Nebiga

Hades: Verliebt in der Unterwelt

Granatapfel

Was bisher geschah: Hades. der Herr der Unterwelt überredete die junge Göttin Persephone, ihn  in sein Reich zu begleiten. Sein Trick? Er versprach ihr Wissen über die Schatten und die Dunkelheit. Außerdem versicherte er, sie würde zum Abendbrot zurück sein, vorausgesetzt natürlich sie würde in seinem Reich nichts essen. Was er verschwieg? Die Unterwelt kannte weder Tag noch Nacht – Zeit ist im Dunkeln ein dehnbares Gut.

Aber was machte das schon? Unter Göttern spielt es doch keine Rolle, ob man zum Abendbrot desselben Tages oder Monate später zurück kam. Was würde Persephone schon verpassen? Sie schien auperdem nicht an die Oberwelt zu denken. Die junge Göttin hielt mit ihm Schritt; ließ sich nur von ihm helfen, wenn sie sich an einem schmalen Grat entlang hanteln mussten, und fragte. Fragte viel.

Alles schien sie zu begeistern – und Hades erklärte es ihr: Dunkelheit und Schatten, Erdschichten und woran sie Granat-, Gold- und Diamantadern erkennen konnte; zeigte ihr unterirdische Seen und  Tropfsteinhöhlen. Er stellte ihr sogar Charon – den Fährmann – vor – griesgrämig wie er war. Die Göttin Charon, Fährmann der Unterwelt der Jugend brachte selbst diesen zum Lächeln. Sie verbreitete Freude, wo immer sie auftauchte. Auch wenn die Schatten diese nicht spüren konnten – Hades erfüllte sie.

Das unterirdische Reich wuchs dem Gott noch stärker ans Herz – und er genoß Persephones Nähe. Sobald Hades bemerkte, dass seine Angebetete im Dunkeln fror, legte er den Arm um ihre Schultern. Sie aber tauchte unter diesem durch, lief vor und deutet auf eine Gesteinsader:

  • Granat nicht?

fragte sie. Ein anderes Mal forderte sie Hades heraus: Kletterte über schroffe Felsen, zwängte sich durch Tunnel und rief, er solle schneller machen. Dann wieder schmiegte sie sich an – schlüpfte jedoch weg, sobald sie etwas entdeckte, das sie noch nicht kannte.

Der Gott wusste nie, was kam. Es machte ihn… wahnsinnig!

Hades braucht Rat.

Den Fährmann um Rat zu fragen, wäre Hades früher niemals in den Sinn gekommen, aber  jetzt musste er sich eingestehen: Er brauchte Rat und es gab in der Unterwelt niemanden sonst, dem er sich anvertrauen wollte. So rief der Gott Charon in einem ruhigen Augenblick zu sich.

  • Sag mir, was fühlt Persephone für mich?

fragte er – geradeheraus wie er es seinen Leuten gegenüber gewohnt war. Charon schaute verdutzt und brummte:

  • Herr, wie soll ich das Herz einer Göttin kennen?
  • Wie kann ich es herausfinden? Was kann ich tun?
  • Fragt sie. Nur Persephone selbst weiß, ob sie Euch mag, Herr!

Einen solchen Rat zu befolgen, kostet Überwindung – besonders einem Gott. Hades erwog das Für und Wieder – mehrmals und länger als üblich! Schließlich machte er sich auf, seiner Angebeteten seine Gefühle zu offenbaren. Es war an der Zeit, fand er.

Ein Baum in der Unterwelt

Er entdeckte Persephone vor einer Felswand. Sie zeichnete mit einem Stück Kohle, folgte der Struktur einer Granatader und zeichnete Äste, Blätter, Früchte. Die Göttin war so vertieft, dass sie nicht bemerkte, wie Hades näher trat. Er räusperte sich.

  • Siehst du, welch schöne Äpfel diese Granate wären,

sagte Persephone, ohne sich umzudrehen. Hades kämpfte mit sich: Wie sollte er sich einem Rücken erklären? Die Göttin deutete auf ihr Wandbild:

  • Hier sind die Blätter; Schatten lassen sie leben… Dort die Früchte! Es wird ein Baum, denke ich.

Endlich wandte sie sich um – und Hades blieb der Atem weg. Ihre Augen leuchteten, wie er es noch nie zuvor gesehen hatte. Feuer brannte in ihnen, Leidenschaft. Sie hatte gemalt, funkelte  vor Leben. Wie konnte er dagegen an?

Wie sollte er sich erklären?

GranatapfelDoch Götter haben Ideen, auf die Sterblichen nie und nimmer kommen würden. Dem Herrn der Unterwelt kostete es einen Wink – und aus der Felswand brach ein Baum. Die Zeichnung erwachte zum Leben: Stamm, Äste und Zweige entstanden aus den Kohlestrichen, Früchte aus dem Granat:

  • Hast du ihn dir so vorgestellt?

fragte er. Persephone blickte ihn bewundernd an.

  • Dass du das kannst!

rief sie. Für diesen Blick würde er die Unterwelt in einen Garten verwandeln! Aber er sah ihren Augen an, dass es nicht nötig war. Persephone hatte verstanden. Das Schweigen wurde ihm lang:

  • Und?

bohrte er. Die Maid betrachtete ihre Hände, wischte die Kohle an ihrem Kleid ab.

  • Wie hast du dir das gedacht?

sagte sie plötzlich.

  • Wie soll der Baum hier unten überleben? Er braucht Wasser, Erde – Sonnenlicht.

Advent, Advent – ein Lichtlein brennt! Erst eins, dann zwei, dann drei…

Geduld! Wie’s weiter geht, erfährst du am am vierten Adventsonntag!

Schau‘ dann wieder rein! Ich freu‘ mich auf dich 🙂

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