sich abprallen lassen. Trinkwasser, das der Sonne  ausgesetzt ist, wird brackig. Das gilt es zu verhindern.

Kaliforniens Wasservorräte müssen lange halten: Es regnet in den Wintern wenig.

Eine andere politische Maßnahme ist es, Mexiko mehr Wasser abzukaufen. Zwar hat das Land ähnliche Probleme mit der Trockenheit wie die USA, aber der reiche Nachbar erhält es von der korrupten mexikanischen Regierung eher als die eigenen Leute.

Wasser ist durch die Globalisierung schon längst zu Handelsgut geworden. Wer kann sich leisten, Wasser zu verschwenden? Mexikaner nicht. Sie kaufen ihr Trinkwasser in garafones. Wasser ist kein Allgemeingut mehr. Es ist heute Ware, wie alles andere auch.

Wovon allerdings kaum jemand spricht: Silikon Valley

Ist von Wassermangel die Rede, spricht allerdings niemand gern von Rechenzentren. Silikon Valley liegt in Kalifornien.

Wenn Computer laufen, laufen sie heiß.

Ein Rechenzentrum ist ein ganzes Feld voller Computer, übereinander und hintereinander gereiht: 30 000, 70 000, 100 000 – die Zahlen purzeln nur so. In Kalifornien stehen an die 800 Rechenzentren. Wie viele Server sind da wohl zurzeit in Betrieb? Eingedenk des Gesetzes von Intel-Gründer Gordon Moore geht man heute davon aus, dass sich die Menge von Hardware (Computer) wie auch der zu verarbeitenden Daten alle 18 Monaten verdoppelt. Das alles muss gekühlt werden!

Luft allein genügt da nicht mehr!

Deshalb haben sich 2006 etliche Computer-Plantagen-Besitzer in Sillicon Valley wie Hewlett-Packard, IBM oder Sun Microsystems zusammengetan, um neue Wege zu finden, wie sie ihre kostbaren Geräte temperiert halten. Dabei ist ihnen aufgefallen: Wasser ist wirkungsvoller als Luft. Etwa 462 mal! Eine nicht zu unterschätzende Zahl bei Rechenzentrumskosten von etwa 37 Millionen per Megawatt, das für die Luftkühlung gebraucht wird. Der Bau eines Wasserkühlungssystems schlägt dagegen mit nur 30 Prozent davon zu Buche, rechnete Charles Doughty von Iron Mountain vor.

Einzige Herausforderung war es, die „natürlichen“ Feinde Wasser und Computer zusammenzubringen.

Für Ingenieure keine unlösbare Aufgabe!

Google & Co kühlt mit Wasser

2015 sah es folgendermaßen aus: Kaliforniens Rechenzentren verbrauchen grob geschätzt so viel Wasser wie in 158. 000 Olympia-Schwimmbäder passen. In einem Land, wo Politiker Kellner auffordern, kein Wasser mehr automatisch anzubieten! Wo Wassermangel zum Alltag gehört!

Auch Musterschüler Google kühlt seine Rechenzentren mit Wasser. Der riesige Data-Center-Betreiber verwendet, wie das Unternehmen gerne betont, allerdings nur aufbereitetes Wasser aus verschiedenen Quellen.

Eine Google-Anlage in Douglas County (USA) bereitet Abwasser auf, eine andere in Belgien bezieht ihr Kühlwasser aus einem Industriekanal. Das Unternehmen ist stolz darauf, Wasser zu recyclen. Es zeigt sich zuversichtlich, „für die meisten Fälle seiner Wassernutzung nachhaltige Lösungen finden zu können“.

Das klingt nach einem vorbildlichen Plan.

Ich aber frage einmal:

800 Rechenzentren…

Wie viele der Betreiber sind umweltbewusster als Landwirte?

*Foto: www.latinamericascience.org

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Nebiga

Nie! Ein Mutter Märchen

Am Mutter Tag hocken sie in einer sternenklaren Nacht, die bloßen Füße im noch warmen Sand, erschöpft vom Tag zu ihren Ehren – und doch haben sie sich am Strand zusammengefunden wie jedes Jahr. Die Große streckt einen ihrer braungebrannten Arme hoch, pickt ein Rad vom kleinen Wagen herunter. Die Sterne leuchten über den Köpfen der Frauen, glühen. Die Große gibt die gefangene Sternenglut der Burschikosen weiter; die zieht am Joint. Süßlich herbes Aroma kräuselt sich durch die Luft, umweht den Kreis der Frauen, löst sich auf in der Nacht. Eine Welle klatscht an die nahe Felswand. Zwei Herzschläge lang ist es still.

Die Burschikose lässt sich in den Sand zurückfallen, breitet die Arme aus. Sie fühlt den noch warmen Sand auf der Haut und mustert verträumt die Himmelskuppel, zählt gedankenverloren ein paar der funkelnden Punkte im tiefblauen Meer über ihr. Ein Atemzug, die salzigfeuchte Meeresluft vermengt sich mit dem den Hals kratzenden Gras. Sie schnurrt: „Was bin ich froh, hier mit euch zu sein!“

„Sicher nicht mehr lang“, lacht die Kluge trocken, schnappt sich den Joint. „Bald haben dich die Sandflöhe bis auf die Knochen abnagt!“ Zunächst antwortet die Burschikose nicht, es ist, als hätte sie nicht gehört. Eine Welle rollt wieder an den Strand; sanftes Klatschen. Krebse huschen dem zurückweichendenWasser nach. „Ja klar, Mama.“, murmelt die Burschikose plötzlich, abwesend und -weisend, ganz wie ihre eigene pubertierende Tochter, „Wie du meinst…“ Das aber lässt sich die Kluge nicht bieten. Sie faucht: „Du hast doch keine Ahnung!“

Mutter, Klappe die Erste

„Sei froh, dass wer an die denkt! Eine Mutter, so eine Mutter wie meine Mutter hat für fürsorgliche Kinkerlitzchen keine Zeit. Sie würde einfach nicht bemerken, wenn nur noch meine Knochen übrig wären. Sie bekommt ja heute schon nicht mit, was uns Kinder beschäftigt. Wollt ihr wissen, warum? Sie kommt einfach nie rechtzeitig, weil sie zu viele Dinge gleichzeitig tut. Gemeinsam feiern, Shoppen gehen, ein Museumsbesuch… am besten du gehst allein, weil sonst wartest du – und übrig bleibt vermutlich ein Haufen Knochen …

Ein kleines Eckchen Zeit zweigt sie hier noch ab und da. Ihr fällt sicher noch ein, was wichtiger ist als du: Die Teller müssen gestapelt werden, der Tisch gewischt. Ein paar Hefte muss sie noch korrigieren und mit der Kollegin hat sie schon lange nicht mehr gequatscht. Sie stopft und stopft, als wäre Zeit eine leckes Boot, in dem sie treibt. Da ist immer noch ein Schüler, der betreut; ein Unterricht, der vorbereitet; ein Schrank, der gebeizt werden muss. Die Familie wartet derweil vor dem gedeckten Tisch, weil einer Geburtstag hat.

Wir sitzen unter uns und bleiben es auch. Wir erzählen schließlich den anderen, den übrigen, was uns beschäftigt. Dem Vater, dem Bruder, der Schwester, ja sogar der Tante öffnen wir das Herz. Meine Mutter aber hört unsere Gespräche nie. Wenn wir Glück haben, begrüßt sie uns, wenn wir gehen. Eines schwöre ich euch: Nie, nie, aber sowas von nie…“

Umständlich erheben sich die drei Frauen, torkeln ein bisschen, grinsen unsicher. Sie fassen sich an den Händen, bilden einen kleinen Kreis und sprechen im Chor:

Nein, nie, nie möchte ich wie meine Mutter sein. Niemals! Nie.

Lachend plumpsen sie auf ihren Platz zurück.

Die Kluge zieht fest am Joint, reicht ihn an die Große weiter. Die nimmt ihn entgegen, weiß, dass sie an der Reihe ist.

Mutter, Klappe die Zweite

„Du bist zu beneiden! Ehrlich“, beginnt die Große, „ich seh‘ meine Mutter zu oft. Jedes Mal, wenn sie einen neuen Freund hat – und sie wechselt ihre Freunde – gefühlt – wöchentlich. Ich weiß wirklich nicht, was das ist. Sie hat wirklich diesen Drang, mir alle ihre Männer vorzustellen. Lacht nicht, das nervt. Letztens im Café, dem an der Straße, ihr wisst schon, das Dschungel-Caf’e mit den drei Palmen am Eingang, dem Freilufttresen; dort, wo ich so gern frühstücke. Es ist so ruhig, gerade morgens! Ich liebe diese Momente ganz allein für mich. Meistens jedenfalls. An dem Tag war ich sogar wacher als sonst um diese Zeit. Denn es gibt ja jetzt den neuen Kellner. Habt ihr ihn schon gesehen? Ich mag seine Augen, seine Stimme und das morgendliche Geplänkel mit ihm. Schaut nicht so, ihr zwei! Natürlich ist er zu jung für mich, aber er ist nett und witzig!

Meine Mutter rief an diesem Morgen an. Ausgerechnet als der Kellner mich fragte, ob ich den Kaffee mit Milch oder Zucker trinke. Ich konnte wegen ihr nur vielsagend deuten. Sie wolle sich  treffen, sagt sie, am besten gleich, so in einer halben Stunde. Mutter liebt es, mir den Morgen zu verderben! Bringst du schon wieder deinen neuen Freund mit?, fragte ich. Ich mein‘, sie meldet sich ja wirklch nur dann. Nö, sagte sie, sie bringe niemanden mit.

Ich habe mich gefreut. Echt. Endlich mal ein Gespräch mit ihr allein! Wann ich ein solches das letzte Mal hatte? Fragt mich nicht, ich erinnere mich nicht. Ich setzte mich auf einen der teichgrünen Plastiktische, hinten bei der Gartenmauer erschien es mir passend. Von dort konnte ich Muttern kommen sehen. Nebenbei ließ sich auch der Kellner beobachten, während er andere Tische bediente. Hin und wieder grinste er mich über die Köpfe anderer Gäste, leerer Tische, Bugambillas, Kakteen und Palmen hinweg an. Ein gelungener Morgen, dachte ich, genoß Sonne und Kaffee.

Etwa bis meine Mutter durch die Tür trat. Sie winkte mir kurz zu, küsste den Kellner… küsste… das konnte nicht wahr sein! Ich schloss meine Augen, zwinkerte: Kein Zweifel! Stolz kam Mutter näher, mit ihm an der Hand.

Sagt mir: Was sagt man da? Und wenn ihr schon dabei seid, eine Antwort zu finden, sucht noch eine: Spannt man seiner Mutter den Freund aus? Ich bin so versucht…“

Die Große verstummt, sinnt ihrer Idee nach. Da rappelt sich die Burschikose vom Boden hoch, schneller diesmal und umarmt die Große lang und fest. Sie flüstert in ihr Ohr: „Nie, nie, aber sowas von nie…“ Wieder tönen die drei Frauen im Chor:

Nein, nie, nie möchte ich wie meine Mutter sein. Niemals! Nie.

Und die Wellen rollen die Felswand entlang, plätschern am Strand. Über den Frauen wandern die Sterne, funkeln und verraten partout nicht, wie fortgeschritten die Nacht ist. Der modrige Hauch des Joints in der Hand der Großen vermischt sich mit Rauch, einem entfernt wahrnehmbaren harzigen Duft von brennendem Holz.

„Haben die Kinder ein Feuer angezündet?“, fragt die Burschikose und sucht mit den Augen den Strand ab. „Wer weiß“, grinst die Kluge, „Hauptsache sie vertreiben sich die Zeit.“ Sie greift sich den Joint, zieht daran und reicht ihn weiter. Die Burschikose nimmt ihn entgegen und sieht zu, wie sich ihre Freundinnen setzen.

Mutter, Klappe die Dritte

„Besser junge Männer“, sagt sie, „als verrückte! Meine Mutter hat da ein glückliches Händchen. Der einzige Trost ist, dass keiner sie halten kann. Naja, Trost ist vielleicht nicht gerade das richtige Wort. Mit dem Esel durch Bhutan? Mit dem Klapperbus durch die Militärzone im mexikanischen Chiapas? Ein sechswöchiger  Wandertrip durch Tanzania? Pferdejagd durch die Mongolei? Mit Kamelen quer durch die Sahara? Nennt ein Land, das nicht westlich dekadent ist, wie sie sagt, und sie war dort. Allein. Ihre Männer nimmt sie nie mit. Das wäre falsch, meint sie.

Für uns bedeutet das aber, dass sie monatelang nicht zu erreichen ist. Lebt sie? Geht es ihr gut? Hat sie alles, was sie braucht? Die Fragen wage ich mir nicht einmal selbst zu stellen, geschweige denn meiner Schwester. Würden wir es tun, könnte keine von uns mehr schlafen. Hin und wieder meldet Muttern sich – seit einigen Jahren per Skype. Oder sie schickt ein Foto. Für ihre Enkel, sagt sie. Die freuen sich – und ich? Ich habe zwei Kinder, die schon jetzt davon träumen in die Fußstapfen meiner Mutter zu treten. Sie erzählt ja auch nie davon, wie unbequem, wie gefährlich ihre Reisen sind.

Wenn ich sie darauf anspreche, ihr sage, dass sie langsam zu alt ist für diese Mätzchen, sich einen ruhigen Ort suchen, sich endlich niederlassen soll. Was antwortet sie?

  1. Ruhig sei es im Grab noch früh genug.
  2. Ein bisschen Abenteuer hat noch niemanden geschadet.
  3. Ich solle mich nicht in ihr Leben einmischen; es sei immer noch ihres.

Ach, was gäbe ich für einen Mann, jung oder alt, der sie endgültig halten kann! Nur wird keiner sich eine Frau wie meine Mutter antun! Nie, nie, aber sowas von nie…“

Ein Zug, dann wirft die Burschikose die Kippe in den Sand. Wieder fassen die Drei sich an den Händen.

Nein, nie, nie möchte ich wie meine Mutter sein. Niemals! Nie.

Sie werfen die Arme in die Höhe, lassen sich nach hinten in den Sand fallen. Träge bleiben sie liegen. An Aufstehen ist gerade nicht zu denken!  Drei Herzschläge später: „Es juckt und beißt“, beschwert sich plötzlich die Burschikose. Die Kluge lacht laut auf und lacht, hört nicht mehr auf. Bis die Große aufspringt, ihre beiden Freundinnen aufzieht: „Kommt! Wir gehen schwimmen“, fordert sie.

„Jetzt?“

„Wann sonst?“

Die Krebse flüchten schleunigst seitwärts trippelnd ins kühle Nass. Die Sterne dagegen funkeln weiterhin neutral, sogar als die drei Frauen nackt ins Meer waten. Ihr Blick wandert nur ein bisschen verschämt weiter zur einzigen Lichtquelle hinter dem Felsen in die Bucht. Drei Töchter lümmeln dort um ein Feuer, schon ziemlich lang. Jeden Muttertag das gleiche Lied! Sie warten.

„Was meint ihr? Sind die bald fertig?“, fragt die eine – zum wievielten Mal? Die andere zuckt mit der Schulter, kontrolliert ihr Handy. Noch immer kein Empfang. Und die dritte Tochter? Sie beobachtet noch eine Weile ihre beiden Leidensgenossinnen, plötzlich fängt sie an:

„Also, wenn meine Mutter einmal redet, findet die kein Ende. Sie kann…“

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