Nebiga

Wie Gott Hades die Frau fürs Leben raubt

Gott Hades und sein Reich

Was bisher geschah: Der griechische Gott Hades, der Herr der Unterwelt, hatte hin und wieder seine hellen Augenblicke; in ihnen vermisste er so einiges: Licht zum Beispiel, Farben, Freude…  Nach einem solchen machte er sich normalerweise auf, eine Frau zu suchen. Lange Zeit vergeblich. Als er schließlich doch eine Göttin fand, die ihm gefiel, griff er zu – und brachte damit die Götterwelt durcheinander.

Denn bald schon – an einem Morgen im Olymp – erfuhr sein Bruder, der Göttervater höchstpersönlich, von Hades‘ Tat. Eigentlich hatte Zeus ja Anderes im Kopf: Seine Frau war auf Reisen und würde eine Weile unterwegs sein und auch die Kinder gingen ihren eigenen Geschäften nach. Er überlegte, wie er diese Gelegenheit am besten nutzen konnte. Mit einem Ausflug zu den Sterblichen vielleicht? Oder sollte er zuhause bleiben? Die Stille genießen?

Zeus nahm den ersten Schluck Ambrosia des Tages:

Ahhh…

Fehlten nur noch die Nachrichten, dachte er und rief:

Götterbote!

Doch dieser erschien nicht. Stattdessen stand plötzlich Demeter vor ihm.

Demeter, Göttin der Fruchtbarkeit und Hüterin des Ackerbaus

Sie kümmerte sich um alles, was auf Erden wächst und gedeiht. Eine Göttin also, deren Tag ausgefüllt sein sollte. Was wollte sie hier? Um diese Zeit? Ihre Fäuste hielt sie auf die Hüften gestemmt, die Stirne war gerunzelt und ihre Augen funkelten.

  • Du musst etwas tun! Sofort! 
  • Oooch, Demeter! Was ist denn nun schon wieder?
  • Meine Tochter wurde entführt!
  • Entführt?

Der Göttervater hob eine Augenbraue, überlegte… Schließlich sagte er:

  • Red‘ keinen Unsinn! Wer würde es wagen, eine Göttin zu entführen? Wahrscheinlich ist sie kurz weggegangen. Alt genug dazu ist sie ja…
  • Kurz? Überall  habe ich gesucht. Persephone ist nirgends zu finden. Bleibt nur ein einziger Ort und den kann ich nicht uneingeladen betreten. Ich sage dir: Sie muss in der Unterwelt sein!
  • Bei Hades?

Zeus strich sich drei, vier Mal den Bart. Er beobachtete, wie Demeter von einem Fuß auf den anderen trat, lehnte sich zurück:

  • Ja dann… was regst du dich auf?  
  • Willst du ihm das etwa durchgehen lassen?

fragte die Göttin.

  • Hades ist der Herr der Toten, König eines großen Reiches. Er ist mit all seinen Bodenschätzen sogar der reichste Gott überhaupt UND so wie ich ihn kenne, ist er an etwas Ernstem interessiert. Besser kann es Persephone gar nicht treffen.

Demeter stampfte auf.

  • Hol sie zurück!

Doch Zeus schüttelte den Kopf.

  • Du weißt doch: Ist der Schicksalfaden erst gesponnen,  kann niemand es ändern, selbst ich nicht.

Er hielt ihrem Blick stand, seufzte aber erleichtert, als Demeter herumwirbelte und verschwand. Er beschloss, ihr

  • DAS werden wir noch sehen!

nicht gehört zu haben. Lieber trank er noch einen Schluck. Wo er nur blieb, der Götterbote?

Gott Hades, Persephone und die Schatten

Gott Hades wäre überrascht gewesen, hätte er gewusst, welche Aufregung sein Handeln verursacht hatte. Gut, er zog Persephone tatsächlich etwas stürmisch, um sie vor dem Donnerwetter in die Sicherheit der Höhle zu bringen. Sie wog weniger, als er dachte und landete daher an seiner Brust. Er umarmte sie, atmete ihren Duft ein – ahhh… Hyazinthe, Erde, Gras. Doch nur ganz kurz!

  • Tschuldigung,

murmelte er sofort und ließ sie los. Er wurde – du glaubst es nicht – rot.

Persephone dagegen lächelte flüchtig, drückte ihm ihr Bild in die Hand.

  • Halt mal, bitte!

sagte sie, beugte sich vor und wrang ihr Haar über Kopf aus.

Als Gott war Hades es nicht gewohnt, Aufträge entgegen zu nehmen. Verblüfft hielt er das Blatt, wobei er die Maid aus den Augenwinkeln beobachtete.

  • Ist es ruiniert?

fragte Persephone, drehte den Kopf und sah ihn an. Jetzt erst schaute Gott Hades auf das Bild:

  • An den Rändern verwischt, vielleicht…
  • Wirklich? Zeig!

Sie trat näher, betrachtete ihr Werk – weit kritischer als er.

  • Es lebt einfach nicht. Nie kriege ich das hin…

murmelte sie. Das klang entäuscht, was Hades veranlasste, genauer hinzusehen: Das Abbild einer Lilie, der Blütenkelch leuchtete in Rottönen. Persephone hatte allerdings recht. Der Kelch prangte flach auf dem Blatt. Gott Hades dachte nach – das dauerte eine Weile, doch dann sagte er:

  • Kein Wunder, es fehlen die Schatten…

Dieser eine Satz war es! Mit ihm hatte er ihre volle Aufmerksamkeit. Persephone fragte nach, ließ den Herrn  der Dunkelheit erzählen: wie Licht und Schatten zusammen gehören, von der Tiefe, seinem Reich – und was Persephone dort alles lernen könnte. Gott Hades nutzte die Gelegenheit wohl. Er würde ihr alles zeigen, sagte er und dass ein Besuch ja nicht schaden könne.

  • Kann ich zum Abendbrot zurück sein?
  • Wenn du während deines Aufenthalts nichts isst – jederzeit!

Besuch in der Unterwelt

Damit gelang es dem Herrn der Unterwelt zum allerersten Mal, eine heiratsfähige Göttin in sein Reich zu bekommen. Gott Hades nahm sich fest vor, alles zu tun, damit Persephone nicht mehr in die Oberwelt zurück wollte. Er würde werben, wie noch nie zuvor! Was hatte er nicht alles zu bieten! Er würde sie mit Aufmerksamkeiten überaschen, ihr jeden Winkel seines Reiches zeigen und den Aufenthalt so angenehm, wie nur möglich machen. Sie sollte sich wünschen, ewig bleiben zu können.

Zeit dazu würde er genug haben: In seinem Reich verschwimmen die Stunden, keiner weiß, welche es geschlagen hat. In der Unterwelt kannte niemand Tag und Nacht. Nein, der Gott hatte Persephone nicht angelogen!

Er hatte ihr nur etwas verschwiegen.

Advent, Advent – ein Lichtlein brennt! Erst eins, dann zwei…

Geduld! Wie’s weiter geht, erfährst du am dritten Adventsonntag 😉

Schau‘ dann wieder rein! Ich freu‘ mich auf dich 🙂

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