Leo Nerdette

Hab‘ da mal ’ne Frage! Wassermangel?

Wassermangel

Spektakulär, wie die  schwarzen Plastikbälle dem Wassermangel Kaliforniens den Kampf ansagen. Massenweise kullern sie in die Trinkwasserspeicher… 96 Millionen Schattenbälle (shade balls) haben zum Beispiel die Aufgabe, die Einwohner von Los Angeles vor der chronischen Dürre im Land zu schützen.

Seit zehn Jahren setzen die Energieversorger die hohlen Kugeln ein. Bilder davon gehen schon mal um die Welt… Medien schreiben, drehen Videos über den spektakulären Wasserschutz.

Hand in Hand geht die Frage nach Kaliforniens Wassermangel. Jedes Jahr brennen ganze Wälder ab. Nachrichten von der Windrichtung, der Evakuierung von Familien und Löschhubschraubern sind üblich.

Was ist die Ursache von Kaliforniens Wassermangel?

Schuld, sagen die Medien, ist die Landwirtschaft! In Kalifornien werden Avocados, Mandeln, Walnüsse und Pistazien angebaut. Gerade Avocados und Mandeln gelten als die Schuldigen, weil sie besonders viel Wasser verbrauchen.

Trinkwasser ist eigentlich ein kostbares Gut – besonders in Kalifornien; jedoch auch in der gesamten Grenzregion zwischen USA und Mexiko dörrt das Land aus; sind von den Flüssen mittlerweile nur noch Rinnsale übrig.

Der Wassermangel resultiert daraus, dass man Trinkwasser eben nicht als wertvoll behandelt: Die Bauern – sie besitzen schon einmal 120 Hektar Mandelbäume – sehen es seit Jahren als ihre wichtigste Aufgabe, Wasser ranzuschaffen; Brunnen zu bohren, die so tief sind, dass sie an genügend Grundwasser kommen, um das Überleben der Bäume zu gewährleisten. Seit 150 Jahren zapfen sie Grundwasser ab –  mittlerweile haben sie schätzungsweise 160 Kubikkilometer versprengt, gut dreimal das Volumen des Bodensees.

Von Politik propagierte Maßnahmen

Die medienwirksamen Schattenbälle sollen diesem Raubbau und dem mittlerweile augenfälligen Wassermangel etwas entgegensetzen. Sie spenden Schatten, verhindern das Verdunsten der Wasservorräte und halten das gespeicherte Nass sauber.

Die schwarzen Wunderdinger können „unerwünschte chemische Reaktionen“ eindämmen, indem sie Sonnenstrahlen an sich abprallen lassen. Trinkwasser, das der Sonne  ausgesetzt ist, wird brackig. Das gilt es zu verhindern.

Kaliforniens Wasservorräte müssen lange halten: Es regnet in den Wintern wenig.

Eine andere politische Maßnahme ist es, Mexiko mehr Wasser abzukaufen. Zwar hat das Land ähnliche Probleme mit der Trockenheit wie die USA, aber der reiche Nachbar erhält es von der korrupten mexikanischen Regierung eher als die eigenen Leute.

Wasser ist durch die Globalisierung schon längst zu Handelsgut geworden. Wer kann sich leisten, Wasser zu verschwenden? Mexikaner nicht. Sie kaufen ihr Trinkwasser in garafones. Wasser ist kein Allgemeingut mehr. Es ist heute Ware, wie alles andere auch.

Wovon allerdings kaum jemand spricht: Silikon Valley

Ist von Wassermangel die Rede, spricht allerdings niemand gern von Rechenzentren. Silikon Valley liegt in Kalifornien.

Wenn Computer laufen, laufen sie heiß.

Ein Rechenzentrum ist ein ganzes Feld voller Computer, übereinander und hintereinander gereiht: 30 000, 70 000, 100 000 – die Zahlen purzeln nur so. In Kalifornien stehen an die 800 Rechenzentren. Wie viele Server sind da wohl zurzeit in Betrieb? Eingedenk des Gesetzes von Intel-Gründer Gordon Moore geht man heute davon aus, dass sich die Menge von Hardware (Computer) wie auch der zu verarbeitenden Daten alle 18 Monaten verdoppelt. Das alles muss gekühlt werden!

Luft allein genügt da nicht mehr!

Deshalb haben sich 2006 etliche Computer-Plantagen-Besitzer in Sillicon Valley wie Hewlett-Packard, IBM oder Sun Microsystems zusammengetan, um neue Wege zu finden, wie sie ihre kostbaren Geräte temperiert halten. Dabei ist ihnen aufgefallen: Wasser ist wirkungsvoller als Luft. Etwa 462 mal! Eine nicht zu unterschätzende Zahl bei Rechenzentrumskosten von etwa 37 Millionen per Megawatt, das für die Luftkühlung gebraucht wird. Der Bau eines Wasserkühlungssystems schlägt dagegen mit nur 30 Prozent davon zu Buche, rechnete Charles Doughty von Iron Mountain vor.

Einzige Herausforderung war es, die „natürlichen“ Feinde Wasser und Computer zusammenzubringen.

Für Ingenieure keine unlösbare Aufgabe!

Google & Co kühlt mit Wasser

2015 sah es folgendermaßen aus: Kaliforniens Rechenzentren verbrauchen grob geschätzt so viel Wasser wie in 158. 000 Olympia-Schwimmbäder passen. In einem Land, wo Politiker Kellner auffordern, kein Wasser mehr automatisch anzubieten! Wo Wassermangel zum Alltag gehört!

Auch Musterschüler Google kühlt seine Rechenzentren mit Wasser. Der riesige Data-Center-Betreiber verwendet, wie das Unternehmen gerne betont, allerdings nur aufbereitetes Wasser aus verschiedenen Quellen.

Eine Google-Anlage in Douglas County (USA) bereitet Abwasser auf, eine andere in Belgien bezieht ihr Kühlwasser aus einem Industriekanal. Das Unternehmen ist stolz darauf, Wasser zu recyclen. Es zeigt sich zuversichtlich, „für die meisten Fälle seiner Wassernutzung nachhaltige Lösungen finden zu können“.

Das klingt nach einem vorbildlichen Plan.

Ich aber frage einmal:

800 Rechenzentren…

Wie viele der Betreiber sind umweltbewusster als Landwirte?

*Foto: www.latinamericascience.org

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