Hexen
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Die Hexen im Dorf

Niemand wusste, wann es angefangen hatte, aber alle waren sich einig: Die Töchter vom Lauer-Hof hatten kein gutes Wort füreinander. Wie Hexen bespukten sie sich mit Gift und Galle. Das war schon so, als sie Kinder waren, behaupteten die „Tabernakelschwalben“; jene drei Frauen, die jeden Tag nach dem Beten in der Kirche zusammenstanden und schwatzten:

  • Keine Ruh‘ hat sie g’habt, die alte Lauerin. Kaum sind die Mädchen in einer Kammer  zusammen g’wes’n, gab’s Gezeter und Geschrei. Keine mochte mit der anderen bleiben.
  • Nicht ein noch aus hat sie g’wusst. Was hätt‘ sie auch machen sollen?
  • Ich sag‘ euch, die beiden haben sie ins Grab ‚bracht.

Nach dem Tod der Mutter verlangte der Vater von Barbell, der älteren Tochter, dass sie mit ihm die Kammer teilte. Das Mädchen übernahm die Pflichten der Mutter – alle Pflichten:  die ehelichen wie die des Haushalts. Dagegen bekam ihre Schwester, Sunna, die Kammer für sich allein und musste zur Hand gehen: Das Vieh versorgen, sich um den Gemüsegarten und die Bienenstöcke kümmern, nähen, flicken, bei der Ernte helfen und was noch so anfiel auf dem Hof. Auf Anweisung von Barbell natürlich. Frieden kehrt keiner ein.

  • Habt ihr g’seh’n, wie die Sunna den Burschen den Kopf verdreht! Dabei ist sie gar keine  Hübsche.  Wer weiß, wie sie die rumkriegt.
  • Wenn die nicht bald mit einem Bankert heimkommt!
  • Wisst ihr’s nicht? Die Sunna heiratet…

und die Barbell folgte schnell, denn das Glück war ihr hold: Kurz nach der Hochzeit ihrer Schwester erbrach der Vater, siechte dahin und starb. Schon beim Leichenschmaus standen die Werber Schlange. Diejenigen, die etwas an ihrem Aussehen auszusetzen hatten, verlockte der Hof. Die anderen mochten ihre Gestalt, das von der Haube gebändigte Haar und als Draufgabe das Land. Von Barbells Wesen sprach keiner.

  • Ja, ja, ich sag’s euch: Die besten Männer bekommen die biestigsten Frauen
  • Hat ihr aber nix g’nutzt. Gibt keinen Erben im Haus – nur das Entgen.
  • Dafür hat Sunna zwei  – und noch das Clärgen oben drauf.

Die Äpfel fallen nicht weit vom Stamm

In Merchingen ging es anno 1590 zu wie in jedem Dorf: Die Gleichaltrigen fanden sich und spielten gemeinsam. So auch das Entgen und das Clärgen – solange bis

  • Verwünscht hat sie das Kind!
  • Wer?
  • Na, die Barbell das Clärgen. Aufblas’n hat sich der Leib; die Kleine kommt nicht mehr aus dem Bett.
  • Diese Hex‘!
  • Zum Pfarrer geh’n, dem Pfarrer erzähl’n!

Dieser waltete seines Amtes, indem er jede einzelne von Barbells Sündentaten in der Chronik vermerkte: Als die junge Lauerin nämlich einmal keifte, verendete ein Pferd; Sunnas Nachbarin schmerzten die Knochen, als sie diese verfluchte. Kinder starben im Dorf. Auch Sunnas Mann erkrankte nach einem Dorffest, rang mit dem Tode. Zur letzten Ölung klagte er seine Schwägerin als Schuldige an. Retten konnte Barbell diesmal nur noch ihr Mann. Ein angesehener Bürger, ein netter, geselliger Kerl.

  • Wie? Sie kann lächeln? Glaubt sie gar, sie kann uns verzaubern?
  • Wenn’s gar die Sunna sagt – und die muss es ja wissen: Eine Hex‘ ist sie, ein Hex‘!
  • Schnell, schnell, kommt! Der Michel stirbt, aufg’schwollen is‘ er wie das Clärgen. Das dalebt er nicht!

Die Hexen und die gelehrten Herren

 

 

 

Frida Kahlo
Leo Nerdette

Frida Kahlo: Träume? Ich male meine Wirklichkeit

Frida Kahlo sei eine von ihnen, behauptete André Breton, Gründervater der surrealistischen Bewegung in Frankreich. Diese Strömung in der Malerei beschäftigte sich seit 1921 mit Unbewusstem, Fantastischem, Geträumten. Frida, war Breton überzeugt, male Träume. Er lud die mexikanische Malerin ein, mit den Surrealisten gemeinsam in Paris auszustellen.  Seitdem haftet Frida Kahlo das von einem Europäer vergebene Etikett  an: Kaum eine Surrealistinnen-Ausstellung, die sie nicht als Zugpferd benutzt.

Dabei hielt Frida selbst nicht viel von den Pariser Malern. Als sie 1939 nach Paris kam, um tatsächlich auszustellen, hatten die Surrealisten nichts organisiert: Ihre Bilder steckten im Zoll fest; Breton hatte weder eine Galerie aufgetrieben noch sonst eine Aktion gesetzt. Sie schrieb nach Hause:

  • Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie bescheuert die Leute hier sind. Stundenlang sitzen sie im Café, wärmen ihre hübschen Hintern, reden ohne Punkt und Komma über Kultur, Kunst und Revolution und dies und jenes. Tags darauf haben sie nichts zu essen, weil keiner von ihnen arbeitet.

Frida stellte vor allem eines in ihrem Leben unter Beweis: Sie hatte keine Zeit für Träumereien, sie war Realistin – durch und durch.

  • Ich habe nie Träume gemalt, sondern immer nur meine eigene Wirklichkeit.*

Das meinte Frida Kahlo durchaus nicht im übertragenen Sinn. Sie gestaltete eine eigene Welt in ihrem Haus – eine Welt, in der sie leben konnte, wie sie es wollte. Wer La Casa Azul – das blaue Haus – besucht, kann selbst heute noch erkennen, wie Frida ihr Leben in ihre Bilder verwob.

Mexiko-Stadt, Londres 247

  • Elektrizität und Reinheit

schrieb die Malerin mit einem kobaltblauen Stift in ihr Tagebuch

Später fügte sie

  • Liebe

in Braun hinzu.

  • Rot ist Blut? – tja, wer weiß!

Genau nach dieser Farbkombination halte ich Ausschau. Der Taxifahrer weiß nicht, wo es ist – das Haus der Ikone Mexikos, der Frida Kahlo. Es müsse aber, sagt er, in jenem Viertel von Mexikostadt  liegen, dessen Straßennamen europäische Städte bezeichnen. In Coyoacan.

Wir sind jetzt in der Viena, überqueren nach einer längeren Diskussion die Berlin und biegen schließlich in die Londres. Hausnummern sehe ich keine. Trotzdem suche ich weiter nach Nummer 247.

Weit aus dem Fenster gebeugt, sehe ich es schließlich: die Außenwände eines Eckhauses in Kobaltblau. Das Haus selbst wirkt ruhig – so, als liefe das Leben an ihm vorbei, als würde niemand es besuchen wollen. Was mich verblüffte: Fridas Selbstporträts schillerten und leuchteten in allen Farben. Da hätte ihr Haus schon mehr Aufmerksamkeit verdient!

Museo Frida Kahlo

Kaum trete ich durch die Tür, ist alles anders: Um mich herum tummeln Touristen – Neugierige, Verehrer, Souvenirjäger. Sie verirren sich in einem Gewirr tropischer Pflanzen, staunen über das Gezwitscher der Vögel und schlendern durch einen Wald präkolumbianischer Statuetten.

Irgendwo plätschert Wasser.

Wer braucht schon ein ruhiges Heim?

Zu Zeiten Frida Kahlos kreischte noch der Affe in den Bäumen, plapperten Papageien, stolperten die Besucher über die itzcuintlis, die kleinen mexikanischen Hunde der Malerin, über ein Rehkitz oder eine Ziege. Oft spielten Musikanten Gitarre. Kahlo soll gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Muralisten Diego Rivera Gassenhauer gesungen haben.

Frida Kahlo

Frida Kahlo in ihrem Garten.

  • Frida war nicht diese leidende Frau, wie sie jetzt mythologisiert wird. Sie trank, sie rauchte, sie war sehr glücklich und sie liebte Musik

berichtete Guadalupe Rivera Marin.  Ein ganzes Jahr verbrachte sie in jenem Haus, in dem auch der russische Revolutionär, Leo Trotzki, eine zeitlang wohnte. Gäste gab es immer. Schriftsteller wie Pablo Neruda und André Breton, Künstler wie Henry Moore, Fotografen wie Edward Weston und Manuel Alvarez Bravo oder gefeierte Schauspielerinnen wie Maria Felix und Paulette Goddard.

Sie alle und noch viel mehr gingen ein- und aus, passten sich dem Lebensrhytmus des Malerpaares an, genossen das traditionelle Essen und großartige Gespräche. Besonders in Erinnerung blieben die liebevoll gestaltete Feste. Frida Kahlo liebte es, Feste auszurichten.

Heute kann ich es nur noch erahnen: Nichts ist in diesem Haus leise oder schüchtern – weder die Farben noch die Geräusche. Zu Zeiten, als Rivera noch mit seinen Lieblingsspeisen bekocht wurde, waren es auch nicht die Gerüche.

Der grausige Ojosauro

Ich will eine Rampe zu einer Glastür auf der gegenüberliegenden Seite vom Eingang hochgehen. Mir scheint, sie führt zu einem zentralen Raum des Hauses. Doch nein…

  • Links bitte, die erste Tür! Dort fängt der Rundgang an!
Frida Kahlos Tagebuch

Frida Kahlos Tagebuch. Aus Maria Hesse: Frida Kahlo, eine Biografie

Der Museumswärter begleitet mich zu einer Glasvitrine. Dort deutet er auf das Tagebuch, Frida Kahlos Tagebuch.

In ihm hat die Künstlerin Skizzen, kurze Texte und Briefe an Rivera festgehalten. Es ist Beweisstück für ihr Leiden an ihrem Mann. Auch für ihre Liebe, ihre Wut und ihren Humor. Aufgeschlagen ist eine Seite mit einem grün und rot gestreiften Würmchen, dessen Nase einem Einhorn ähnelt und das am Kopf eine Narrenkappe trägt.

  • Ein altes Tier, das tot bleibt, um die Wissenschaften zu fesseln. Es sieht bis nach oben… und hat keinen Namen. Wir werden ihm einen geben: Der grausige ojosauro, der Augensaurier.

Welche Wirklichkeit steckt wohl hinter diesem ojosauro? Frida würde nicht antworten, eher grinsen.

  • Wozu darüber nachdenken? Es ist doch nur ein Farbfleck? Ein solcher hat mich inspiriert.

Die Kunstkritik erklärt Frida Kahlos Bilder naturgemäß etwas detaillierter: Sarah Lowe zum Beispiel ortet den Ursprung

  • in mexikanischen Legenden, Geschichten von Wesen und Tieren, wie sie in den aztekischen Tempeln in Stein gemeißelt, in den Maya-Codices oder im landesüblichen Kunsthandwerk zu finden sind.

Vater aus Pforzheim, die Mutter aus Oaxaka (Mexiko)

Was überraschen könnte – denn Fridas Herkunft ist durchwachsen: Der Vater, ein Deutscher aus Pforzheim, war mit achtzehn nach Mexiko ausgewandert. Er baute das blaue Haus. Und die Mutter? Frida Kahlo beschreibt sie als

  • ein Blümchen aus Oaxaca. Sehr gewinnend, umtriebig, klug. Sie konnte nicht lesen und schreiben, sie konnte nur das Geld zählen.

Als junge Frau entschied sich Frida Kahlo bewusst dafür, Mexikanerin zu sein; ein Kind der Revolution. Sie machte sich sogar jünger, um im Jahr derselben geboren zu sein: 1910. Damit setzte sie ein Statement.

Hielt sie sich später einmal nicht in ihrem geliebten Land  auf, nannte sie sich selbst – ohne die Legenden, die Gärten und die Sonne – verloren.

Aus den wenigen Jahren, die sie wegen und mit Rivera in den USA lebte, stammen viele Briefe. Diese zeigen, wie sehr sich Frida nach Coyoacan gesehnt hatte. Sie wollte nicht nur durch ihre Kleidung und den Schmuck an ihre selbst gewählte Identität erinnert werden. Sie vermisste die Qualität der mexikanischen Lebensweise und die Kultur ihrer Heimat.

Dabei hatte Frida anfangs ihren Spaß: Sie amüsierte sich über Walt Disney und über die Gesellschaft New Yorks, die sich über ihre Flüche und derben Ausdrücke aufregte. Es machte ihr diebische Freude diese Gesellschaft zu provozieren.

In Detroit aber rang die Malerin nach einer Fehlgeburt mit dem Leben. Sie sehnte sich mehr und mehr nach Hause. Dann starb ihre Mutter. Das brachte sie zurück.

Frida Kahlo und ihre 2000 Wunderchen

Der nächste Raum auf meinem Rundgang ist kein richtiges Zimmer, eher eine Art Flur zu anderen Räumen. Links führt eine Treppe hoch, geradeaus liegt die Küche, rechts geht es in einen weiteren, hellen Raum. Trotzdem weiß ich sofort, dass hier Kahlos wirkliches Zuhause erst beginnt.

Die Wände sind mit Votivbildern behängt. Angeblich 2000 Stück.

  • Milagritos

Kleine Miniaturen von Unfällen, Schicksalsschlägen, Moritaten. Unter jeder gibt es eine Danksagung, ein Gelübbde desjenigen, der die symbolische Opfergabe gespendet hatte. Frida sammelte sie.

1943 fand sie eines, das ihren eigenen Unfall vom 17. September 1925 stark ähnelte. Sie musste nur noch dem Opfer dichte, zusammengewachsene Augenbrauen aufmalen. Dann änderte sie die Bus- wie auch die Straßenbahnaufschrift. Dieses Bild steht für jenen Moment, der Frida vom Studium der Medizin hin zur Kunst brachte; jenen Augenblick, der die lebenshungrige Frau zum Krüppel machte. So bezeichnete Frida Kahlo sich selbst, wenn sie die Grenzen ihres Körpers ärgerten. Und sie ärgerte sich oft.

Unter der Treppe gleich neben der Sammlung gibt es einen Tisch und zwei Stühle: Die Künstlerin hat im Dunkeln gesessen, bevor sie in die Küche oder ins Esszimmer ging .

Küche – Hort der Liebe

Frida Kahlos Küche

Frida hatte Freude, Diego seine Lieblingsspeisen zuzubereiten.

Ein Holzofen über eine komplette Wandbreite, riesige, irdene Töpfe zeugen heute noch davon: Damals wurde hier stundenlang gekocht. Rivera legte Wert auf traditionelles, mexikanisches Essen: gefüllte Chilieschoten, Maistortillas oder Huhn mit mole poblano (pikanter Schokoladesauce). Über dem Herd stehen kleine Tonkrüge in den Schriftzügen „Diego“ und „Frida“.

Die Gerichte waren eine Art Liebeserklärung. Frida wußte, dass Riveras Laune stark von der richtigen Kost abhängig war. Deshalb lernte sie von Riveras erster Frau, die eine herausragende Köchin war.

Wenn am Tisch ungebetene Gäste sitzen

Küche und Esszimmer sind beide in gelb gehalten. Die Farbe für

  • Wahnsinn, Krankheit und Angst, aber auch der Sonne und der Freude.

Im Esszimmer gibt es Keramik, grün glasierte Karaffen, Schüsseln, Gläser. Alltagswaren der indigenen Bevölkerung. Auch heute lassen sie sich auf den Märkten zu Spottpreisen finden. Es fehlen weder Spitzendeckchen noch die bunt bemalten, lebensgroßen Tiere; Vögel, Teufel und Früchte aus Holz (alebrijes).

Ein riesiger Tisch zeugt davon, dass Gäste in diesem Haus willkommen waren. Für Frida Kahlo der

  • Ort des Zusammenkommens.

Verletzt von Rivera, als er Frida mit ihrer Schwester betrog. Das Malerpaar ließ sich scheiden und Frida verewigte seinen Treuebruch im Bild der verwundete Tisch.

Frida mit Rivera im KopfRivera kehrte jedoch zu ihr zurück. Er heiratete sie wieder und zog neuerlich mit ihr zusammen.  Diesmal baute er ihr allerdings ein eigenes Reich – aus Vulkangestein. Ein Atelier, wie man es sich als Künstlerin nur wünschen kann. Sonnendurchflutet, luftig, ein kleines Paradies.

Für die Besucher heute ist es, als wäre Frida Kahlo nur kurz einmal weggegangen: Vor einer Staffelei steht ein Rollstuhl. Die Pinsel und Stifte liegen in Reichweite. Eine Kurbel ermöglichte es der Malerin, das Bild in der optimalen Höhe zu fixieren. An guten Tagen  arbeitete sie im Sitzen. An schlechten half ihr eine Spezialkonstruktion – dann malte sie im Bett. In ihm musste Frida oft Monate verbringen – bewegungslos, mehrmals sogar in ein Gipskorsett gezwängt.

Die einzigen Zeugen dafür, dass Frida nicht mehr malen würde, stehen versteckt in der hintersten Ecke des Raumes: Eine Urne mit der Asche und Fridas Totenmaske. Die meisten Besucher beachten sie kaum, gehen schnell weiter. Sie wollen alle nur in das nächste Zimmer: das Schlafzimmer. Denn dort steht

Das berühmteste Bett der Kunstgeschichte

Das Zimmer ist allerdings kleiner, als ich es mir ausgemalt habe. Fridas Bett füllt es nahezu vollständig aus.

Berühmt wurde das Bett dadurch, dass Frida es nicht verlassen durfte. Es fand aber eine Austellung ihrer Werke im Museum Bellas Artes statt. Wie konnte sie in ihrer Heimatstadt ausstellen und selbst nicht zugegen sein?

So entschied sie sich: Frida Kahlo empfing die Besucher im Bett. Man musste dieses mitsamt Frida in die Ausstellung tragen. Außerdem empfing die Malerin Freund*innen im Bett, las, trank flaschenweise Tequila, malte, ließ sich Damenbart und Augenbrauen zupfen und unzählige Fotos machen.

Andere Andenken finde ich allerdings in diesem Raum keine, auch keine Fotos von den Geliebten, die Frida gehabt haben soll. Nicht von Trotzki, nicht vom Fotografen Nickolas Murray, dem Bildhauer Ralph Stockpole und auch nicht vom Muralisten Ignacio Aguirre, selbst von Rivera nicht. Nur die Köpfe von fünf Männern zieren die Wand: Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao. Sie hängen in einer Reihe, direkt  auf der gegenüberliegenden Wand des Kopfendes. So dass Frida sie sehen konnte, wenn sie aufwachte:

  • Ich liebe sie als Pfeiler der neuen kommunistischen Welt.

Frida Kahlos Geliebter – der eine, stets präsente

Frida Kahlo mit GeliebtemDoch noch einem hat die Künstlerin in ihrem intimsten Stunden Platz eingeräumt. Mehr als allen anderen.

An den Bettpfosten gehängt, klappert der Tod – ein grünes Skelett mit roten Rippen. Die Pappmaché-Figur ist Kahlos ständiger nächtlicher Begleiter. Er erinnerte Frida daran, dass ihr Leben jederzeit zu Ende sein konnte. Deshalb umarmte sie ihn, hieß ihn willkommen.

 

Gevatter Tod ist auch Mahnmal ihrer

  • größten Niederlage.

Die Künstlerin kämpfte lange Zeit damit, dass sie wegen ihres Unfalls Rivera kein Kind schenken konnte.

Die Türe ihres Schlafzimmers führt hinaus auf einen kleinen Balkon, dessen Treppe hinunter in den hinteren Teil des Gartens führt. Ich gehe an einem Springbrunnen vorbei, überquere ein Terrasse mit einer Wand eingemauerter Muscheln und Krüge. Auf dem Weg finde ich noch mehr Pappmaché-Tode, -gesichter und -männer.

In Mexiko nennt man sie juda.  In ihnen stecken der Hass, die Eifersucht, die Zweifel, Wut und auch Angst, mit denen ein Mensch im Laufe eines Jahres so konfrontiert ist. Am Samstag vor der Karwoche schmücken Mexikaner*innen diese Figuren mit Feuerwerkskörpern und zünden sie an. Gemeinsam verbrennen sie diese unerwünschten Gefühle. Mit einem Fest natürlich.

  • Es ist Stärke zu lachen und sich der Leichtigkeit zu überlassen.

schrieb Frida einmal. Sie sorgte dafür, dass an den Samstagen vor der Karwoche genügend Figuren brennen.

Um Lachen zu können statt zu leiden.

*Pensaron que fui surrealista pero no lo fui. Nunca pinté sueños. Pinté mi propia realidad.

Beitragsbild und weitere Bilder aus dem .

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Nebiga

Baba Jaga heute: Warum sie Albträume hat

Gut, dass Baba Jaga heute so zurückgezogen lebt! Schon vor langem ihr Hüttchen auf Hühnerbeinen noch tiefer zwischen die Bäume hineingetrieben hat. Dorthin, wo der Wald so dicht und dunkel ist, dass man die Hand vor den Augen und die Füße auf dem Weg nicht sieht.

Hätte sie nicht so früh Maߟnahmen ergriffen, müsste sich Baba Jaga jetzt gegen Anhänger wehren. Gegen „Fäns“ oder „Followers“, die in Bussen zu ihr pilgern; sie zwecks tiefsinniger Prophezeiungen löchern und Heilsalben von ihr fordern.

Sie müsste tagtäglich Menschen riechen, besonders an den Wochenenden. Diese stünden Schlange, um „Großmütterchen“ zu sehen.

Großmütterchen, ha!

Baba Jaga heute sieht anders ausUnd Baba Jaga dürfte heute keinen fressen; müsste die vom verlockendem Menschenduft geblähten Nasenlöcher freundlich kräuseln und sich Fragen widmen. Den Nerv tötenden Fragen über die Zukunft der Welt, das Liebesglück einzelner oder die Anzahl der Jahre ihrer armseligen Leben.

Als interessierten die weise Alte Nichtigkeiten wie diese…

  • Wie ein Krieg ausgeht zum Beispiel, ob ein Land mehr Recht hat zu siegen als das andere,
  • wer die kommende Wahl gewinnt und
  • wie lange voraussichtlich jemand an der Macht bleibt.

Schwesterchen Wanda aus Petrich, Bulgarien

Baba-VangaIn Petrich, Bulgarien, zum Beispiel war eine ihrer zwei Schwestern, eine der drei Babas der slawischen Welt, tatsächlich mit der Frage nach Spielergebnissen der Nationalmannschaft konfrontiert: Ein Schnauben war Schwesterchen Wanda das wert.

Danach hatte es gleich geheiߟen, zwei Mannschaften mit B würden es ins Finale der Weltmeisterschaft 1994 schaffen. Dass die Bulgaren dann im Viertelfinale gegen Italien verloren, entäuschte die hohen Erwartungen.

Sterbliche interpretieren, manipulieren und machen auch nicht vor Mythen halt.

Das würde Baba Jaga erwarten

Baba und ihr neues Haus

  • Heute hätte Baba Jaga Umsatzsteuer auszuweisen, einen eigenen Registereintrag und eine Website.
  • Vor ihrem Haus, einem, das extra für sie gebaut worden wäre, würde eine Frau Heilsalben, natürliche Kosmetikas und Fläschchen mit Kräutertinktur an Touristen und Ratsuchenden verkaufen. Diese Frau säße Tag für Tag auf der Stufe, ohne im Geringsten zu ahnen, wie ihr Menschenduft den Appetit der ach so liebenswürdigen Kräutersammlerin im Haus anregt.

Liebenswürdig? Harmlos? Blind sind sie, die Menschen!

Die meisten Menschen erkennen nicht, wer Baba Jaga tatsächlich ist. Sie bemerken die Totenschädel mit den glühenden Augen in ihrem Garten nicht, obwohl diese Tag und Nacht leuchten. Sie sehen auch die drei Reiter nicht: den Morgen, den Abend, die Nacht.

Die Ahnungslosen!

  • Auf Youtube-Videos würden Vorhersagen, die angeblich von ihr stammten, im Wortlaut weiterverbreitet, kommentiert und zur Auslegung der vielgerühmten Schwarmintelligenz vorgelegt.
  • Baba Jaga müsste heute ungezählten Selfies beiwohnen, die dann mithilfe von Suchmaschinen weltweit aufzufinden sind.
  • Ihre Lebensgeschichte hätten geschäftstüchtige Männer verfilmt. Im Fernsehen würden Politiker mit ihr auftreten. Hitler hatte angeblich Baba Wanda besucht – und Todor Schivkov, lange Jahre Diktator Bulgariens, zählte zu den „Stammkunden“.

Kein Wunder, dass Schwesterchen Wanda sich zum Sterben hingelegt und ihre Seele lieber nach Frankreich geschickt hatte. Sie wußte, dort würde einmal ein Kind geboren: blind, wissend, eigenartig – eine alte Seele.

Wer Baba Jaga heute sucht…

Wer Baba Jaga im Jahr 2020 um Rat fragen will, muss in die Stille gehen. Das Smartphone ausschalten.

Seid beruhigt, es kann den Weg sowieso nicht leuchten.

Wer Baba Jaga heute sucht, muss sich wie früher jeden Schritt in Dunkelheit ertasten. Die Weise hat sich rar gemacht, dreht den Eingang ihres Hüttchens nur noch zu, wenn es dreimal klopft: von der Liebe, von der Seele – und vom Tod.

Der Weg zu Baba Jaga ist also beschwerlich, sie duldet keine Ablenkung.

Und es ist der Alten egal, ob es gefällt oder nicht. Bei ihr gibt es sowieso keinen Empfang.

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Großmutter erzählt
Nebiga

Großmutter erzählt nachts in der Stube

Dass eine Großmutter erzählt, gehört praktisch zum Berufsbild. Sie ist diejenige, der wir die Märchen verdanken – und die diese an die Enkelgeneration weitergibt. So ist die Idee. Aber woher stammt die eigentlich? Weil… wenn ich mich so umschaue… Omas heute gehen lieber in Yoga- oder Bauchtanz-Kurse und sind ständig unterwegs. Sie haben wenig Zeit im Lehnstuhl zu sitzen und den Kindern Geschichten zu erzählen.

Noch weniger entsprechen sie dem Bild, das die Brüder Grimm von ihrer Geschichten-Quelle malten. Sie wollten die Behauptung, die Märchensammlung sei rein deutsch und von nirgends her erborgt untermauern und erfanden für den zweiten Band der Kinder- und Hausmärchen eine idealtypische Erzählerin: die Viehmännin. Eine

  • Bäuerin aus dem nah bei Cassel gelegenen Dorfe Zwehrn.

Tatsächlich handelte es sich bei der vermeintlichen Bäuerin um eine zwar arme, aber gebildete Schneidersfrau mit hugenottischen Wurzeln. Die Brüder Grimm bedienten also ein schon vorhandenes Bild, um an Leser zu gelangen. Eines, das bereits im Verschwinden begriffen, aber noch im Bewusstsein der Leute vorhanden war.

Vom Berufsbild der erzählenden Bäuerin

Winter ist’s, der Schnee liegt auf den Hängen und glitzert in der Dämmerung. In der Küche ist gut geheizt. Die Öllampe spendet Licht. Kinder zausen Wolle, die Magd kämmt sie.

Drei Frauen sitzen an ihren Spinnrädern. Sogar die Altbäuerin hat ihres hervorgeholt. Sie bückt sich zum ersten Flachsbündel, reicht es der ersten Frau, streckt sich nach dem zweiten, gibt es der anderen, greift zum dritten und setzt sich auf einen dreibeinigen Schemel.

Die Bäuerin beginnt zu spinnen und die Frauen tun es ihr nach. Holzpantoffel klopfen dumpf auf den Boden, Spinnräder surren, Daumen und Zeigefinger ziehen den Faden…

  • Großmutter, bitte! Erzähl‘ uns was!

Die Frauen nicken zustimmend. Sie waren schon am Morgen vom Nachbarhof aufgebrochen; drei Stunden dauerte es, um zu kommen. Sie sind gekommen, um zu helfen. Nebenbei  hören sie Überliefertes oder Erlebtes über Ehe, Geburt, Krankheit, Leben, Tod und — die Liebe.

Die Altbäurin lächelt, dreht das Rad und zwirbelt Flachs zum Faden. Es ist als hätte sie nicht gehört. Trotzdem verstummen die Kinder. Die Magd legt ein paar Scheite in den Ofen, die in der plötzlichen Hitze knacken und  knistern. Dann räuspert sich die Bäuerin müde.

  • Es war einmal…

— so fängt es an:

Und die Großmutter erzählt

Altbäurin mit SpinnradVielleicht ist es ein Märchen, vielleicht eine Geschichte aus dem Dorf, vielleicht beides in einem. Großmutter hat eine Vorliebe für Märchen und Erzählstoffe, die mit ihren umtriebigen Händen Schritt halten.

Sie bevorzugt als Erzählzeit das Präteritum, verwendet gern die indirekte Rede und Wörter, die heute nicht mehr jede* kennt. Während sich das Spinnrad dreht und ihre Hände beständig zwirbeln —

  • Schnurr, schnurr, schnurr, dreimal gezogen, war die Spule voll

— spricht sie mit ruhiger, entspannter Stimme. Manchmal verweilt sie, übt sich in epischer Breite. Dann wieder spricht sie genauso, wie ihr Spinnrad sich dreht – monoton, stetig, wiederkehrend.

Wenn Großmutter erzählt, bricht ihre Stimme schon einmal. Man merkt ihr das Alter, den häufigen Gebrauch an. Doch solange es an diesem Abend Flachsbündel zu spinnen gibt, solange verstummt diese Stimme nicht.

Wie hört man einer Altbäuerin richtig zu?

Während Großmutter erzählt, sehen die Frauen und Kinder sie nie an. Sie sind in ihr Tun vertieft, spitzen jedoch ihre Ohren. Kein Wort darf ihnen entgehen! Je gebannter ihre Augen auf ihre Arbeit gerichtet sind, desto intensiver lebt ihr Geist in der Geschichte – und die Großmutter erzählt.

Die Holzpantoffeln klopfen, das Feuer knackt. Die Zuhörer*innen spüren die Furcht, das Erstaunen, die Liebe und Freude der Held*innen in sich. Trotzdem hören sie niemals auf zu arbeiten.

  • Je selbstvergessener der Lauschende, desto tiefer prägt sich ihm das Gehörte ein. Wo ihn der Rhythmus der Arbeit ergriffen hat, da lauscht er den Geschichten auf solche Weise, daß ihm die Gabe, sie zu erzählen, von selbst zufällt. (Walter Benjamin in seinem Essay über das Erzählen )

Bald nämlich wird eine* von ihnen erzählen müssen: Die Großmutter ahnt, dass ihr die Zeit ausgeht. Sie ist mittlerweile erschöpft; weiß,  dass sie bald keine Wolle mehr spinnen kann. Ihre Geschichten aber möchte sie weitergeben. Sie sollen weiterleben, jenseits von Geburt und Tod.

Tipp: Märchenerzähler*innen zuhören

Märchenerzähler*innen sind so unterschiedlich wie Schneeflocken. Deshalb solltet ihr genau so vielen lauschen, wie ihr finden könnt. Zur Winterzeit erzählen sie übrigens an allen möglichen Orten: auf Weihnachtsmärkten, in Schulen, in den Städtischen Büchereien, in Geschäften, beim Weihnachtsessen… hört euch einfach um! Es zahlt sich aus!

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Abschied
Nebiga

Letzte Seite: Wo ein Abschied ist

Mein Liebes, bald ist es soweit! Der Abschied fällt mir schwer, er ist jedoch unausweichlich: Wir werden uns schließlich trennen müssen!

Natürlich ahnte ich von Anfang an, dass es mit uns so einmal enden wird… wir uns auseinander leben und Adieu sagen. In jeder Beziehung steckt ein Abschied. Mittlerweile sagt mir meine Erfahrung, wann für die Trennung der richtige Zeitpunkt ist. Ich weiß es einfach. Zu Ende ist zu Ende.

Jetzt bald ist es soweit. Es dauert nicht mehr lange. Spürst du es auch? Ja? Du willst dich ausruhen, sagst du. Mich aber drängt es weiter. Besser ist, wir gehen unserer Wege. Es soll sich nichts Unausgesprochenes zwischen uns aufstauen.

Doch bevor wir endgültig Abschied nehmen, möchte ich dir danken.

Danke für die gemeinsame Zeit, unsere Reisen, deine Ausdauer! Wir verbrachten eine wunderbare Zeit zusammen, vertrauten uns. Deshalb will ich nicht schweigen, das Unausweichliche abwarten und gehen. Ich will, dass du weißt, was für ein großartiges Wesen du bist. Dass du mit eigenen Augen liest, was ich an dir in unseren gemeinsamen Monaten schätzte.

Die Liste zum Abschied ist lang

Was an dir unvergleichlich ist? Das bist du. Das ist

  1. dein Körper. Natürlich! Sonst wären wir ja gar nicht zusammen gekommen. Mir ist sie gleich aufgefallen deine Statur, deine Haltung, dein Stil – ja, und dein Geruch. Wann immer ich dich roch, dich neben mir spürte, fühlte ich mich zuhause.
  2. deine unerschütterliche  Geduld. Nie hast du dich über Wiederholungen, Routine oder meine Wutausbrüche beschwert. Du hast mich gesehen, wie ich bin. Mich gewähren lassen, mich nur manchmal abgelenkt, so dass ich mich beruhigen konnte.
  3. wie du zuhören kannst. Egal wie absurd meine Thesen waren, du hast sie dir zunächst einmal angehört, um sie zu verstehen, bevor du sie widerlegtest.
  4. deine Hilfsbereitschaft: Du warst immer für mich da, selbst in meinen düstersten Momenten.
  5. deine Kreativität: Manchmal, wenn ich mich rettungslos verrannt habe, hast du eine Idee in mir entzündet. Du hast mich aus jedem Labyrinth rausgeführt.
  6. wie abenteuerlustig du bist! Überall hast du mich hinbegleitet… wir haben die Welt bereist. Nicht ein einziges Mal bist du zurückgeblieben.
  7. deine Widerstandskraft. Ich habe dich der Hitze und Kälte, der Nässe und Trockenheit ausgesetzt. Ein Hund hat dich gebissen. Doch du hast nicht gemurrt, bist stetig an meiner Seite geblieben, hast niemals schlapp gemacht. Unerschütterlich warst du! Heldenhaft!
  8. deine Freundschaft! Du bist ein Freund, ein richtiger Freund! Schweigst nicht still, wenn ich mich selbst verliere; weichst unangenehmen Fragen nicht aus, stellst sie auch dann, wenn du weißt, dass ich dich dafür einen Moment hassen werde.
  9. deine Ehrlichkeit. Ich kann dich alles fragen. Dein Ego beschönigt nicht, du antwortest, wie du es siehst.
  10. deine Toleranz. Anderen leihst du dein Ohr genauso, unterschiedslos: Du hörst wirklich jedem zu.
  11. dass du immer etwas mit dir selbst anzufangen wusstest, wenn ich einmal keine Zeit für dich hatte. Ja, sogar mit anderen unterwegs war.
  12. deine Großzügigkeit. Egal, worum es ging, du hast ausgeholfen. Dir war keine Liste zu dumm, kein Satz zu lang.
  13. dass du niemals Angst vor deiner eigenen Wut hattest. Sie zügeln konntest, spätestens vor der nächsten Seite.

Nun aber ist es soweit!

Ich muss gehen. Das ist unsere einzige Möglichkeit! Auf diese Weise bleiben wir Freunde, zermürben einander nicht. Lass uns lieber darauf freuen, dass wir uns irgendwann einmal wieder sehen. Ich verspreche allerdings nichts: Es könnte Jahre dauern.

Schlag‘ ich dich eines Tages doch noch auf – ja dann… dann schwelgen wir gemeinsam in Erinnerungen.

Das wird mir gefallen. Dir doch auch, oder?

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Meine große Liebe ist Kunterbuch

Kunterbuch? Kunterbunt, meinst du wohl? Nein, ich habe mich nicht vertippt! Meine große Liebe ist einzig und allein Kunterbuch, Die Buchhandlung! Die Größte für die Kleinen mitten im Herzen Wiens.

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Der Eingang am Stubenring im 1. Bezirk, Wien

Ich befinde mich mit meiner großen Liebe in guter und zahleicher Gesellschaft: Kunterbuch wurde mehrmals mit dem Kinderbuchhandlungspreis ausgezeichnet.

Dieser Preis sagt schlicht, dass Kunterbuch die beste Kinderbuchhandlung Österreichs ist.

Kinder aller Altersklassen, Mütter, Väter, Tanten, Onkel, Großmütter und -väter suchen dort Lesestoff und sogar andere, oft kinderlose Erwachsene kommen, um lesbare Mitbringsel zu suchen.

Schuld ist nicht nur die Auszeichnung. Aber eine solche bekommt man halt nicht, wenn man Durchschnitt ist.

Was braucht’s, um große Liebe zu sein?

  1. Kompetenz.

Zwei engagierte Buchhändlerinnen beschäftigen sich mit den Wünschen ihrer kleinen und großen Kunden. Wer auch immer kommt und nach einem Buch fragt, erhält eine fundierte Antwort. Selbst wenn der Autor*innenname knapp daneben liegt, man nicht so genau weiß, für welche Zielgruppe das Buch überhaupt sein  oder wovon es handeln soll:

  • „War etwas mit B am Anfang“, „handelt von einem scheppernden Ritter und einem blauen Hut.“

Buchhändler*innen müssen die Lust am Rätselraten mitbringen. Berufsanforderung.

  • „Ich suche etwas für einen Jungen.“
  • „Wie alt ist er denn?“
  • „Pfft, ist der Sohn von meinem Chef, vielleicht vier, nein eher sechs oder acht. Na ja, so halt.“
  • „Interessen? Hat man die schon in dem Alter? Woher soll ich das wissen?“*
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Inhaberin Elisabeth Rippar (r) mit Dagmar Harbich

Egal, ob verwirrte Väter, ahnungslose Großmütter oder gelangweilte Onkels – kompetent wie Elisabeth Rippar oder Dagmar Harbich sind, gehen die zuvor noch Verzweifelten nur wenige Sekunden später aus dem Laden. Mit sich zufrieden UND dem richtigen Buch in der Hand!

Kunterbuch: Was wirklich hinter Kompetenz steckt?

2. Leidenschaft.

Rippar und Harbich lieben Bücher, Geschichten und Illustrationen. Sie wissen außerdem genau, welche Themen ziehen und welche nicht. Sie kennen ihre Kinder und haben einen Blick für die leuchtenden Augen der Kleinen.

Deshalb kommen viele Mütter, Großmütter oder Tanten und  schmökern im Angebot. Sie schauen auch schon einmal nur so am Nachmittag vorbei. Die Kinder verschwinden in der Kuschel- und Spielecke und probieren gleich mal Bücher aus…

die große Liebe das Buch

Fast wie ein Bücherschloß

Wer einfach so vorbeikommt, stöbert, plaudert, fragt, tratscht und genießt, dass auch der Nachwuchs liest.

kunterbunt_Kaffee

Bücher mit Kaffee – was will ich mehr?

Dass es einen Kaffee gibt, der die nahe gelegenen Wiener Kaffeehäuser verblassen lässt, hilft. Und aus einer Viertelstunde wird eine halbe, eine ganze, zwei – und mehr Stunden.

Zeit löst sich auf in diesem kunterbunten Schloß der Bücher.

Nebenbei wächst der Stapel der Wunschbücher mit. Wunschbücher der Großen UND der Kleinen.

Alles gut und schön: Was bedeutet dir das?

  • „Dein Sohn ist doch schon vieeeeel zu alt, als dass du Bücher für ihn findest!“

Stimmt.

Die große Liebe zur Buchhandlung Kunterbuch begleitet mich und meinen Sohn aber schon lange. Mein Sohn ist heute nämlich eine Leseratte unter der Generation Native – also jener Kinder, die mit digitalen Spielen groß wurde. Das verdankt er Kunterbuch. Die beiden begeisterten Buchhändler- und Kinderbuch-Leserinnen haben ihn stets mit Lesestoff versorgt, der ihn fasziniert hat.

Für mich selbst ist die Buchhandlung ein Fundus. Wer spielt denn am meisten mit Märchen? Die Kinderliteratur. Ich berate, diskutiere, finde Vieles und Neues zu Märchen, Fabulieren und Geschichten erzählen.

Bestellen geht übrigens immer!

Außerdem…

das Lächeln im Kunterbuch

Wer – bitte schön – kann diesem Lächeln widerstehen?

  • Buchhandlung Kunterbuch
  • Am Stubenring 20, A-1010 Wien
  • Tel: 0043-1-513 50 93, www.kunterbuch.at
*Fragen wie diese entsprechen der Realität: Ich habe sie dort so gehört!

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Das Leben von Frida Kahlo

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Frida Kahlo
Leo Nerdette

Das Leben von Frida Kahlo (1907 – 1957)

Geboren ist Frida Kahlo am 6. Juli 1907 im Casa Azul.

25. September 1925: Sie verunglückt schwer. Dieser Unfall ändert ihre Pläne, Medizin zu studieren. Neben langen Perioden in einem Gipskorsett folgen auch 36 Operationen.

Frida Kahlo und ihre Wirbelsäule

1926 beginnt sie zu malen.

1929 Heirat mit Diego Rivera, Revolutionsmaler und Generalsekretär der Kommunistischen Partei Mexikos.

Die Ehejahre der Frida Kahlo

1930-33: Aufenthalt in den USA, zunächst in New York, später in Detroit. In diesen Jahren erleidet die Malerin mehrere Fehlgeburten.

1933 stirbt Fridas Mutter. Die Malerin kehrt nach Mexiko zurück.

Nach der Rückkehr lebte das Paar in San Angel, einem Viertel in der Nähe von Coyoacan – in Riveras Haus.

1937 kam Leo Trotzki und wohnte für fast zwei Jahre mit seiner Frau im Elternhaus der Frida Kahlo, dem Casa Azul. Frida soll mit dem Revolutionär ein Verhältnis gehabt haben.

1938 erste Einzelausstellung Kahlos in New York.

1939 Ausstellung in Paris. Im selben Jahr erfährt sie von Riveras Verhältnis mit ihrer Schwester. Dies wertet Frida als schwerwiegenden Vertrauensbruch. Sie lässt sich von Rivera scheiden.

Leben im Blauen Haus

Kahlo zieht allein in ihr Elternhaus zurück. Sie schneidet sich die Haare und malt wie eine Wilde.

1940 heiratet sie Rivera erneut. Die Bedingungen des Zusammenlebens änderten sich allerdings: Der Muralist zieht zu Kahlo in das blaue Haus und baut ihr einen eigenen, abgetrennten Wohn- und Arbeitsbereich.

Mitte der 40er Jahre verschlechtert sich Kahlos Gesundheitszustand. Es folgen mehrere Rückenoperationen. Ab 1951 braucht sie einen Rollstuhl, 1953 wird ihr rechtes Bein bis zum Knie amputiert.

Im gleichen Jahr findet die einzige Ausstellung ihrer Bilder in Mexikostadt statt. Sie wohnt dieser in ihrem Bett bei.

Im Sommer 1957 stirbt sie an den Folgen einer Lungenentzündung.

Kahlos Werk umfasst in etwa 200 Bilder, davon sind ein Drittel Selbstporträts.

Sie ist heute die bekannteste mexikanische Malerin. 2016 erzielte das Bild Zwei Nackte am Waldrand acht Millionen Dollar. Laut Christie’s ist das die höchste Summe, die jemals für ein Gemälde eines südamerikanischen Künstlers bei einer Auktion erzielt wurde.

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Diätplan für erfüllte Tage
Leo Nerdette

Ultimativer Diätplan für ein erfülltes Leben

Für euch, die ihr genug habt! Die ihr befürchtet, Social Media süchtig zu werden – oder seid ihr es gar schon? Also für jene, die in den nächsten Wochen alles zu tun gedenken, damit sie wieder los werden, was sie in den letzten Wochen, Monaten, Jahren in sich hineingestopft haben. Ja, für die, die ein erfülltes Leben suchen –  jenseits von Social Media, eher so im Hier und Jetzt.  Genau für dich also haben wir diesen Diätplan erstellt.

Den einzig wahren – den ULTIMATIVEN Diätplan!

Unsere erkärte Mission: Wir wollen Menschen helfen, sich von unnötigem Ballast zu befreien. Auf dass sie sich wieder freier bewegen, klarer denken und öfter freuen können!

Diätplan für schlaue Köpfe

Eines schicken wir jedoch noch voraus: Wie alle Diäten ist auch diese kein Honigschlecken! Du musst hart arbeiten und einige Durststrecken überstehen. Daher solltest du gut überlegen, ob du dich unserem Plan anschließt.

Grundsätzliche Fakten

gemeinsam begleiten

  • Dauer: Sechs Wochen. Sie reichen völlig aus, nachhaltig zu entschlacken.
  • 112prozentige Erfolgsgarantie – vorausgesetzt du hältst den Diätplan tatsächlich durch.
  • Ein klarer Diätfahrplan pro Woche, von dir selbst erstellt
  • Punktesystem für Sport, kreative Aktivitäten, Treffen mit Freunden, Real life time
  • 30-50 Prozent Steigerung des Glücksquotienten sind garantiert.

Zuerst einmal die Bestandsaufnahme

Am Beginn eines Diätplans steht eine umfassende Analyse des Ist-Zustands. Daher gilt es zunächst zu sammeln,

  1. Wie viele Stunden deiner Freizeit verbringst du online?
  2. Gliedere diese Stunden in Geräte: Smartphone, PC, Tablet, TV…?
  3. Analysiere, wie lange du welche Social Media Kanäle nutzt: Dein Hauptaugenmerk liegt auf Snapchat, Instagram, Facebook, Twitter, Pinterest, You Tube, flickr…
  4. Mache dir eine exakte Liste dazu
  5. Dieser stellst du eine andere Liste gegenüber: In ihr hältst du fest, wie viel Zeit du mit Freunden, der Familie, Sport, in der Natur, auf Reisen verbringst – ohne Fotos davon sofort zu teilen.

Hast du die Bestandsaufnahme beendet, formulierst du dein Ziel: Die Stundenanzahl, die es für dich ermöglicht, entspannt deine Freizeit zu genießen. Doch sei dir bewusst: Alles, was höher als 1-2 Stunden täglich liegt, gefährdet die Zufriedenheit eines jeden Menschen.

Was gibt es zu tun?

  1. Du folgst deinem detaillierten Wochenplan.
  2. In ihm hast du Aktivitäten mit Punkten zwischen 1-5 vorgesehen – je höher die Punktezahl, desto lieber die Tätigkeit.
  3. In einem Kalender notierst du in Stichworten, was du bewältigt hast, woran du gescheitert bist.
  4. Du zeichnest dazu, wie du dich fühlst: 🙂 oder 🙁 oder 😉
  5. Jede Woche fasst du zusammen, was du anders gemacht, was du Neues kennengelernt hast und was dir daran Freude macht.
  6. Dabei verzeichnest du, um wieviel leichter du dich fühlst.

 Woche eins – Die Umstellungsphase

ErfrischenWie bei jeder guten Diät, muss sich dein Körper erst darauf einstellen, dass der Entzug von Gewohntem droht. Daher gibt es am ersten Tag nur Gemüse ohne Fett… In unserem Fall

  • darfst du durch zwei Netzwerke scrollen, aber nicht interagieren: Kein Gefällt mir, kein Teilen, keine Kommentare. Kurz, nur schauen bzw. hören!
  • gibt es NOCH kein Zeitlimit!

Am zweiten Tag gibt es

  • nur noch Netflix, ein Computerspiel oder deinen Blog/Lieblingsblog oder Ähnliches.
  • Keine sozialen Netze!
  • Zeitlimit: 3 Stunden.

Die folgenden Tage darfst du nur noch in soziale Netze,

  1. um deinen Freunden mitzuteilen, dass du eine Diät machst und sie auf dich verzichten müssen – online zumindest. Tipp: Nutze die Gelegenheit, um gleich Termine für echte Treffen auszumachen.
  2. sie um Hilfe bittest, weil du Zuspruch brauchst.

Das Zeitlimit für alle Online-Tätigkeiten gemeinsam: Maximal 1,5 Stunden.

Aufgabe der Woche: Organisiere dich! Aus diesem Grund sind noch keine Aktivitäten geplant. Doch wir haben Beispiele, wie du dich in der plötzlich frei gewordenen Zeit beschäftigen kannst:

  • Gestalte deine Wochenpläne besonders schön.
  • Überlege detailliert, was du mit der neu gewonnenen Freizeit tun könntest. Male es dir aus!
  • Schreibe eine Liste von jenen Aktivitäten, die du immer schon machen wolltest, wozu du aber nie gekommen bist. Vergiß die Punkte nicht!
  • Telefoniere viel mit Freunden,
  • Schreib‘ Briefe – keine Mails 😉
  • Lies ein Buch oder auch zwei
  • Wenn lesen nicht so deine Sache ist: Gibt es Erzähler*innen in deiner Region? Zuhören geht immer!
  • Lausche den Geschichten deiner Familie, deines Partners, deiner Freunde!

Wenn du den Drang nach einem Blick auf dein Smartphone verspürst: Lass den Moment vorüber gehen, ohne eine Aktion gesetzt zu haben. Genieße die Stille – und widme dich deiner unmittelbaren Umgebung besonders aufmerksam.

Woche zwei bis fünf: Schrittweises entschlacken

Das Zeitlimit geht Schritt für Schritt auf 0 Minuten hinunter. Das klingt schlimmer als es ist! Du arbeitest dich ja langsam vor.

Wie du es schaffst?

Zunächst einmal ist es wichtig, konsequent zu sein: Ausreden gelten nicht – auch wenn du dir plötzlich einbildest, unbedingt noch ein Dokument in der Freizeit abarbeiten zu müssen!

Arbeit bleibt im Büro, Studium auf der Uni! Zuhause online zu arbeiten, gibt es nicht. Genauso wenig wie es erlaubt ist, länger in der Arbeit zu bleiben, nur weil du deine Online-Zeit vermisst. Die Freunde triffst du persönlich oder eben nicht!

Es gab übrigens eine Zeit vor Google Maps, SnapChat oder Facebook. Wenn du gar nicht mehr weiter weißt, frag‘ deine Eltern.

Fotoalbum Nostalgie

  • Wie haben sie in der Präcomputerzeit überlebt? Haben sie überhaupt gelebt?
  • Wie konnten sie Lokale finden, wenn ihnen Google nicht den Weg wies.
  • Woher bekamen sie ihre Bücher, als es Amazon noch nicht gab?
  • Wie beantworteten sie ihre Fragen – so ganz ohne Suchmaschine?

Überlebensnotwendig ist es jedoch für dich, Balance zu halten! Für jede Viertelstunde weniger Zeit in den den Social Media Kanälen, gibt es eine Aktivität aus deiner in der ersten Woche erstellten Liste. Du tust, was du eigentlich immer schon einmal machen wolltest!

0 Minuten. Das musst du dir vorstellen: Du kommst nach vier Wochen runter auf 0 Minuten…

Ein großes, fast rundes 0…

Die letzte Woche: So fühlt es sich an zu leben

Mit Null endet der Diätplan jedoch noch nicht.

Null ist eine Leistung, eine großartige – ja!

GitarristNur – der nächste Schritt führt dich noch weiter. Er führt weg von der Aktivität hin zur Stille. Die Seele baumeln lassen – das ist deine Aufgabe in dieser Woche, 7 Tage lang…

Nein: Du musst deine Wohnung nicht putzen. Deine Mutter besuchen? Das geht doch nächste Woche noch! Regale, Papiere, Schränke ordnen… Sorry! Nein, Das einzige, was erlaubt ist:

Ruhe, Stille, Nachdenken. Kreativ sein.

Das ist es.

Du wirst sehen: Voller kriegst du deine Tage nie mehr wieder!

Tipp: Ein Beispiel, wie es noch geht

Den kalten Entzug hat Jan Rein durchgezogen. Seit einem halben Jahr lebt er Social Media frei. Wie er damit lebt und was es ihm bis jetzt gebracht hat, lest oder hört ihr am besten selbst!

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Europäische Wildkatze 2018
Tipp

Was tun in den Ferien? Die Wildkatze 2018 kennenlernen!

Nein, sie ist kein „Tigerchen“ – eine von allen geliebte, geherzte, grau-braun-gestreifte Hauskatze. Dazu ist sie zu kräftig und vor allem zu wild. Die Wildkatze 2018 zum Wildtier des Jahres gekürt, nennt einen buschigen Schwanz mit dunklen Ringen und stumpfem, schwarzen Ende ihr eigen. Dieser bleibt buschig bis zur Schwanzspitze, anders als bei der Hauskatze. Ihr Fell wirkt verwaschen, so als wollte sich das Tier optimal seiner Umgebung anpassen, damit niemand es entdeckt.

Die Unterschiede im Aussehen der beiden sind schwer auszumachen. Viele würden sie nicht erkennen, auch wenn sie der Wildkatze  2018 über den Weg laufen. Im Zweifelsfall ist es nämlich sowieso die Hauskatze, eben das „Tigerchen“. Besonders wenn man das Tier untertags schleichen sieht.

Wildkatzen sind 1. scheu und 2. nur nachts unterwegs.

Selbst Fachleute haben Schwierigkeiten eine im Gehölz zu entdecken – selbst wenn sie wissen, wo ihr Revier ist.

Wo ist die Europäische Wildkatze zuhause?

Die Wildkatze braucht dichte Wälder für den Rückzug; liebt aber auch lichte Streuobstwiesen, feuchte Senken und Felder, in denen Schermäuse, Feldmäuse und all die anderen Mäusearten leben. 15 bis 20 Mäuse erlegt die Katze täglich – und sie frißt, was die Hauskatze verschmäht: Wühlmäuse!

Ohne Mäuse gibt es keine Wildkatze; ohne Vielfalt in Wald und Wiese gibt es keine Mäuse.

Wildkatze in Brehms TierlebenAls die klassischen Lebensräume der Wildkatzen in Deutschland gelten der Harz und Thüringer Wald, Eifel, Taunus und Hunsrück. Zusammengefasst: Die Mittelgebirge mit Mischwäldern aus Buchen, Eichen, Tannen und Kiefern, in denen auch mal ein gestürzter Baum liegen bleibt und so das abwechslungsreiche Habitat schafft, in dem die Wildkatze leben und sich vermehren kann.

Da die Wildkatze zu den gefährdeten Tierarten gehört, widmet sich das Naturschutz-Projekt Rettungsnetz Wildkatze des BUND der Aufgabe, die Wälder Deutschlands mit Korridoren und Grünbrücken wieder miteinander zu verbinden. 20.000 km sind in Deutschland vorgesehen, damit die wilden Katzen wieder wandern,  sich in noch mehr Gebieten ansiedeln können und ein genetischer Austausch stattfindet.

Unterstützung für ein so ehrgeiziges Projekt bekommt allerdings nur, wer das Tier auch sichtbar machen kann. Verständnis für die Wildkatze muss sich nämlich entwickeln können.

Dafür gibt es jetzt das Wildkatzendorf in Hütscheroda.

Wo die Wildkatze 2018 sich über Besuch freut

Mitten im Nationalpark Hainich wurde im April 2012 das Dorf für die scheuen Tiere eröffnet. Es besteht aus

  • der Wildkatzenscheune: einer alten Fachwerkscheune, die heute als modernes Informationszentrum fungiert
  • der Wildkatzenlichtung: einem naturnah gestalteten Gehege
  • dem Wildkatzenpfad: einem sieben Kilometer langen Rundwanderweg  mit dem Aussichtsturm Hainichblick.
  • dem Wildkatzenschleichpfad: ein eineinhalb Kilometer langer Rundweg durch den Wildkatzenwald mit Spielmöglichkeiten.

Nirgendwo sonst in Deutschland ist so viel Wissen über die Wildkatze versammelt.

Was aber besonders schön ist: Vier der Tiere leben dort: Carlo, Toco, Franz und Oskar 

Endlich könnt ihr sehen, wie ein Wildkatze tatsächlich aussieht, erfahren, was ein Kuder ist… und auch sonst noch allerlei lernen – über Gewohnheiten und Eigenarten dieser schönen Tiere.

Damit ihr sie nie wieder mit dem Tigerchen verwechselt!

Veranstaltungstipp: Wildkatzentag im August

Einen Familienausflug ist dieses Wildkatzendorf allemal wert – zum Beispiel nächste Woche: Da ist Tag der Katze im Wildkatzendorf. Nämlich am Mittwoch, 08.08.2018, 9 – 18 Uhr.

Ein bunter Familientag mit Kinderschminken, Aktionen und geführten Wanderungen. Oder aber ihr genießt einen abendlichen Rundgang durch die Wildkatzenscheune mit Schaufütterung bei Sonnenuntergang.

Weitere Attraktionen für die Wildkatze 2018 findet ihr hier.

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Beitragsbild von Aconcagua