Nebiga

Gott Hades sucht die Frau fürs Leben

Hades am Eingang seines Reiches

Zeus, der Göttervater der Griechen, teilte die Welt unter sich und seinen Brüdern auf. Damit es gerecht zugehe, ließ er das Los entscheiden, welchen Teil wer bekommen sollte. Sein ältester Bruder, Hades, zog die Unterwelt. Andere wären mit diesem Los unglücklich gewesen. Sie hätten sich sogar beschwert, Gott Hades aber war zufrieden. Ihm sollte nun ein gigantischen Reich gehören – ein unterirdisches zwar, jedoch eines von besonderer Schönheit, durchschimmert vom Zauber der Dunkelheit.

Der Gott zog sich sofort auf seine neuen Ländereien zurück; machte sich mit ihnen, ihren Grenzen und den Bewohnern vertraut und regierte. Er nahm seine Pflichten ernst: Den Seelen der Verstorbenen ein Zuhause zu geben, war eine davon. Streit zu schlichten, eine andere. Außerdem galt es, die Schätze der Erde zu beschützen und über die wenigen Zugänge in sein Reich zu wachen. Nicht jeder durfte in die Gefilde der unteren Welt: Nur Seelenschatten und Träume. Über sie herrschte er:

Gerecht, sagten die Griechen, nannten den Gott aber auch den Unbeugsamen, den Furchtbaren.

Wenn es seine Pflichten erlaubten, streifte Hades durch die Lande; an den Felsufern der Seen entlang; zwängte sich durch Kalk-Passagen, über Schluchten in Tropfsteinhöhlen, die wie Paläste hochragten. Wände schimmerten, durchzogen von Granat-, Kohle- oder Gneisadern; Diamanten funkelten. Es gab so viel zu entdecken! In den Gewölben der Höhlen hielt der Gott an, atmete tief ein; ließ den Geruch durch seine Nase strömen – den nach Moder, Erde und Stein. Er genoß die Weite; lauschte in die Ruhe seines Reiches.

Doch manchmal sang diese in seinem Kopf – und er erinnerte sich: An die Freude… das Licht und die Farben der Oberwelt. In einem solchen Augenblick wünschte sich Hades eine Frau.

Eine Göttin sollte es sein

Dann wusste er, es war an der Zeit, seinen Bruder zu besuchen. Vom Himmel aus ließen sich die Frauen der Welt besser begutachten und Zeus war nie abgeneigt, einen Blick zu riskieren: Die Brüder lugten dann auf die Erde hinunter.

Vom Himmel herab

  • Was sagst du zu der?
  • Zu blond.
  • Und die?
  • Was soll ich mit einer Nymphe?
  • Hmmm, aber die. Die wär‘ doch was? Sieh‘ dir bloß diesen Hintern an! Was meinst?
  • Eine Sterbliche? ZEUS, sie soll meine Königin werden!
  • Na, wenn du nicht… Ich wäre nicht ab… ohh… sie bückt sich…

Wenn er bloß einmal bei der Sache bleiben könnte! Hades fuhr seinem Bruder an:

  • Zeig‘ mir nur die Göttinnen, die noch keinen Gatten haben!

Doch so einfach, wie der Gott es sich vorgestellt hatte, war es nicht: Selbst als er eine fand, die ihm gefiel und die sich nicht vor einem näheren Kennenlernen sträubte, gab es eine Hürde, die keine nahm: Keine wollte mit ihm in die Unterwelt, geschweige denn dort bleiben.

Hades kehrte allein zurück in sein Reich; machte weiter wie bisher: Herrschte, schlichtete, wachte, streifte umher – und lauschte der Stille.

Bis eines Tages… Lachen seine Ruhe störte. Es perlte an sein Ohr und riss ihn aus den Gedanken. Nach dem Lachen hörte er eine Stimme:

  • Lasst mich! Ich klettere da jetzt hoch! Da oben war ich noch nie!
  • Ach was, ihr redet ja wie Mutter…
  •  Ohhh – dieser Blick – und erst das Licht! Wartet nicht auf mich, hier male ich!

Natürlich musste Hades nachsehen, was los war. Jemand befand sich an der Grenze SEINES Reiches – und es dürfte sich um keine Seele handeln. Genau dort, wo das Dunkel der Unterwelt auf das Licht der Oberwelt traf, spähte er aus der Höhle nach draußen. Er blinzelte; es dauerte eine Weile bis sich seine Augen an das Licht gewöhnten.

Da sah er sie zum ersten Mal: Persephone, die göttliche Maid.

Und was Hades sah!

Persephone war die Jugend, die Frische selbst. Sie war der Wind, der zart durch die Haare streift oder das Morgenrot, das die Dämmerung vertreibt. Alle Menschen, ja sogar die Götter, waren in sie verliebt; ein bisschen jedenfalls: so ähnlich wie in den Anfang eines Abenteuers; wie in den Funken einer Idee.

Dieses göttliche Wesen saß nun vor ihm auf einem Felsen, ein Blatt auf dem Schoß und malte. Er konnte sich nicht satt sehen. Alles war ein Fest für seine Augen: Die Farbkleckse auf ihrem Kleid genauso wie ihr zerwuscheltes Haar und die bloßen Füße.

Diese Göttin war für ihn gemacht. Endlich hatte er sie gefunden!

Er musste handeln, aber wusste so schnell nicht, wie. Glücklicherweise kommt auch Göttern hin und wieder der Zufall zu Hilfe: Diesmal in Form von Donnergrollen.

Persephone war so vertieft in ihre Malerei, dass sie es nicht zu bemerken schien. Es blitzte. Ihre Begleiterinnen riefen von fern. Doch erst als der Regen auf das Blatt tropfte, sah Hades sie aufspringen. Das Blatt an ihre Brust gepresst blickte sie sich um; näherte sich dem Busch vor der  Felsspalte, hinter der  er lauerte. Ihr Ellenbogen berührte den Strauch.

Da griff Gott Hades zu.

Advent, Advent – ein Lichtlein brennt! Erst eins…

Geduld! Wie’s weiter geht, erfährst du am zweiten Adventsonntag 😉

Schaut rein! Ich freu‘ mich auf euch 🙂

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