Diätplan für erfüllte Tage
Leo Nerdette

Ultimativer Diätplan für ein erfülltes Leben

Für euch, die ihr genug habt! Die ihr befürchtet, Social Media süchtig zu werden – oder seid ihr es gar schon? Also für jene, die in den nächsten Wochen alles zu tun gedenken, damit sie wieder los werden, was sie in den letzten Wochen, Monaten, Jahren in sich hineingestopft haben. Ja, für die, die ein erfülltes Leben suchen –  jenseits von Social Media, eher so im Hier und Jetzt.  Genau für dich also haben wir diesen Diätplan erstellt.

Den einzig wahren – den ULTIMATIVEN Diätplan!

Unsere erkärte Mission: Wir wollen Menschen helfen, sich von unnötigem Ballast zu befreien. Auf dass sie sich wieder freier bewegen, klarer denken und öfter freuen können!

Diätplan für schlaue Köpfe

Eines schicken wir jedoch noch voraus: Wie alle Diäten ist auch diese kein Honigschlecken! Du musst hart arbeiten und einige Durststrecken überstehen. Daher solltest du gut überlegen, ob du dich unserem Plan anschließt.

Grundsätzliche Fakten

gemeinsam begleiten

  • Dauer: Sechs Wochen. Sie reichen völlig aus, nachhaltig zu entschlacken.
  • 112prozentige Erfolgsgarantie – vorausgesetzt du hältst den Diätplan tatsächlich durch.
  • Ein klarer Diätfahrplan pro Woche, von dir selbst erstellt
  • Punktesystem für Sport, kreative Aktivitäten, Treffen mit Freunden, Real life time
  • 30-50 Prozent Steigerung des Glücksquotienten sind garantiert.

Zuerst einmal die Bestandsaufnahme

Am Beginn eines Diätplans steht eine umfassende Analyse des Ist-Zustands. Daher gilt es zunächst zu sammeln,

  1. Wie viele Stunden deiner Freizeit verbringst du online?
  2. Gliedere diese Stunden in Geräte: Smartphone, PC, Tablet, TV…?
  3. Analysiere, wie lange du welche Social Media Kanäle nutzt: Dein Hauptaugenmerk liegt auf Snapchat, Instagram, Facebook, Twitter, Pinterest, You Tube, flickr…
  4. Mache dir eine exakte Liste dazu
  5. Dieser stellst du eine andere Liste gegenüber: In ihr hältst du fest, wie viel Zeit du mit Freunden, der Familie, Sport, in der Natur, auf Reisen verbringst – ohne Fotos davon sofort zu teilen.

Hast du die Bestandsaufnahme beendet, formulierst du dein Ziel: Die Stundenanzahl, die es für dich ermöglicht, entspannt deine Freizeit zu genießen. Doch sei dir bewusst: Alles, was höher als 1-2 Stunden täglich liegt, gefährdet die Zufriedenheit eines jeden Menschen.

Was gibt es zu tun?

  1. Du folgst deinem detaillierten Wochenplan.
  2. In ihm hast du Aktivitäten mit Punkten zwischen 1-5 vorgesehen – je höher die Punktezahl, desto lieber die Tätigkeit.
  3. In einem Kalender notierst du in Stichworten, was du bewältigt hast, woran du gescheitert bist.
  4. Du zeichnest dazu, wie du dich fühlst: 🙂 oder 🙁 oder 😉
  5. Jede Woche fasst du zusammen, was du anders gemacht, was du Neues kennengelernt hast und was dir daran Freude macht.
  6. Dabei verzeichnest du, um wieviel leichter du dich fühlst.

 Woche eins – Die Umstellungsphase

ErfrischenWie bei jeder guten Diät, muss sich dein Körper erst darauf einstellen, dass der Entzug von Gewohntem droht. Daher gibt es am ersten Tag nur Gemüse ohne Fett… In unserem Fall

  • darfst du durch zwei Netzwerke scrollen, aber nicht interagieren: Kein Gefällt mir, kein Teilen, keine Kommentare. Kurz, nur schauen bzw. hören!
  • gibt es NOCH kein Zeitlimit!

Am zweiten Tag gibt es

  • nur noch Netflix, ein Computerspiel oder deinen Blog/Lieblingsblog oder Ähnliches.
  • Keine sozialen Netze!
  • Zeitlimit: 3 Stunden.

Die folgenden Tage darfst du nur noch in soziale Netze,

  1. um deinen Freunden mitzuteilen, dass du eine Diät machst und sie auf dich verzichten müssen – online zumindest. Tipp: Nutze die Gelegenheit, um gleich Termine für echte Treffen auszumachen.
  2. sie um Hilfe bittest, weil du Zuspruch brauchst.

Das Zeitlimit für alle Online-Tätigkeiten gemeinsam: Maximal 1,5 Stunden.

Aufgabe der Woche: Organisiere dich! Aus diesem Grund sind noch keine Aktivitäten geplant. Doch wir haben Beispiele, wie du dich in der plötzlich frei gewordenen Zeit beschäftigen kannst:

  • Gestalte deine Wochenpläne besonders schön.
  • Überlege detailliert, was du mit der neu gewonnenen Freizeit tun könntest. Male es dir aus!
  • Schreibe eine Liste von jenen Aktivitäten, die du immer schon machen wolltest, wozu du aber nie gekommen bist. Vergiß die Punkte nicht!
  • Telefoniere viel mit Freunden,
  • Schreib‘ Briefe – keine Mails 😉
  • Lies ein Buch oder auch zwei
  • Wenn lesen nicht so deine Sache ist: Gibt es Erzähler*innen in deiner Region? Zuhören geht immer!
  • Lausche den Geschichten deiner Familie, deines Partners, deiner Freunde!

Wenn du den Drang nach einem Blick auf dein Smartphone verspürst: Lass den Moment vorüber gehen, ohne eine Aktion gesetzt zu haben. Genieße die Stille – und widme dich deiner unmittelbaren Umgebung besonders aufmerksam.

Woche zwei bis fünf: Schrittweises entschlacken

Das Zeitlimit geht Schritt für Schritt auf 0 Minuten hinunter. Das klingt schlimmer als es ist! Du arbeitest dich ja langsam vor.

Wie du es schaffst?

Zunächst einmal ist es wichtig, konsequent zu sein: Ausreden gelten nicht – auch wenn du dir plötzlich einbildest, unbedingt noch ein Dokument in der Freizeit abarbeiten zu müssen!

Arbeit bleibt im Büro, Studium auf der Uni! Zuhause online zu arbeiten, gibt es nicht. Genauso wenig wie es erlaubt ist, länger in der Arbeit zu bleiben, nur weil du deine Online-Zeit vermisst. Die Freunde triffst du persönlich oder eben nicht!

Es gab übrigens eine Zeit vor Google Maps, SnapChat oder Facebook. Wenn du gar nicht mehr weiter weißt, frag‘ deine Eltern.

Fotoalbum Nostalgie

  • Wie haben sie in der Präcomputerzeit überlebt? Haben sie überhaupt gelebt?
  • Wie konnten sie Lokale finden, wenn ihnen Google nicht den Weg wies.
  • Woher bekamen sie ihre Bücher, als es Amazon noch nicht gab?
  • Wie beantworteten sie ihre Fragen – so ganz ohne Suchmaschine?

Überlebensnotwendig ist es jedoch für dich, Balance zu halten! Für jede Viertelstunde weniger Zeit in den den Social Media Kanälen, gibt es eine Aktivität aus deiner in der ersten Woche erstellten Liste. Du tust, was du eigentlich immer schon einmal machen wolltest!

0 Minuten. Das musst du dir vorstellen: Du kommst nach vier Wochen runter auf 0 Minuten…

Ein großes, fast rundes 0…

Die letzte Woche: So fühlt es sich an zu leben

Mit Null endet der Diätplan jedoch noch nicht.

Null ist eine Leistung, eine großartige – ja!

GitarristNur – der nächste Schritt führt dich noch weiter. Er führt weg von der Aktivität hin zur Stille. Die Seele baumeln lassen – das ist deine Aufgabe in dieser Woche, 7 Tage lang…

Nein: Du musst deine Wohnung nicht putzen. Deine Mutter besuchen? Das geht doch nächste Woche noch! Regale, Papiere, Schränke ordnen… Sorry! Nein, Das einzige, was erlaubt ist:

Ruhe, Stille, Nachdenken. Kreativ sein.

Das ist es.

Du wirst sehen: Voller kriegst du deine Tage nie mehr wieder!

Tipp: Ein Beispiel, wie es noch geht

Den kalten Entzug hat Jan Rein durchgezogen. Seit einem halben Jahr lebt er Social Media frei. Wie er damit lebt und was es ihm bis jetzt gebracht hat, lest oder hört ihr am besten selbst!

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ebooks sind keine Bücher
Leo Nerdette

Weil ebooks keine Bücher sind

Liebe ebooks-Freunde,

da wollte ich einem von Euch zum Ankommen im neuen „Lebensmittelpunkt“-Land ein Buch schenken.

  • Schick mir deine Adresse, bat ich.
  • Nicht nötig, mir genügt ein Titel.

Er würde es kaufen, downloaden und lesen. Wie ebooks-Leser es eben gewohnt sind zu tun. So leicht. So gut. Damit hätte ich dann den Zweck meiner Geschenkidee erreicht. Habe ich?

Ich leitete meine Empfehlung weiter. Bei Gelegenheit würde er es sich runterladen.

Passt schon, denke ich. In der haptischen Welt ist es mit geschenkten Büchern auch nicht anders. Und doch. Irgendwie war es nicht ganz das, was ich mit meinem Geschenk sagen wollte. Es fehlte etwas… das brachte mich zum Grübeln.

Was war denn nun anders? Bücher bleiben doch Bücher, egal ob gedruckt oder digital. ebooks haben den gleichen Inhalt. Sie sagen also das Gleiche aus. Oder etwa nicht? Was bedeuten für mich die bedruckten Bände, die so schwer in der Hand liegen? Was wollte ich mit dem Geschenk sagen?

Bücher und ebooks sind Wegbegleiter

Als ich vor Jahren am Flughafen Benito Juarez stand und auf den Transport zu meiner neuen Wohnung im mir fremden Land wartete, hatte ich Kind und zwei Koffer bei mir. Je Koffer waren damals 25 Kilo erlaubt. Damals. Im Gepäck kullerten auch die Kosmetikartikel noch frei herum, zwischen ein paar Kleidungsstücken, Geschenken und – natürlich – Büchern. Vier Stück in jedem – mehr ging nicht: Nur meine Bibeln – Bücher, die ich auf gar keinen Fall missen wollte. Den Rest hatte ich trockenen Auges verlassen, fünf Kisten bereits vor Jahren in der Elternwohnung – Kinder- und Jugendbücher. Hoch oben hatte ich sie verstaut, nicht leicht wieder herunter zu holen.

Einen Teil der Bücher, die mich durch das Studium begleitet hatten, hatte ich an ein Antiquariat verkauft. Spottbillig – zwei Schilling pro Buch. Trotzdem war eine schöne Summe zusammen gekommen. Ich hatte jahrelang Bücher gesammelt wie andere Lesezeichen im Browser. Chaotisch zwar, aber immer nach meinen Vorlieben.

Zehn Kisten davon schickte ich aufs Land – zum Frische Luft-Atmen. Zu ihnen wollte ich zurückkommen. Sie hatte ich fein säuberlich in Butterbrotpapier eingewickelt, geschlichtet, fürsorglich verstaut. Eines Tages würde wir uns wiedersehen, irgendwann dann…

Hätte es damals schon ebooks gegeben, hätte ich mich nicht trennen müssen.

 

Abstand tut schon auch mal ganz gut

Frau - glücklich, freiWie ich so in der Ankunftshalle des Flughafens stand und auf einen Transport wartete, fühlte ich mich befreit, leicht, bereit für Neues. Ich war in ein Land geflogen, dessen Sprache ich nicht sprach – und war gekommen, um zu bleiben. Wie lange? Das würde sich herausstellen.

Die Bücher des Landes waren mir zunächst einmal verschlossen. Zu ihnen musste ich mir erst Zugang verschaffen: die Sprache lernen, Neues erfahren, selber denken.

Vertrauten Wegen konnte und wollte ich in den nächsten Wochen nicht folgen; zu viele Eindrücke stürzten auf mich ein. Zurück ziehen und lesen war nicht drin. Das war gar nicht üblich in diesem Land. Wer allein saß, ging oder blieb, galt als einsam, vernachlässigt, traurig – Zustände, die dem Bild der allgegenwärtigen Gastfreundschaft zuwider liefen.

Nur nachts in meinem Zimmer, nahm ich hin und wieder eine meiner vier Bibeln in die Hand, las wenige Seiten – für mehr war ich zu überwältigt.

Wenn die Sehnsucht überhand nimmt

Vier Monate später aber hatte das Gefühl von Freiheit der Neugier Platz gemacht.

Unter Arkaden büffelte ich die Landessprache anhand von Artikeln aus Magazinen. Interessant schienen alle möglichen Ressorts zu sein. Wie ein Staubsauger nahm ich alles auf: Sogar die Gespräche im Mikrobus klangen spannend. Hauptsache die Sprache stimmte.

Bücher Chaos So hortete ich ein Sammelsurium an Wissen über Dinge, Personen, Ansichten, von denen ich bis dahin keine Ahnung gehabt hatte. In meiner neuen Heimat gehörte dies alles zum alltäglichen Umgang, jeder kannte sie – die Namen, die Geschichten, die Skandale. Niemand dachte darüber nach, woher er es wusste. Es half zu überleben, mitzureden und dabei zu sein.

Ich war mit den Wochen nach diesem Wissen hungrig geworden, wollte endlich entschlüsseln, was unter den Leuten brodelte, gesagt und verstanden wurde. Beobachten allein reichte nicht mehr.

Zwar hatte ich mir mittlerweile ein loses Geflecht an Anknüpfungspunkten geschaffen, aber das noch grobmaschige Netz war eingebettet in das alte Bezugssystem, das System eines anderen Kontinents. Eines arroganten, sich als das Zentrum der Welt empfindenden Kontinents. Das sollte sich ändern, denn Mark trat in mein Leben. Mark, der Texaner.

Bücher kommen, wenn sie willkommen sind

Mark hatte bereits zwölf Jahre lang im Land verbracht, ein Kind und lebte in Scheidung. Er brauchte einen Platz für sich. Einen, wo am Wochenende sein Kind willkommen war. Er zog bei uns ein – und mit ihm kam auch seine Bibliothek.

Hunderte Bücher in Obstkisten, gestapelt – Kunst, Sprache, Musik, Religion, Philosophie, Geschichte… es nahm kein Ende. Wir schleppten die Kisten einen Vormittag lang, stapelten Wände voll und füllten so den gut 30 Quadratmeter großen Raum, der sich bald schon als das Zentrum unseres Hauses entpuppen sollte. Denn in seinem eigenen Zimmer hätte Mark sie nicht unterbringen können, nicht, wenn er oder sein Kind sich noch bewegen wollten.

Heimat ist… wenn das richtige Buch in der Bibliothek steht

Abends saß ich am Boden, mitten in der Obstkisten-Bibliothek, und staunte eine völlig neue, doch vertraute Welt an. Ein Universum. So viele Empfehlungen, Einladungen und Möglichkeiten, den Kontinent, das Land, Denken und Leute kennenzulernen. Es machte mich neugierig und gleichzeitig unsicher. Ich brauchte etwas Vertrautes, etwas von dem ich ausgehen, den neuen Kontinent erobern konnte. Einen Anfang.

Zunächst fand ich ihn nicht. Ich versuchte es. Wirklich! Ich stellte meine Bibeln in die Obstkisten dazu – sie reihten sich ein, blieben aber fremd. Da war ein Abgrund dazwischen, ein Verbindungsglied fehlte.

Ich las ein Stückchen auf der einen Seite, ein paar Absätze auf der anderen, breitete die Bücher aufgeschlagen vor mir auf, wanderte umher, strich über die Einbände, blätterte, schnupperte, roch das Papier, suchte – suchte die Brücke, den Übergang.

An diesem Abend fand ich sie nicht. Auch Tage danach noch nicht. Ich stöberte, aber tauchte nicht wirklich ein, blieb fremd.

Bis von einem Freund der alten Welt ein Päckchen mit der Post kam. Darin lag ein kleiner roter Band der Reihe Salto vom Wagenbach Verlag: Marcos - Herr der Spiegel: Der Subcomandante trifft den Autor von Pepe Carvalho im Urwald von Chiapas des Katalanen Manuel Vázquez Montalbán. Montalbán beschreibt seine Reise zu den Nachfahren der Mayas im Bundesstaat Chiapas in Mexiko. Er erzählt, wie er, der Europäer, auf Subcomandante Marcos – militärischer Führer der indigenen Bevölkerung Chiapas – wartet, um ein langes Gespräch mit ihm zu führen.

Ein paar Stunden nur, dann war ich durch. Ich stellte das Bändchen zu den anderen Büchern. Es fügte sich, verband das Vertraute mit dem Fremden. Die Brücke war da.

Ich war angekommen, war zuhause. Genau dieses Gefühl, liebe e-books-Freunde, wollte ich weitergeben. Dieses Mal bin ich gescheitert. Beim nächsten Mal gebe ich mich nicht so leicht geschlagen. Da bin ich mir sicher!

Auf bald

Eure Leo

Globetrotter-Tipp in Sachen ebooks

Zum Unterwegs-Sein sind ebooks durchaus eine großartige Erfindung. Handlich, leicht und solange die Batterie reicht, sind sie äußerst nützlich. Wenn du folgende Punkte beachtest, wirst du sogar glücklich damit:

  • Lade vor deiner Reise nur jene Bücher herunter, die du lesen möchtest. Besondere Freude macht es, schwere Schinken runterzuladen.
  • Wenn dir eines der Bücher wirklich gut gefallen hat, leiste es dir als „echtes“ Buch für dein Bücherregal.
  • Stell dich mindestens einmal die Woche vor dieses und genieß‘ es!
  • Geh‘ regelmäßig in Buchhandlungen – ja Bibliotheken gehen auch – schmöckere und atme vor allen Dingen diese Luft ganz tief ein, die Lust zum Lesen macht.
  • Halte dir den Platz zuhause für genau diejenigen Bücher frei, die du liebst. Gelegenheitsbekanntschaften und Fehlgriffe  können im e-books-Archiv verbleiben. Regelmäßiges Ausmisten hilft.

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Frau Holle lässt es schneien
Leo Nerdette

Warum schneit es so wenig, Frau Holle?

Der Pfad zu Frau Holle fordert Überwindung. Auch ich musste springen – vom Brunnenrand in unbekannte, schwarze Tiefe.

Die alte Dame erklärte es mir: Würde ich mich weigern, könne ich das Interview vergessen. Ihr Zuhause sei eben unten! Sie käme selten nach oben und wenn, dann hätte sie Besseres zu tun als mit Journalisten zu sprechen. Besonders im Winter.

Die Rauhnächte kommen bald und ich weiß sowieso nicht, wo mir der Kopf steht.

Mir blieb also nichts Anderes übrig. Ich bin ins Unfaßbare gesprungen… und praktisch sofort in Ohnmacht gefallen.

Ihr wollt wissen, was mir bei meinem Sprung passiert ist?

Tut mir leid, so genau weiß ich es nicht. Mein Mikro rauscht zuerst eine Weile, danach zwitschern Vögel, summen Bienen und ich höre einen Plumps. Irgendwas ist auf eine weiche Unterlage gefallen, denn es plumpste gedämpft. Das war ich, vermute ich.

Bei Frau Holle in der Welt ganz unten

Denn als ich wach wurde, roch ich zuerst einen Hauch von Hyazinthen und Gras, gebackenes Brot und den feinen Duft eines blühenden Holunderstrauchs. Ich öffnete die Augen und sah sie sofort.

Frau Holle saß vor ihrem Haus auf der Sonnenbank und hielt einen Ast voller Holunderblüten in der Hand. Ich war erleichtert. Es war nur eine weißhaarige Frau mit roten Wangen und einem Zwinkern in den faltigen Augenwinkeln. Sie entsprach nicht einem einzigen der Schreckensbilder, die mir gezeichnet wurden: mit riesengroßen, spitzen Zähne zum Beispiel, wirrem Haar und mit strengem Geruch.

Vor mir lehnte jedoch eine adrette, alte Dame. Ihre Haare hatte sie aufgesteckt, der Kragen ihrer Bluse schien frisch gestärkt. Umstände machte Frau Holle jedoch keine.

Fangen wir gleich an, ich habe nicht viel Zeit!

Tja dann, Frau Holle – äh – bekannt sind Sie ja durch die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm geworden. Diese beiden Märchenforscher haben das Märchen Frau Holle in den Kinder- und Hausmärchen veröffentlicht. Wie leben Sie mit diesem Ruhm?

Hier herunten? Nicht anders als zuvor.

Hat sich gar nichts verändert?

Doch, wenn du so fragst! Ich kriege nicht mehr viel Besuch, eigentlich verirren sich höchstens Medien hierher. Hängt das mit diesem Buch zusammen?

Ähem…

Wer glaubt noch an Märchen?

Ich fürchte, das muss an etwas Anderem liegen, Frau Holle. Das Buch war eher gute Publicity.

Was? Mit dieser alten Geschichte? Was ist mit dem Jungen, der mir auch geholfen hat? Jakob, ja Jakob vom Wanderzirkus. Von dem könnt ihr erzählen. Aber nein, ihr wiederholt diese Geschichte von den Grimms wieder und wieder, wie eine Schallplatte, die einen Kratzer hat. Ach nein, ich vergesse immer… heute hört keiner mehr Schallplatte, heute streamt ihr.

Über Jakob gibt es einen Film. Kennen Sie den noch nicht? Dadurch wurden Sie auch solchen Menschen bekannt, Frau Holle, die nicht lesen. Eigentlich müssten sie Ihnen die Bude einrennen. Schon allein für ein Selfie!

Selfies… Solche Menschen kommen mir nicht ins Haus!

Aber…

Bettenmachen bei Frau HolleIch sehe sie ständig. Kaum schüttele ich die Kissen, stürzen sie aus dem Haus, springen unter den Schneeflocken herum, knipsen, knipsen und knipsen. Vor diesem Baum, hinter jenem Strauch, unter dem Denkmal und auf dem Weihnachtsmarkt. Mit Mütze, Felljacke und in Schals gemummelt. Zehn Minuten vielleicht, höchstens! Danach gehen sie ins Haus.

Was stört Sie daran? Die Menschen freuen sich doch, Frau Holle!

Mir  ziehen sie den letzten Nerv. Ich mag nicht mehr. Die Kissen sind schwer, ich bin alt. Ich schüttele sie zwar, werde aber so schnell müde. Früher haben die Menschen Schneemänner gebaut, sind herumgetollt, Schi gefahren, Eis gelaufen, haben eine Schneeballschlacht gemacht – was weiß ich. Stundenlang! Das war Freude – die Freude, die mir Energie gab.

Vielleicht holen Sie sich doch wieder Hilfe, Frau Holle. Damit Sie besser schütteln können.

Weißt du, wie Hilfe heute aussieht? Die wischt mehr im Handy herum als meinen Boden. Ganz zu schweigen von den Kissen. Wenn sich alle schon bei meinen Verschnaufpausen beschweren, dass es so wenig schneit! Nein, nein… kennst du vielleicht jemanden ohne Smartphone?

 Puh… leider, Frau Holle. Mir fällt niemand ein!

Und dann bin ich neben dem Brunnen aufgewacht. Neben mir das Handy, einen verkohlten Laib Brot und den Ast eines Hollunderbusches. Frau Holle hatte wirklich wenig Zeit.

Tipps für den 13. Dezember

1. Wie wäre es, wenn du heute Abend eine Schneeflocke zeichnest?

Oder hättest du lieber eine Vorlage für deine Kinder? Mit diesem Mandala haben sie sicherlich Spaß beim Ausmalen.

2. Mit kleineren Kinder, die sich schon so auf das Spielen im Schnee freuen: Bastle den Schnee einfach selber!

3. Zu Weihnachten spielt es wie jedes Jahr den Film Frau Holle im Fernsehen. Im ZDF am 23. 12. 2017 um 13.45 Uhr. Weitere Sendetermine gibt es hier.

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Liebeskummer so still
Leo Nerdette

So still kann Liebeskummer sein

Eine Geschichte über Liebeskummer? Ist das erzählenswert? Die Zeit heilt ja alle Wunden und der Wald ist bekanntlich voller Bäume… Wenn Familie und Freunde raten, sind solche Sätze leicht gesagt.

Doch es gibt Liebeskummer, der klebt an der Seele wie Kaugummi. Er zieht Fäden, selbst wenn der Grund dafür schon lange vergangen ist.

Der Zug teilt die Dämmerung

Er steht mitten in der verschneiten Landschaft. Leichte Schneeflocken umwirbeln ihn: Sie bleiben nicht am Boden haften.

Zoom –  die Kamera zieht die beleuchteten Fenster näher. Wir sehen hinein: Reisende schlafen, lesen, wischen eine Seite nach der anderen in ihrem iPad.

Die Tochter schmiegt ihre türkis besockten Füße an die Oberschenkel der ihr gegenüber sitzenden Mutter. Halb verschwindet sie im blauen Überzug der Sitze, gemütlich gekuschelt, Quartettkarten in der Hand. Sie mustert diese aufmerksam, wobei sie leicht mit der Zungenspitze zwischen den Lippen hin und her wandert.

„Ich habe 2.480 Kubikzentimeter Hubraum“, sagt die Mutter und blickt auf die oberste Karte ihres Stapels.

Sie schickt einen auffordernden Blick hinüber zu ihrem Kind; ihre linke Augenbraue hebt sich kurz; die rechte Hand streckt sie fordernd aus.

„Gemein“, hört sie aus der gegenüberliegenden Ecke, grinst zufrieden und packt das Kartenpärchen, das sie gewonnen hat, zur Seite auf den kleinen Tisch unter dem Fenster.

Mit einem Blick auf die nächste Karte ruft sie: „24.600 Euro Neupreis!“

„Hah“, kontert die Tochter, „58.650 Euro. Die gehört mir!“

Jetzt winkt das Kind erwartend, nimmt die Karte entgegen und legt sie gemeinsam mit ihrer auch auf einen Stapel neben sich. Verglichen mit dem ihrer Mutter ist dieser höher.

PING

Die Mutter wendet den Kopf, kurz nur, kontrolliert jedoch gleich wieder ihre Karten.

PING

Zweimal hintereinander? Grund genug, die Karte mit dem Deckblatt nach oben auf den Tisch zu legen. Sie kramt im Leinenrucksack neben ihr. Ein Duft von Wurst und Käse zieht zu den mitreisenden Nachbarn.

Sie hangelt ein rosa Smartphone heraus, tippt auf das Display.

„Nina“, erklärt sie ihrem Kind und liest:

Liebeskummer!

Er versteht mich nicht.

Das Kind scheint sie nicht gehört zu haben:

„7,2 Sekunden Beschleunigung“, sagt es und stupst die Mutter mit ihren Zehen.

„Warte mal, ich muss antworten.“

Die beiden Daumen rasen übers Display:

Warum verstehen, sollte er dich nicht bloß lieben?

Schließlich legt sie das Smartphone auf den geöffneten Rucksack, aber so, dass sie es im Blick behalten kann. Leicht streicht sie über die Zehen des Kindes und wendet sich wieder den Karten zu; wiegt den Kopf.

„Hmm, hast du meine Karte angeschaut?“, fragt sie misstrauisch.

„Natürlich nicht! Mach schon, Mama!“

„4,6 Sek…“

PING

Ich will doch nur…

Die Mutter schielt verstohlen zum Handy hinüber.

„Was ist jetzt wieder?“ stöhnt das Mädchen. „Mama!“

PING

…, dass er mich so liebt, wie ich ihn

„4, 6 Sekunden“, beendet die Mutter ihren Satz. Irgendwie lustlos. Sie schielt zum Smartphone. Abwesend reicht sie dem Kind die Karte, während sie das Gerät mit der anderen Hand hochhebt. Sie tippt:

😮

Wenn eine zu viel ist

„423 PS…“ – Stille – „Mama!“

Ungeduldig klopfen Zehen auf die Oberschenkel der Mutter, bis schließlich die Fußsohlen treten.

„Bin ja eh schon da!“

Die Mutter reißt ihre Augen vom Display los.

„Lass mich nachsehen…“, sagt sie, „ja, 226 PS!“

Die Tochter nimmt die Karte wieder entgegen, legt sie zur anderen und überlegt gerade, welche Eigenschaft sie nehmen soll…

PING

Das Kind verdreht die Augen.

Hey, nimm mich ernst, bitte. Ich bin ein Desaster!!!!!!

„Weißt du was?“, entscheidet die Mutter. „Wir machen Schluß. Sagen wir, du hast gewonnen! Dein Stapel ist sowieso höher.“

Entschlossen schiebt sie den Kartenstapel vom Tisch unter denjenigen in ihrer Hand und stopft alles in die Plastikschachtel des Quartetts.

„Och“, murmelt das Kind noch – ungehört.

Was ist passiert?

Er trifft seine Kumpels.

Ja und? – Oh, ich verstehe. Er hat ein Leben.

Aber eines ohne mich!!!!

Langsam zieht das Mädchen die türkis besockten Füße zurück. Es setzt sich gerade.

Ein leichter Geruch von Zimt und Vanille weht zur gegenüberliegenden Seite, von Omas Keksen von heute morgen. Die Mutter merkt nichts, ist vertieft in ihr Gespräch.

Als der Zug endlich doch noch anfährt, fischt das Kind sein Smartphone aus der Hosentasche.  Lustlos sucht es ein anderes Spiel.

Apps gibt es ja genug.

Tipp für den 5. Dezember

adventAm  heutigen Feierabend – bei Kerzenlicht, mit Glühwein und Keksen:

Vergiß dein Handy einfach! Irgendwo…

Stell es aber vorher noch stumm! 😉

Auch andere Geräte kommen heute am besten nicht mehr zum Einsatz.

  • Wer Kinder und/oder Freunde zu Besuch hat , könnte die Lücke mit einem Tischspiel füllen. Vielleicht packt ihr sogar das Lieblingsspiel aus! Wann hast du das letzte Mal Mensch-ärgere-dich-nicht gespielt – Halma oder Mühle?
  • Du sitzt heute allein auf dem Sofa? Macht nix, nimm Stift und Papier und zeichne, wem du aller was schenken möchtest. Musik hören ist erlaubt, ohne Kopfhörer!

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Matchmaking vs Online Dating
Leo Nerdette

Matchmaking vs Online Dating: So sieht’s jemand vom Fach

Online Dating ist IN: Tinder zum Beispiel, die Wisch&Weg-App für Dating-Begeisterte zwischen 18 und 35 Jahren, aber auch Singlebörsen wie friendscout, zoosk, neu.de – und wie sie nicht alle heißen. Vielen Partnersuchenden bleibtjedoch eine Frage: Was führt eher zum Ziel? Matchmaking – Heiratsvermittlung also – oder Online Dating ? Ein Interview  mit der berühmtesten Heiratsvermittlerin der amerikanischen Literatur:

  • Online Dating vs Matchmaking?
  • Was ist die wichtigste Zutat beim Online Dating?
  • Wie man ein gutes Profil gestaltet?
  • Warum Matchmaker – sprich Heiratsvermittler – Online-Dating lieben?

„Großartig, ich lerne so viele Männer kennen wie nie“, schwärmt die Freundin. Schnell, unkompliziert und – vielleicht wird sogar etwas Dauerhaftes d’raus, hofft sie. „Online Dating? Hast du das denn tatsächlich not?“, fragt die Schwester skeptisch. Die Mutter verdreht die Augen: „Männer übers Internet treffen – bist du wahnsinnig? Da ziehst du ja alle Spinner an.“

Soll ich jetzt oder soll ich nicht? Ist Matchmaking besser als Online Dating?

Selbstversuche von Journalistinnen helfen auch nicht weiter: Sie sind nach einer, maximal zwei Wochen beendet; die Schreiberlinge skizzieren mit wenigen Strichen entweder ein euphorisches oder aber ein düsteres Bild, und verlassen die Szene wieder. In&Out – eine Art Blitzkriegtaktik. Deshalb geben Online-Dating-Artikel denjenigen, die sich ernsthaft um einen neuen Partner bemühen,  wenig hilfreiche Tipps. Womit die Suchenden tatsächlich konfrontiert sind, bleibt in der Regel im Dunkeln.

Wie ist es nun? Matchmaking oder doch lieber Online-Dating?

Um ernsthaft Suchenden eine professioneMatchmaking Koryphäelle Einschätzung mitzugeben, braucht es eine Expertin. Eine Frau, die im kleinen Finger mehr Erfahrung hat, als wir in unserem Leben je sammeln könnten. Darf ich vorstellen:

Dolly. Dolly Gallagher Levi – Heiratsvermittlerin, Krampfadern-Redukteurin, Strumpfwaren-Verkäuferin, Gitarren- und Mandolinenlehrerin… ja Dolly ist weltberühmt; sie hat den New Yorker Geschäftsmann, Horace Vandergelder, dazu gebracht, die einzig Richtige zu heiraten und nebenbei noch drei weitere, glückliche Literatur-Ehen gestiftet.

Schön, dass Ihr Agent Thornton Wilder dieses Gespräch doch noch ermöglichte. Sie sind eine umtriebige Person, wie ich erfahren durfte. Herzlich willkommen Frau Levi!

Vielen Dank, Kindchen! Ich freue mich, hier zu sein.

Frau Levi, was denken Sie, wie hilfreich wäre Tinder für den Selfmade-Mann Horace Vandergelder bei seiner Frauensuche gewesen?

(Dolly schaut verdutzt, lacht laut auf, verschluckt sich, lacht weiter und kramt schließlich in ihrem Handtäschchen. Sie tupft sich mit einem Taschentuch die Tränen von den Wangen) Der Witz… der ist… also der ist wirklich gelungen. Horace und… Tinder…

Voraussetzung: Kenne dich selbst

Eigentlich war das jetzt kein Witz. Glauben Sie denn nicht, dass gerade eine Online-Dating-App für die Vielbeschäftigten und Erfolgreichen ideal ist?

(Dolly setzt sich aufrecht, immer noch lachend) Na, wenn Sie das tatsächlich ernst meinen, Kindchen, dann muss ich Ihnen wohl die Frage Punkt für Punkt beantworten.

horace

  1. Horace Vandergelder mag ein guter Kaufmann sein, aber wenn’s um eher romantische Gefühlsdinge geht, ist er… hmm wie sage ich es… tja da ist er etwas unbeholfen… Gefühle überfordern ihn, ja sie überfordern ihn sehr. Er kennt seine kaum und die anderer achtet er gering. Da braucht es schon ein zartes Händchen und nicht eine mit menschlichen Gefühlen unvertraute App, um ihn zu einer Heirat zu kriegen.
  2. Außerdem ist er eitel und hält sich grundsätzlich für den wichtigsten Menschen auf Erden. Er würde ein Foto einstellen, das ihn pompös, altväterlich und antiquiert erscheinen ließe. Einfach deshalb, weil er genau diese drei Eigenschaften als jene ansieht, die ihn unwiderstehlich machen. Der Mann wollte sich die Haare färben, um mit jüngeren Männern mithalten zu können! Gleichzeitig posiert er in Verbandsuniformen! Der ist zu allem fähig, sag ich Ihnen. Da darf man sich keinen Illusionen hingeben. Horace dürfte man auf gar keinen Fall ohne Aufsicht auf die Damenwelt loslassen!
  3. Überraschung beim Online DatingDas schiere Angebot an Mädchengesichtern würde ihn heillos verwirren. Er hatte schon mit nur einem Angebot von drei Frauen seine liebe Not. Was meinen Sie, wie er auf hunderte Fotos reagieren würde? Die Qual der Wahl ist ja eine der größten Herausforderungen online.

Nein, nein – Horace ist für Tinder nichts,  vielleicht für eine Singlebörse wie friendscout oder zoosk. Aber selbst bei diesen beiden sehe ich nahezu unüberwindliche Probleme.

Online-Dating ist höchstens ein Hilfsmittel

Halten Sie demnach nichts von Online Dating? Ist es in Ihren Augen vergebliche Liebesmüh?

Aber ganz und gar nicht. Denken Sie nur an den indischen Mythos von Shiva und Parvati, dem göttlichen Ehepaar schlechthin. Die beiden brauchten am Anfang auch Gott Karma und dessen Pfeil, um überhaupt zusammen zu kommen. Völlig wurscht, wie meine österreichische Mutter sagen würde, ob Inserate, eine Heiratsvermittlerin oder ein Freund – viele brauchen Hilfe, wenn’s um so etwas Essentielles geht, wie eine lebenslange Partnerschaft.

Online-Dating ist ein Hilfsmittel, eine Initialzündung. Doch beim Wichtigsten lässt die App dann allein. Sie ist wie Gott Karma, der als Asche verweht, bevor die Werbephase des göttlichen Paares beginnen kann. Ich dagegen begleite den gesamten Prozess. Das ist Matchmaking in Reinkultur, das hilft beim Wichtigsten.

Was ist denn das Wichtigste?

Die Wahl, Kindchen, die Wahl! Die Entscheidung, welcher der oder welche die Richtige ist. Das sollte wir niemals aus den Augen verlieren.

Singlebörsen, Partnervermittlungen oder Casual-Dating: Wo finde ich ihn denn, den Richtigen?

Tja, das hängt davon ab, was Sie wollen und wer Sie tatsächlich sind. Dann kommt noch dazu, wie Andere Sie wahrnehmen sollen. Das ist eine der großen Schwierigkeiten beim Online-Dating: Selbst- und Fremdwahrnehmung – zwei Perspektiven, die Sie im Auge haben müssen. Nehmen Sie Mrs Molloy – Sie würde sich eindeutig in Tinder stürzen, zumindest eine zeitlang. Sie denkt, sie will Abenteuer, Erfahrungen sammeln, das Drama – nicht den sicheren Hafen der fixen Beziehung.

Und so wird sie versuchen, sich verrucht zu präsentieren. Ob sie das schafft, wage ich zu bezweifeln. Dafür ist sie schon zu lange in ihrem Hutladen eingesperrt. Die Abenteurer, die sie sucht, werden sie vermutlich ignorieren, weil die sich nämlich nach einem ruhigen Hafen sehnen. Die haben meistens schon genug Abenteuer hinter sich. Die Möchtegern-Abenteurer, die selbst die Sehnsucht nach einem aufregenden Leben in sich tragen, zieht sie bei Tinder dagegen an. Aber da muss sie durch; Online Dating ist halt auch ein ständiges Lernen.

Profil: Wer ich bin und wen ich will

Woran erkenne ich denn ein gutes Profil, eines mit Potential?

An der Ehrlichkeit. Das heißt jetzt nicht, dass Sie rückhaltlos ein ganzes Leben drin unterbringen sollen. Nein. Aber ein gutes Profil zeigt, wer Sie sind – Ihre Persönlichkeit. Wie Sie sich sehen. Was Sie mögen. Ein oder zwei liebenswerte Macken. Manche Portale fragen danach, da können Sie sich leiten lassen.

Dann aber berücksichtigt ein gutes Profil, wen Sie ansprechen wollen. Sind Sie eine gute Köchin, wollen aber lieber bekocht werden? Ziemlich unsinnig, hineinzuschreiben, dass Sie gut kochen können. So locken Sie genau diejenigen an, die bekocht werden wollen.

Horace zum Beispiel wollte eine bescheidene Haushälterin… gut… er hat sie auch von mir nicht bekommen (Dolly hüstelt grinsend)… aber auf das Popanz-Profil, mit dem er sich sicherlich präsentiert hätte, wäre ihm vermutlich auch keine bescheidene Haushälterin reingefallen. Die Frage beim Profil-Erstellen ist also nicht nur, wer Sie sind. Sie müssen sich auch fragen, wen Sie wollen und wie das Profil auf so eine Person wirkt. Fragen Sie sich: Werde ich meiner Zielgruppe gerecht?

Besonders schwierig ist es, mich selbst anzupreisen.

Ja tatsächlich, mit diesem Aspekt kämpfen vor allem Frauen. Es ist immer noch gesellschaftlich verpönt zu sagen, für wie gut man sich selbst hält oder welche großen Leistungen man vollbracht hat… Ich verstehe nicht, dass sich in all den Jahren noch nicht mehr getan hat.

Männer kennen da erfahrungsgemäß weniger Skrupel – naja… es kommt trotzdem meistens ziemlich eitel rüber. Ich selbst bin da direkt – beim Matchmaking preise ich ja jemanden anderen an, unterstreiche die Vorzüge und rede die Schwächen klein.

Im Profil sollte Eigenlob subtiler sein, versteckter. Das braucht Fingerspitzengefühl – und gerade das hat nicht jeder. (lacht in der Erinnerung versunken) Nein wirklich nicht!

Was sind beim Profil so richtige Don’ts?

Hmm, lassen Sie mich nachdenken… also, was für beide Geschlechter gilt, was  gar nicht geht:

  • Fotos mit Sonnenbrillen: Die Augen sind wichtig. Zumindest ein Foto sollte sie zeigen.
  • Gefälschte Fotos
  • Fotos, auf denen man die Person kaum erkennen kann
  • Nackte Oberkörper (Männer), tiefe Ausschnitte (Frauen) und andere exotische Einblicke, außer man ist bloß auf ein Abenteuer aus. Auf diese Weise macht man sofort klar, dass da nichts Tiefergehendes gewünscht ist.
  • Fotos im Bad- oder Schlafzimmer (ditto)
  • Mit materiellen Gütern protzen, außer man will eine Beziehung, die auf Materiellem aufbaut.
  • Beziehungsmüll. Der sollte ja schon längst vergessen sein! Besonders beliebt: Eine Liste von schlechten Eigenschaften, die man nicht duldet (Expartner)
  • Detaillierte Beschreibungen, wer einen überhaupt anschreiben darf. Das finde ich oft bei Profilen von gefragten Männern, aber ich habe auch ein paar Kundinnen, die denken, diese Direktheit kommt gut an.
  • Allgemeine Zurechtweisungen.
  • Ein Motto das zeigt, wie sehr man mit dem Leben hadert
  • und alles, was „Zuviel“ ist: zu viel Sport, zu viel Häuslichkeit, zu viel Erotik… Das erzählt vor allem eines: Wie unsicher man ist.

Im Grunde ist es einfach: Versetzen Sie sich beim Erstellen hin und wieder einmal in die Lage Ihres Wunschpartners. Würde der/die sich angesprochen fühlen, wenn sie/er das Profil mit anderen Augen betrachten?

Online Dating: Wer es wirklich liebt…

Geeinsam Matchmaking und Online DatingJetzt haben Sie mich neugierig gemacht: Warum haben Sie sich dem etwas verrufenen Beruf der Partnervermittlung zugewandt? Sie hätten doch auch Psychologie unterrichten können.

Ach, Sie schmeicheln mir… (zwinkert kokett) Psychologie ist nichts für mich, ist mir zu ernst. Sehen Sie, so wie es ist, ist mir das Leben nie interessant genug! Ich bin Künstlerin, ich unternehme etwas, verändere, gestalte… habe hier die Finger im Spiel und da die Finger im Spiel – ich liebe das, denn es ist äußerst amüsant.

Aber Online-Dating Portale machen Sie doch bald arbeitslos!

Das glauben Sie?

Ich bin doch selbst in all den Portalen, suche mir da meine neuen Klienten. Verzweifelte, die herausgefunden haben, was Online Dating tatsächlich bedeutet: Einen ungeheuren Zeitaufwand!

Niemand hat den Frauen vorher erzählt, dass sie anfangs mit bis zu hundert Mails konfrontiert sind, bei denen sie oft nicht wissen, was sie antworten sollen. Dass sie unzählige Profile durcharbeiten müssen, um geeignete Kandidaten zu finden. Außerdem bleibt noch die Frage, wie eine Frau einen Favoriten anspricht, der ja noch gar nicht weiß, dass er ihr gefällt. Und wenn er es weiß: Vielleicht ist er zu schüchtern auf sie zuzugehen.

Oder Männer: Sie haben keine Ahnung, wie sie eine Kandidatin ansprechen sollen. Ihre „Hallo schöne Frau“- oder „Na du“-Versuche beziehungsweise „Hi, liebst du Schmusebären“-Mails sind bereits mehrfach gescheitert. Ganz zu schweigen davon, dass nach der ersten Kontaktaufnahme weiterhin eine soziale und emotionale Kompetenz gefragt ist, die nicht jedem gegeben ist.

Ja, da gibt es jede Menge Arbeit für mich und sie wird täglich mehr! Nichts hat sich geändert. Ich mache das, was ich bisher auch schon gemacht habe: Den Leuten zu erklären, dass das Leben geschieht, während wir andere Pläne machen. Und sie ganz nebenbei liebevoll zum richtigen Partner zu schubsen.

Frau Levi, vielen Dank für das offene Gespräch!

Oh, Kindchen, es war mir ein Vergnügen!

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Falschmeldungen erkennen
Leo Nerdette

Wie erkennst du Falschmeldungen?

Sie geistern als Fakenews durch die mediale Welt: Falschmeldungen. Angeblich sind sie besonders häufig in den digitalen Medien anzutreffen – vor allem in den sozialen Netzen. Eine solche Falschmeldung heißt seit Beginn des Internets Hoax.

Sie muss nicht einmal mit einer Absicht dahinter im Netz gelandet sein. Es reicht, dass irgendjemand etwas behauptet, von dem er überzeugt ist, aber sich nicht die Mühe macht, es mit Fakten zu belegen. Weil Falschmeldungen auch eifrig geteilt werden, also schon mal „viral“ gehen, überzeugen sie andere.

Warum sind Fakenews in aller Munde?

Donald Trump bezeichnet grundsätzlich alles als Falschmeldung, was ihm jetzt medial nicht so in den Kram passt. Er beendet gern seine Twitter-Kommentare mit „Fakenews“. In USA werfen sich zurzeit die Medien und Trump gegenseitig vor, Lügner zu sein.

Eine ähnliche Taktik schwappt über manche Politiker auch nach Deutschland. Und die Medien versuchen sich dagegen zu wehren.

Bleibt die Tatsache: Falschmeldungen kommen immer wieder vor. Wir erkennen sie aber oft nicht.

Daher sollten wir uns in den sozialen Netzen den folgenden Fragen stellen:

  • Woran sehen wir Normalsterbliche, dass der Post von einem Freund ein Hoax ist?
  • An welchen Kriterien erkennen wir, ob in dem Post auch die Fakten stimmen?
  • Wann sollten wir einen Post melden, auch wenn ein Freund ihn geteilt hat?

Ein Verein kämpft gegen Falschmeldungen

Falschmeldungen entlarven, verdrehte Inhalte klarstellen, auf Nutzerprobleme reagieren – das ist mittlerweile eine Leben füllende Tätigkeit: Ein Verein mit Sitz in Wien hilft, Falsches von Fakten unterscheiden zu lernen. Die private Initiative mimikama beschäftigt  zwei hauptberufliche Fake-Aufklärer und 17 Ehrenamtliche in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. 100 bis 120 Falschmeldungen bearbeiten sie täglich.

Sie wissen daher ganz genau, wie wir Fakenews erkennen können: Hier sind ihre Tipps!

Wenn du trotzdem unsicher bist, ob du den einen Post weiterleiten sollst:

Das gelungenste Werkzeug des Vereins ist Hoaxsearch, die Suchmaschine für Fakes im Internet.

Mit ihr sollten wir viral gehen!

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5 Tage Challenge
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5 Tage Challenge: Was hab‘ ich nu gelernt?

Jetzt ist es soweit: Die Fünf Tage Challenge ist vorbei.

Die Challenge in der 28 Days of Blogging Herausforderung, bei der ich das Internet als gesammelten Wissensschatz nutzen wollte. Tatsächlich ist sie leider schon zu Ende. Und ich habe nur ganz feine Kratzer auf der Oberfläche hinterlassen.

Dabei wollte ich viel tiefer bohren!

Jetzt aber der Reihe nach…

  • Habe ich jeden Tag etwas Neues im Internet gelernt?
  • War ich mit meiner Aufgabenstellung zufrieden?
  • Wie lange habe ich dafür täglich gebraucht?

Ja. Nein. 15 bis 20 Minuten.

Mit der Aufgabenstellung war ich unzufrieden, weil… (Tiefer Atemzug)

Es hätte noch so viel anderes gegeben! Ich hätte anderen Pfaden folgen können, wäre ganz woanders gelandet. Eine Viertelstunde sich treiben lassen – das wäre großartig gewesen! Die klare Aufgabenstellung hat mich viel zu sehr eingeschränkt. Punkt. Was hätte ich nicht alles entdecken können, wenn ich mich gelassen hätte!

Schon nickt die hauseigene Redaktion streng: Genau das, meine Liebe, genau das wollten wir mit der Aufgabenstellung verhindern! Dass du ohne Sinn und Verstand herumsurfst!

:p

Was hast du denn jetzt für deine Leser?

Ergebnis der 5 Tage Challenge

1. Tag: Eine neue Autorin finden

Gefunden habe ich Zadie Smith. Sie ist herrlich frech, witzig und eine unglaubliche Denkerin mit Einfühlungsvermögen. Außerdem mag ich die Mischung, die sie mitbringt – sie scheint eine wandelnde, interkulturelle Erfahrung zu sein. Meine Bücherliste habe ich gleich einmal verlängert.

2. Tag: Info zu einer Stadt, die ich immer schon besuchen wollte

Das war die Recherche, die ursprünglich am wenigsten Zeit beanspruchte, weil ich ja wusste, welche Stadt ich suchte. Aber mit Wikipedia wollte ich mich dann doch nicht begnügen. Das wäre zu leicht gewesen. Die Stadt, von der ich Genaueres lernen wollte, war Varanasi auch Benares oder Kashi. Näher informiert habe ich mich über die Ghats – die Treppen am Ufer des Ganges.

3. Tag: Ein Kunstwerk, das mir immer schon gefallen hat

Ein bisschen Freiheit habe ich mir bei der Interpretation der Aufgabenstellung dann doch gegönnt! Das Kunstwerk gehört der Paracas Kultur an. Was mich daran besonders interessiert? Die Paracas Kultur steckte alle kreative Energie in die aufwändigsten, farbenprächtigsten Textilien. Die Begräbnisgewänder waren mit bedeutungsschwangeren Stickereien verziert. Die gesamte Gesellschaft war an der Herstellung der bis zu 26m langen Tücher beteiligt. Von dieser Kultur ist außer den Textilien wenig erhalten geblieben. Mary Frame aus Kanada ist DIE Expertin dieser Textilien und dank Google Books bin ich jetzt um einiges schlauer.

4. Tag: Näheres über einen Alltagsgegenstand

Dafür habe ich am längsten gebraucht. Die Schwierigkeit daran war, dass mir kein Alltagsgegenstand einfiel, nach dem ich zu recherchieren Lust hätte. Bis ich wieder auf „Archeologisches“ verfiel.

Was kann es für eine Globetrotterin Anderes sein als das Rad?

Eine der ältesten Erfindungen der Welt, die 4000 v. Chr. aufkam. Besonders fasziniert hat mich das Dharma-Rad, das „Rad der Lehre“ – es repräsentiert die buddhistische Lehre. Ein Klick nur und ich war in einem philosophisch-theologischem Thema. Ausgangspunkt: ein Alltagsgegenstand.

5. Tag: Eine Idee, die mir schon länger im Kopf herumspukt

Die Idee, tja, diese ganz spezielle Idee blitzte wieder aus dem Halbvergessen auf, weil ich über einen Artikel im Wired Magazin – natürlich online – gestolpert bin: Lässt sich der perfekte Mensch bald ausdrucken? Um es kurz zu machen: Nein, auch 3D-Drucker stoßen an ihre Grenzen – und wenn es nur ökonomische sind! Wieder was gelernt.

Doch die eigentliche Idee poppte schon beim Lesen des Titels auf:

Was, fragte ich mich, steckt hinter der Sucht, „perfekte“ Menschen schaffen zu wollen? Sei es nun Frankenstein, ein Roboter, gedrucktes Papier, Klone oder Kinder.

Was daraufhin hätte folgen müssen: eine gründliche Internetrecherche.

Fertig wäre ich damit heute aber nicht mehr geworden!

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Im Internet gelernt
Leo Nerdette

Internet: Schon etwas Neues gelernt?

Das Internet hat durchaus seine Daseinsberechtigung. Darauf muss ich jetzt einmal hinweisen!  Auch wenn ihr zum Himmel blickt – „Na klar , was denn sonst,“ denkt und „Erzähl uns etwas Neues,“ sagt.

Da draußen gibt es Leute, die das Internet für eine Zeitfressmaschine halten. Vielleicht ganz praktisch zum Online-Shoppen, zum Ticket kaufen, Reise buchen, im Kontakt mit Familienmitgliedern und Freunden bleiben oder sich durch den Tratsch und Klatsch über Prominente klicken.

Bei all diesen Tätigkeiten frisst das Internet Aufmerksamkeit, genauso wie das gute, alte Fernsehen.

Diese Leute ärgert dieser Gebrauch des Internets, sie sprechen von Sucht, Aufmerksamkeitsdefizit und Erfahrungsarmut.

Zeitfressmaschine Internet

Stimmt das aber mit der Zeitverschwendung? Zahlen helfen manchmal, deutlicher zu sehen: Im Durchschnitt verbringen die Deutschen täglich zwei Stunden und acht Minuten im Netz – 20 Minuten mehr als noch 2015.

Unter 30-Jährige bringen es auf fast doppelt so viel Internetzeit: Sie surfen täglich etwas mehr als vier Stunden. 4 mal 7 = 28 Stunden also. Diese Zahlen stammen von der ARD/ZDF Online Studie. Die Postbank hat ebenfalls untersucht, wie lange Deutsche im Internet sind. Sie kommt auf 40 Stunden pro Woche – und das bereits 2015.

Gehen wir trotzdem von 28 Stunden pro Woche aus. Was machen wir in den 28 Stunden im Internet?
Infografik: Das machen die Deutschen im Netz | Statista

Netzwerken und Online-Shoppen wie es scheint, ein bisschen Streamen und Spielen, dazwischen noch schnell Finanzielles regeln oder telefonieren.

Oberflächlich betrachtet hat der Urvater des Internets, Tim Berners-Lee, durchaus erreicht, was er wollte:  Die Mehrheit nutzt soziale Netze.

Doch eigentlich wollte er nicht nur Personen miteinander verbinden, sondern vor allem den Informationsaustausch erleichtern.

Er wollte, dass die Wissenschafter mithilfe des Internets schneller voneinander lernen. Er wollte Forscher zusammenbringen, die an ähnlichen Themen arbeiteten. Er wollte, Lernen erleichtern. Die Idee ist nach wie vor großartig. Die Gelegenheit haben wir dank Internet sogar noch immer. Die Frage ist, ob wir sie wahrnehmen.

Jeden Tag etwas Neues

Die Herausforderung für uns: Entdecke jeden Tag etwas Neues – allerdings etwas, das Bedeutung für dich hat!

Das heißt nicht, dass wir die  zwei bis vier Stunden ununterbrochen nach etwas Bahnbrechenden suchen sollen. Nur einen Teil davon sollten wir dafür verwenden, über etwas nachzuforschen, das uns immer schon interessiert und nichts mit unserer Arbeit zu tun hat.

Damit es mir leichter fällt, habe ich für die nächsten 5 Tage ein Programm aufgestellt:

  1. Entdecke einen neuen Autor, Blogger oder Dichter.
  2. Lerne etwas über eine Stadt, die du schon immer besuchen wolltest.
  3. Lese etwas über ein Kunstwerk, das dir immer schon besonders gefallen hat.
  4. Erkundige dich über einen Alltagsgegenstand (Woher kommen die Löcher im Käse z. B.).
  5. Erforsche eine Idee, die schon länger in deinem Kopf herumspukt.

Da ich aber nicht bloß Herumsurfen will, habe ich noch zwei action item, wie es so schön Neudeutsch heißt hinzugefügt – zwei zusätzliche Aufgabe also:

  • Im Notizbuch die Fakten notieren!
  • Im Blog verarbeiten.

Wenn du bei dieser Internet Challenge mitmachen willst, melde dich unter redaktion@nebiga.net

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Blogs über Ernährung
Leo Nerdette

Ernährung: 3 Blogs zum Schmöckern

Ernährung ist ein weites Feld – ein sehr weites. Wenn ich meine Kochbuchphase habe – d. h. auf meinem Sofa kuschle, die Katze zu meinen Füßen, ein Kochbuch nach dem anderen durchblättere, die Gerichte bestaune und überlege, ob sich der Aufwand lohnt – die Phase gibt sich wieder… aber wenn ich sie habe, merke ich gar nicht, was gerade IN ist. Ernährungstechnisch meine ich.

Kochbücher kaufe ich nach meinen Vorlieben. Mich entspannt Kochen. Es ist ein Freizeitvergnügen. Und weil ich nicht viel Freizeit habe, bleibt es auch eines, ein Vergnügen, meine ich. Über die richtige, die einzig wahre Ernährung mache ich mir eher weniger Gedanken. Selbstgemacht, frisch und gut – das sind so meine Kriterien. Vegan, Low Carb, Trennkost, Fleischdiät, Clean Eating, welche Lebensmittel welche Krankheiten auslösen… davon handeln meine Kochbücher nicht.

Recherche: Zur richtigen Ernährung

Heute habe ich mich einmal völlig anders mit Ernährung auseinander gesetzt: Ich habe mir Blogs vorgenommen, die sich ausschließlich mit Ernährung und Essen beschäftigen. Mit der „richtigen“ Ernährung um genau zu sein. Diätblogs, Ernährungsberatungsblogs, Rezeptblogs für gesundes, kalorienarmes Essen. Der Grund? Ich musste mich schlau machen – sonst klappt das nicht mit meinem Artikel.

Das Resultat: Ich habe drei Blogs gefunden, die ich gut finde:

1. Quark und so

Hier bloggt Johanna Bayer, Wissenschaftsjournalistin und Buchautorin. Sie liebt Essen, Ernährung und Esskultur – und weil sie das alles so liebt, ärgert sie sich, wenn die Medien Unsinn verzapfen. Ihr Motto: Sie will aufdecken, was Medien ernährungstechnisch so anrichten. Dabei hinterfragt sie, zeigt Fehler auf – und weil sie eine erfahrene Wissenschaftsjournalistin ist – belegt sie ihre Thesen. Das gefällt 25.000 bis 35.000 Besuchern monatlich.

2. Heavenlynn Healthy

ist ein typischer „Gesunde Ernährung“ Blog mit einer Rezept-Rubrik. Die Rezepte wirken frisch und gut, die Gerichte sind mit verlockenden Fotos präsentiert.  Was nach an die – gefühlt – 100 Blogs toll war: Lynn erspart einem Dogmatismus. Sie ernährt sich wegen ihres sehr hohen Blutdrucks hauptsächlich pflanzlich, aber eben nicht ausschließlich. Fleisch und Milchprodukte kommen auch vor. Ihr Blog verströmt eine Leichtigkeit. Das gefällt mir. Trotzdem: Honig isst sie wegen der antibakteriellen Wirkung. Hmm… Ich esse Honig, weil er mir schmeckt.

3. Esspirationen

Diät- und Abnehmblogs gibt es zuhauf. Manche machen Mut, zeigen wie die Kilos purzeln – oder auch nicht, bieten Diätpläne, begleiten Abnehmwillige mit Coachprogrammen… bei allen bin ich skeptisch: Auch wenn im Blog behauptet wird, abnehmen solle Spaß machen. Irgendwie kommt die Moralkeule dann doch wieder. Die Ernährungsberaterin und Foodbloggerin Tina Hildebrandt macht es anders: Sie verlockt mit Rezepten und Kochkursen… Genussmomenten und Glücksnahrung.

Warum ich gerade diese drei Blogs zur Ernährung so erfrischend finde? Sie vermitteln, was ich mit Kochen verbinde:

Die Freude am gutem Essen.

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Globetrotters Sehnsucht nach Hause

Ein Fest für einen Freund.

A Moment Before You’ll Find Friends

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Wassermangel
Leo Nerdette

Hab‘ da mal ’ne Frage! Wassermangel?

Spektakulär, wie die  schwarzen Plastikbälle dem Wassermangel Kaliforniens den Kampf ansagen. Massenweise kullern sie in die Trinkwasserspeicher… 96 Millionen Schattenbälle (shade balls) haben zum Beispiel die Aufgabe, die Einwohner von Los Angeles vor der chronischen Dürre im Land zu schützen.

Seit zehn Jahren setzen die Energieversorger die hohlen Kugeln ein. Bilder davon gehen schon mal um die Welt… Medien schreiben, drehen Videos über den spektakulären Wasserschutz.

Hand in Hand geht die Frage nach Kaliforniens Wassermangel. Jedes Jahr brennen ganze Wälder ab. Nachrichten von der Windrichtung, der Evakuierung von Familien und Löschhubschraubern sind üblich.

Was ist die Ursache von Kaliforniens Wassermangel?

Schuld, sagen die Medien, ist die Landwirtschaft! In Kalifornien werden Avocados, Mandeln, Walnüsse und Pistazien angebaut. Gerade Avocados und Mandeln gelten als die Schuldigen, weil sie besonders viel Wasser verbrauchen.

Trinkwasser ist eigentlich ein kostbares Gut – besonders in Kalifornien; jedoch auch in der gesamten Grenzregion zwischen USA und Mexiko dörrt das Land aus; sind von den Flüssen mittlerweile nur noch Rinnsale übrig.

Der Wassermangel resultiert daraus, dass man Trinkwasser eben nicht als wertvoll behandelt: Die Bauern – sie besitzen schon einmal 120 Hektar Mandelbäume – sehen es seit Jahren als ihre wichtigste Aufgabe, Wasser ranzuschaffen; Brunnen zu bohren, die so tief sind, dass sie an genügend Grundwasser kommen, um das Überleben der Bäume zu gewährleisten. Seit 150 Jahren zapfen sie Grundwasser ab –  mittlerweile haben sie schätzungsweise 160 Kubikkilometer versprengt, gut dreimal das Volumen des Bodensees.

Von Politik propagierte Maßnahmen

Die medienwirksamen Schattenbälle sollen diesem Raubbau und dem mittlerweile augenfälligen Wassermangel etwas entgegensetzen. Sie spenden Schatten, verhindern das Verdunsten der Wasservorräte und halten das gespeicherte Nass sauber.

Die schwarzen Wunderdinger können „unerwünschte chemische Reaktionen“ eindämmen, indem sie Sonnenstrahlen an sich abprallen lassen. Trinkwasser, das der Sonne  ausgesetzt ist, wird brackig. Das gilt es zu verhindern.

Kaliforniens Wasservorräte müssen lange halten: Es regnet in den Wintern wenig.

Eine andere politische Maßnahme ist es, Mexiko mehr Wasser abzukaufen. Zwar hat das Land ähnliche Probleme mit der Trockenheit wie die USA, aber der reiche Nachbar erhält es von der korrupten mexikanischen Regierung eher als die eigenen Leute.

Wasser ist durch die Globalisierung schon längst zu Handelsgut geworden. Wer kann sich leisten, Wasser zu verschwenden? Mexikaner nicht. Sie kaufen ihr Trinkwasser in garafones. Wasser ist kein Allgemeingut mehr. Es ist heute Ware, wie alles andere auch.

Wovon allerdings kaum jemand spricht: Silikon Valley

Ist von Wassermangel die Rede, spricht allerdings niemand gern von Rechenzentren. Silikon Valley liegt in Kalifornien.

Wenn Computer laufen, laufen sie heiß.

Ein Rechenzentrum ist ein ganzes Feld voller Computer, übereinander und hintereinander gereiht: 30 000, 70 000, 100 000 – die Zahlen purzeln nur so. In Kalifornien stehen an die 800 Rechenzentren. Wie viele Server sind da wohl zurzeit in Betrieb? Eingedenk des Gesetzes von Intel-Gründer Gordon Moore geht man heute davon aus, dass sich die Menge von Hardware (Computer) wie auch der zu verarbeitenden Daten alle 18 Monaten verdoppelt. Das alles muss gekühlt werden!

Luft allein genügt da nicht mehr!

Deshalb haben sich 2006 etliche Computer-Plantagen-Besitzer in Sillicon Valley wie Hewlett-Packard, IBM oder Sun Microsystems zusammengetan, um neue Wege zu finden, wie sie ihre kostbaren Geräte temperiert halten. Dabei ist ihnen aufgefallen: Wasser ist wirkungsvoller als Luft. Etwa 462 mal! Eine nicht zu unterschätzende Zahl bei Rechenzentrumskosten von etwa 37 Millionen per Megawatt, das für die Luftkühlung gebraucht wird. Der Bau eines Wasserkühlungssystems schlägt dagegen mit nur 30 Prozent davon zu Buche, rechnete Charles Doughty von Iron Mountain vor.

Einzige Herausforderung war es, die „natürlichen“ Feinde Wasser und Computer zusammenzubringen.

Für Ingenieure keine unlösbare Aufgabe!

Google & Co kühlt mit Wasser

2015 sah es folgendermaßen aus: Kaliforniens Rechenzentren verbrauchen grob geschätzt so viel Wasser wie in 158. 000 Olympia-Schwimmbäder passen. In einem Land, wo Politiker Kellner auffordern, kein Wasser mehr automatisch anzubieten! Wo Wassermangel zum Alltag gehört!

Auch Musterschüler Google kühlt seine Rechenzentren mit Wasser. Der riesige Data-Center-Betreiber verwendet, wie das Unternehmen gerne betont, allerdings nur aufbereitetes Wasser aus verschiedenen Quellen.

Eine Google-Anlage in Douglas County (USA) bereitet Abwasser auf, eine andere in Belgien bezieht ihr Kühlwasser aus einem Industriekanal. Das Unternehmen ist stolz darauf, Wasser zu recyclen. Es zeigt sich zuversichtlich, „für die meisten Fälle seiner Wassernutzung nachhaltige Lösungen finden zu können“.

Das klingt nach einem vorbildlichen Plan.

Ich aber frage einmal:

800 Rechenzentren…

Wie viele der Betreiber sind umweltbewusster als Landwirte?

*Foto: www.latinamericascience.org

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