Nebiga

Persephone: Eine Göttin setzt sich durch

Hades und Persephone

Was bisher geschah: Hades offenbarte Persephone seine Gefühle auf die ihm eigene Weise. Die Göttin der Jugend und Frische reagierte anders, als der Gott es erhofft hatte. Ihr, so sagte sie, fehle das Sonnenlicht! Damit verbannte sie Hades in das gräuliche Zwischenreich der Verliebten: Er wollte seine Angebetete bei sich haben; gleichzeitig wusste er, dass er seiner Göttin Licht nicht bieten konnte. Hades pendelte zwischen „Himmelhoch jauchzend“ und „zu Tode betrübt“; zwischen Festhalten und Verlieren.

Oben in der Welt lief derweilen die Zeit hurtig weiter: Persephones Mutter Demeter – Göttin der Fruchtbarkeit und des Ackerbaus – trauerte in ihrem Garten. Sie sorgte sich, wie es ihrem Kind im Totenreich erging; wütete, weil die Götter ihr nicht halfen, Persephone zürückzuholen. Diesen Gefühlen waren die Felder der Menschen ausgeliefert:  Es gab Tage, da ertranken die Triebe in Demeters Tränen. An anderen versengte die Hitze ihrer Wut die Saat.

Hunger breitete sich aus. Die Menschen opferten, flehten die Göttin an. Demeter aber hatte kein Erbarmen. Schließlich pilgerten die Menschen zu Zeus, um seine Hilfe zu erbitten.

Hoher Besuch in der Unterwelt

Der Göttervater seufzte. Ihm blieb nichts anderes mehr übrig: Er musste seinen Bruder Hades in der Unterwelt besuchen und Persephone zurückfordern. Der Herr der Unterwelt war jedoch ganz und gar nicht in der Stimmung, Befehle entgegenzunehmen. Schon gar nicht von seinem Bruder!

  • Sie bleibt!

grollte er.

  • Persephone ist meine Königin!

Zeus widersprach, verwies auf seine Macht. Die Brüder verhandelten hart. So hart, wie es eben nur Brüder können. Wenn Götter aber streiten, brodelt die Lava unter den Seen und der Boden bebt. Die Erschütterung breitete sich in Wellen aus, wogte bis zum Granatapfelbaum und darüber hinaus. Persephone fühlte das Beben unter ihren Füßen, als sie einen Apfel pflückte. Sofort lief sie los, um vermitteln. Sie wusste: Den Hades konnte nur einer dermaßen erschüttern – Zeus. Kurz bevor sie die Brüder erreichte, hörte sie ihren Geliebten schon – grollend, resigniert:

  • Stimmt, sie vermisst das Sonnenlicht…
  • Was hast du erwartet?

fragte Zeus.

  • Sie würde sich gewöhnen, dachte ich.
  • Hach…
  • Gut. Ich lasse sie gehen, vorausgesetzt sie will.
  • Ganz egal, was sie will! Sie braucht das Licht…
  • Gib mir Zeit, mich zu verabschieden! Das kannst du nicht verwehren…
  • Eine Nacht noch. Dann schicke ich den Götterboten, sie zu holen.

Persephone entscheidet sich

Eilig verließ Zeus die unwirtliche Stätte, ohne Hades noch eines Blickes zu würdigen. Ihn, dem erst nach und nach aufging, was er versprochen  hatte: Er würde Persephone verlieren; sie nie wieder sehen; ihr Lachen nicht mehr hören… die Dunkelheit seines Reiches breitete sich in ihm aus; Schatten umfingen sein Herz.

Er lauschte in die Stille. Diesmal genoß er sie nicht; sie drohte ihm.Persephones Stimme zerriß sie – diesmal noch:

  • Du, ich…

Hades wandte sich der Geliebten zu.

  • Zeus war hier.

seufzte er.

  • Ich weiß!

sagte Persephone. Sie brach den Granatapfel in ihren Händen auseinander und trat näher. Mit jedem Schritt steckte sie einen Kern in den Mund. Vier Schritte machte sie, dann war sie bei ihm.

  • Du darfst doch in meinem Reich nichts essen!

Persephone legte einen Finger an Hades Lippen.

  • Schschsch

Was blieb dem Gott anderes? Er schloß sie in die Arme.

Mit ihrem Ungehorsam und vier Granatapelkernen zwang Persephone die Götter, ihr Licht und Schatten zu gönnen. Wer in der Unterwelt aß, musste dahin zurück – so wollte es das Gesetz.

  • Vier Kerne – vier Monde in jedem Jahr,

bestimmte Zeus. Womit die erste Fernbeziehung begann…

Wie’s in Familien aber so geht, nimmt Demeter dieses Arrangement bis heute übel. Jedes Mal, wenn Persephone zu ihrem „rücksichtslosen Gatten“ in die Unterwelt geht, schmollt sie. Eine tote Zeit kriecht über die Erde. Sobald ihre Tochter wieder zu ihr zurückkehrt, ist aber alles vergessen – auf den Feldern beginnt es zu blühen und gedeihen.

So kamen die Jahreszeiten auf die Welt.

Advent, Advent – ein Lichtlein brennt! Erst eins, dann zwei, dann drei,

jetzt vier!

Frohes Fest!!! 🙂

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