Abschied
Nebiga

Letzte Seite: Wo ein Abschied ist

Mein Liebes, bald ist es soweit! Der Abschied fällt mir schwer, er ist jedoch unausweichlich: Wir werden uns schließlich trennen müssen!

Natürlich ahnte ich von Anfang an, dass es mit uns so einmal enden wird… wir uns auseinander leben und Adieu sagen. In jeder Beziehung steckt ein Abschied. Mittlerweile sagt mir meine Erfahrung, wann für die Trennung der richtige Zeitpunkt ist. Ich weiß es einfach. Zu Ende ist zu Ende.

Jetzt bald ist es soweit. Es dauert nicht mehr lange. Spürst du es auch? Ja? Du willst dich ausruhen, sagst du. Mich aber drängt es weiter. Besser ist, wir gehen unserer Wege. Es soll sich nichts Unausgesprochenes zwischen uns aufstauen.

Doch bevor wir endgültig Abschied nehmen, möchte ich dir danken.

Danke für die gemeinsame Zeit, unsere Reisen, deine Ausdauer! Wir verbrachten eine wunderbare Zeit zusammen, vertrauten uns. Deshalb will ich nicht schweigen, das Unausweichliche abwarten und gehen. Ich will, dass du weißt, was für ein großartiges Wesen du bist. Dass du mit eigenen Augen liest, was ich an dir in unseren gemeinsamen Monaten schätzte.

Die Liste zum Abschied ist lang

Was an dir unvergleichlich ist? Das bist du. Das ist

  1. dein Körper. Natürlich! Sonst wären wir ja gar nicht zusammen gekommen. Mir ist sie gleich aufgefallen deine Statur, deine Haltung, dein Stil – ja, und dein Geruch. Wann immer ich dich roch, dich neben mir spürte, fühlte ich mich zuhause.
  2. deine unerschütterliche  Geduld. Nie hast du dich über Wiederholungen, Routine oder meine Wutausbrüche beschwert. Du hast mich gesehen, wie ich bin. Mich gewähren lassen, mich nur manchmal abgelenkt, so dass ich mich beruhigen konnte.
  3. wie du zuhören kannst. Egal wie absurd meine Thesen waren, du hast sie dir zunächst einmal angehört, um sie zu verstehen, bevor du sie widerlegtest.
  4. deine Hilfsbereitschaft: Du warst immer für mich da, selbst in meinen düstersten Momenten.
  5. deine Kreativität: Manchmal, wenn ich mich rettungslos verrannt habe, hast du eine Idee in mir entzündet. Du hast mich aus jedem Labyrinth rausgeführt.
  6. wie abenteuerlustig du bist! Überall hast du mich hinbegleitet… wir haben die Welt bereist. Nicht ein einziges Mal bist du zurückgeblieben.
  7. deine Widerstandskraft. Ich habe dich der Hitze und Kälte, der Nässe und Trockenheit ausgesetzt. Ein Hund hat dich gebissen. Doch du hast nicht gemurrt, bist stetig an meiner Seite geblieben, hast niemals schlapp gemacht. Unerschütterlich warst du! Heldenhaft!
  8. deine Freundschaft! Du bist ein Freund, ein richtiger Freund! Schweigst nicht still, wenn ich mich selbst verliere; weichst unangenehmen Fragen nicht aus, stellst sie auch dann, wenn du weißt, dass ich dich dafür einen Moment hassen werde.
  9. deine Ehrlichkeit. Ich kann dich alles fragen. Dein Ego beschönigt nicht, du antwortest, wie du es siehst.
  10. deine Toleranz. Anderen leihst du dein Ohr genauso, unterschiedslos: Du hörst wirklich jedem zu.
  11. dass du immer etwas mit dir selbst anzufangen wusstest, wenn ich einmal keine Zeit für dich hatte. Ja, sogar mit anderen unterwegs war.
  12. deine Großzügigkeit. Egal, worum es ging, du hast ausgeholfen. Dir war keine Liste zu dumm, kein Satz zu lang.
  13. dass du niemals Angst vor deiner eigenen Wut hattest. Sie zügeln konntest, spätestens vor der nächsten Seite.

Nun aber ist es soweit!

Ich muss gehen. Das ist unsere einzige Möglichkeit! Auf diese Weise bleiben wir Freunde, zermürben einander nicht. Lass uns lieber darauf freuen, dass wir uns irgendwann einmal wieder sehen. Ich verspreche allerdings nichts: Es könnte Jahre dauern.

Schlag‘ ich dich eines Tages doch noch auf – ja dann… dann schwelgen wir gemeinsam in Erinnerungen.

Das wird mir gefallen. Dir doch auch, oder?

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Online Dating kurz gefasst
Leo Nerdette

5 Gründe, warum Online Dating nicht funktioniert

Alle elf Minuten… Die knallroten Plakate des Online Dating Portals, das Singles jeden Alters kennen, strahlen mir entgegen. Eines nach dem anderen, überlebensgroß. Sie säumen meinen Weg in die Stadt und täglich scheinen es mehr zu werden.

Attraktive Models lächeln von der Wand – mehr Frauen als Männer natürlich. Die Plakate wirken gut, schaffen Vertrauen.

„Ein seriöses Dating Portal“, denkt der Passant. „Vielleicht finde ich dort endlich den ersehnten Partner!“

Mir aber vergiften die Plakate den Morgenspaziergang ins Büro genauso wie abends die Fahrt zu Freunden. Denn Online Dating bringt mehr durcheinander, als wir gemeinhin denken.

Es tut nicht gut. Warum ist das so?

1. Verlieben oder Partner – was jetzt?

Alle elf Minuten verliebt sich ein Single über…

JA UND? Heißt das, dass Suchende sich mit diesem Portal schneller verlieben als anderswo?

Eine Million registrierte Mitglieder gibt der Portalbetreiber an, ein Jahr hat aber immer noch nur 525.600 Minuten.  Verlieben sich also pro Jahr 47.781 Singles. Ist das schneller? Schneller als was?

Nein, nein, nein, das ist nicht gemeint.

Gemeint ist, dass alle elf Minuten die Hormone rasen und ein Single Schmetterlinge im Bauch hat. Aha!

Ist das im (realen) Leben seltener? In Deutschland leben insgesamt 16, 8 Millionen Alleinstehende, wie oft verliebt sich denn nun einer/eine davon – so ganz ohne Dating App?

Wenn ich von mir ausgehe: Die Schmetterlinge flattern schon, wenn ich jemanden ansprechen soll, den ich toll finde. Reagiert sie/er zugewandt und nett, bin ich verliebt. Kurzfristig. Ich bilde es mir jedenfalls ein.

Doch die meisten Singles haben völlig etwas Anderes im Blick, wenn sie sich bei einem Online-Dating Portal anmelden. Sie sehnen sich nach Liebe, Beziehung und einem erfüllten Leben.

das sehnen nach glückMit genau diesen Sehnsüchten spielt Online Dating. Die Werbeplakate machen das deutlich. Perfid ist, dass für unser Kopfkino ein Satz genügt, der nichts aussagt und den wir mit nichts vergleichen können; kombiniert mit einem Bild von einem Model und dem knalligen Hintergrund. Den Rest reimen wir uns selbst zusammen:

  • Das Portal hilft mir, den/die Richtige/n zu finden
  • Die schaffen sicher schneller, was ich bisher nicht konnte
  • Das erleichtert meine Beziehungssuche, die Suche nach Zweisamkeit, nach Glück.

Zur Sicherheit lächelt Model vom Plakat, die unterschiedlich aussehen, damit die Werbung den Geschmack von möglichst vielen Singles trifft. Das unbewusste Sehnen löst ja nur jemand aus, der uns gefällt – und das schafft er/sie bei Menschen jeden Alters. Je mehr Models, desto größer die Zielgruppe.

2. Online Dating erhöht die Auswahl

Das ist doch gut! Je mehr Auswahl, desto besser das Ergebnis. Da finde ich bestimmt den/die Richtige .

Dieses Argument ist laut Statista der am häufigsten genannte Grund, warum Online Dating zunehmend beliebter wird. Leider ist es ein Trugschluß. Eine große Auswahl führt

  • zu innerer Lähmung. Wir können uns nicht mehr entscheiden.
  • zu schlechteren Entscheidungen. Der Auswahlstress ist so groß, dass das Gehirn sich nur nach einem einzigen Kriterium orientiert.

Dieses Phänomen bezeichnet die Psychologie als Auswahl-Paradox. Auf den Partnerschafts-Seiten zeigt sich das folgendermaßen:

Männer wissen zwar genauso gut, welche Eigenschaften ihre Traumfrau haben soll, wie jene Frauen, die Listen über ihre Traummänner führen, doch vergessen sie auf einem Flirtportal diese Ideen. Es zählt letztendlich nur ein einziges Kriterium: Die Attraktivität.

Wie Parship- und Elitepartner-Gründer, Arne Kahlke, in einem Interview in Magazin Die Zeit erzählt, finden Männer jeden Alters Frauen zwischen 20 und 30 am attraktivsten. Deshalb tummeln sie sich verstärkt in dieser Altersgruppe. Es spielt für viele von ihnen daher keine Rolle, ob sie aufgrund ihrer Erfahrungen, Wünsche und Lebensumstände mit Frauen anderen Alters besser zusammen passen würden.

Wenn wir Frauen jetzt glauben, wir wären weiser in unseren Entscheidungen, entäuscht die Praxis. Passiert einem Kandidaten nämlich ein Rechtsschreibfehler, ist das für viele von uns schon ein Ausschließungsgrund. Wie es scheint suchen wir mehrheitlich nach einem Akademiker mit Orthografiekenntnissen.

Tatsächlich ist es auch so: Frauen streben überdurchschnittlich oft nach dem gebildeten Ernährer. Dies hat eine Langzeit-Studie über das Verhalten von Online-Daterinnen herausgefunden. Und das, obwohl sie sich  selbst schon längst bestens versorgen können und eigentlich jemand wollen, der verständnis-, humor- und rücksichtsvoll ist. Würde nicht das evolutionstechnisch begründete Wahlkriterium „Ernährer“ den Ausschlag geben, würden wir uns für denjenigen entscheiden, der unser Leben bereichert.

3. Unterstützt sozial gestörtes Verhalten

Wer online Partner sucht, kann sich nicht wehren. Passt dem Gegenüber etwas nicht, bricht es häufig den Kontakt ohne Erklärung ab und wendet sich neuen Kandidaten zu. Es gibt ja so viele.

Online gilt das als „normales“ Verhalten.

Der Kommunikationsabbruch schwingt unangenehm nach, besonders dann wenn man nicht weiß, warum die/der Andere schweigt. Auf Dauer beeinträchtigt er sogar uns im realen Leben. Nach einigen Abbrüchen weigert sich unser Selbstbewusstsein , draußen in der Welt Leute anzusprechen, weil es von vornherein mit Ablehnung rechnet.

Verletzendes soziales Verhalten – massenhaft und täglich ausgeführt  – wird nicht menschenfreundlicher, weil es alle tun und viele es für normal erklären. Es verändert über die Jahre die soziale Kompetenz einer Gesellschaft.

4. Die Fehler hat der Andere

Die Suche scheitert, wieder und wieder… woran es liegt? Wir haben kaum Zeit, uns zu fragen. Sollten wir einmal innehalten und an uns zweifeln, schieben wir die „Fehler“ flott hinüber zum Anderen. Es wartet ja schon das nächste Profil, der vielversprechende Chat, ein tolles Foto.

Fehlertoleranz, Lachen über Missverständnisse, längeres Beobachten, ob eine Gewohnheit hinter schlechtem Benehmen steckt oder eher eine einmalige Verkettung von Umständen schuld daran ist – das alles findet online kaum Platz.

Je länger man in solchen Online-Dating-Plattformen Mitglied ist, desto abgestumpfter wird man. Ein neues Mitglied beantwortet anfangs noch alle Mails, doch nach einer Weile geht ihm die Luft aus. Nach einigen Wochen fängt die Selektion bei den Profilen an. Erst wenn alles passt, wird geantwortet.  Irgendwas findet sich immer:

Hat das witziges Motto nicht verstanden? Weg. Zu große Ohren? Weg. Zu viele Selfies in der Galerie? Weg. Einen Meter 70 groß? Weg. Kurze Haare? Lebt 200km weit weg? Entspricht nicht exakt dem, was du dir vorgestellt hast? Wegwegweg…

Perfektionismus hat nichts damit zu tun, den richtigen Partner für eine erfüllte Beziehung zu bekommen. Für genau die Beziehung, wie ich sie mir in meinen einsamen Stunden ausmale. Manchmal gleicht diese übrigens jener, die schon vor einiger Zeit zu Ende gegangen ist.

Nein, Perfektionismus ist meine eigene Weigerung voranzugehen. Online Dating hält mich davon ab hinzusehen, wie es zum Scheitern des Kennenlernens kam. Es liegt ja am Anderen. Ich muss nur den/die Richtige/n finden.

5. Online Singlebörsen fressen Zeit

Uhren bestimmen Mann„Vielbeschäftigt wie ich bin, bleibt mir wenig Zeit, einen Partner in der realen Welt zu suchen. Für mich ist Online Dating ideal.“

Ist es nicht.

Die Zeit, die es braucht, um durch Profile zu klicken, Nachrichten zu schreiben und nachzudenken, was witzig, interessant und verführerisch klingt, genau diese Zeit braucht es, sich mit jemanden beim Bäcker, in der Mittagspause, in der Bahn oder beim Sport zu unterhalten.

„Keine Zeit“ ist die beliebteste Ausrede unserer Zeit – für Unaufmerksamkeit, Rücksichtslosigkeit und die Angst unter Leute zu gehen. Manchmal haben wir tatsächlich viel zu tun, aber das hat wenig Bedeutung. Um jemanden kennen zu lernen, müssen wir einzig und allein neugierig und offen sein.

Das sind wir nicht immer gleich nach einer gescheiterten Beziehung – und manchmal auch dann nicht, wenn wir denken, wir wären schon bereit für eine neue. Online Dating hilft uns, die Augen zuzuhalten, damit wir da nicht so genau hinsehen.

Wir tummeln uns täglich im Portal. Anstatt ein erfülltes Leben zu genießen und Leute kennen zu lernen, führen wir uns ständig vor, was „fehlt“ und bilden uns ein, es online zu finden. Das gehört zur virtuellen Illusion.

Aber XYZ hat sofort den Partner fürs Leben gefunden!

Versteh mich nicht falsch: Ich weiß, dass man mit Online Dating Erfolg haben kann. Ich behaupte auch nicht, dass offline alles einfacher ist und wir digital ignorieren sollen. Nur ist Leben und Partnerschaft zu kostbar, um auf ein Online Dating Portal zu setzen.

Zukunft des Online Datings?

Matthew Hussey, DER Dating-Coach in USA, bezweifelt ebenfalls die Nützlichkeit der Online-Dating Portale, obwohl er und seine Kundinnen keineswegs digitalabstinent leben. Er träumt die Entwicklung im Dating-Business deshalb weiter.

Schau dir an, was die Zukunft bringt… 😉

Und schreib mir! Was hast du für Online Dating Erfahrungen gemacht?

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Küchentisch-Serien: Carrie Mae Weem’s Blick ins Alltägliche

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Carrie Mae Weems Küchentisch-Serien
Tipp

Küchentisch-Serien: Carrie Mae Weems‘ Blick ins Alltägliche

Carrie Mae Weems, Fotografin und Videokünstlerin – verewigt in der Blockbuster-Filmgeschichte:

Catwoman (Halle Berry)Was hat Carrie Mae Weems mit Catwoman zu tun? weiß nicht, wie sie mit den unzähligen Möglichkeiten eines Lebens umgehen soll.

Was werde ich mit meinem Leben anfangen? fragt sie eine Freundin.

Du kannst immer noch eine Künstlerin werden wie Carrie Mae Weems.

Eine Zeile nur in einem Dialog: Sie ist Ermutigung für Frauen, vor allem für kreative Frauen. Für diejenigen, die wie Carrie Mae Weems durchs Leben gehen, herrscht nämlich kein Mangel mehr an Ideen; sie haben die eigene Stimme gefunden, suchen im Alltäglichen das Besondere.

Was ein Küchentisch erzählt

Die Stärke von Carrie Mae Weems ist ihr Blick.

Er verwandelt das, was jede Frau kennt; etwas, das „gewöhnlich“, Teil ihres Alltags ist, bekommt eine eigene Geschichte, eine Existenz.

Wie oft sitzen wir am Küchentisch? Täglich, zwei, dreimal – mindestens. Wir sitzen oft und meistens auch gern in der Küche, dem gemütlichsten Platz unseres Zuhauses.

Wie oft aber denken wir tatsächlich an ihn, den Tisch? Überlegen wir uns jemals, was er im Laufe der Jahre erlebt? Welche Geschichten könnte er erzählen?

In den Küchentisch-Serien  (Kitchen Tables Series) lässt Carrie Mae Weems den Tisch erzählen, was Zusammenleben mit den Jahren bedeutet. Die Künstlerin fotografiert, was täglich vorgeht, was auf ihm und um ihn herum geschieht. Dadurch sagt sie auch ohne Worte viel.

Die Kitchen Tables Series seien Resultat eines Umzugs in eine Kleinstadt.

Carrie Mae Weems: Ich habe damals viel darüber nachgedacht, was es bedeutet, eine eigene Stimme zu entwickeln.

Ihre Fotografien waren eine Art Antwort darauf, was sie sich selbst fragte. Sie sollen zeigen, was ihrer Meinung nach eine eigene Stimme ausmacht. Was braucht es, um sie als eigene zu erkennen?

Sie muss allgemeingültig sein,

… darf nicht bloß eine Stimme für afroamerikanische Frauen sein

Deshalb schaut Weems bis heute allen Frauen ins Leben.

Warum Frauen die eigene Stimme vergessen

Mit acht Jahren ist den meisten Mädchen klar, dass ihre Stimme zählt. Sie haben ein Wörtchen mitzureden, wenn es um sie selbst geht. Sie wissen also um ihre Pläne, ihre Vorlieben, ihre Zukunft – vertrauen ihrem Ausdruck, vertreten ihre Überzeugungen.

Leider vergessen die meisten Mädchen diese Stimme im Laufe der Pubertät – andere, vermeintlich wichtigere Fragen verdrängen sie.

  • Was denken die Andere von mir?
  • Was kommt bei Jungs an?
  • Bin ich zu dick?
  • Esse ich das Richtige?
  • Mag mich die Gruppe?

Die eigene Stimme verschwindet oft mit all diesen Fragen. Um sie wieder zu finden, brauchen Frauen brauchen oft viel Zeit.

Carrie Mae Weems zeigt ihnen, wie sie sich selbst schneller wiederfinden: Mit einem Blick auf das Besondere im Alltäglichen.

Dafür muss eine Frau nicht einmal weit gehen. Es reicht der Weg zum Küchentisch.

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Der dumme Kaufmann wettet
Nebiga

Als der dumme Kaufmann wettete

Es lebte einmal ein dummer Kaufmann in Jaipur, Indien. Der war so dumm, dass ihm das Gold hinterherlaufen musste, damit es sich vermehren konnte.

Dieser Kaufmann beschloss eines Tages seine Frau heim zu holen. Geheiratet hatte er sie, als sie noch ein Kind war – vor sechs Jahren war das. Oder waren es acht? Es strengte ihn an, sich zu erinnern. Das Mädchen, das seine Frau war, lebte sowieso noch in Laslot bei ihrem Vater. Und das war bis jetzt gut gewesen… denn der Kaufmann konnte keine Änderungen vertragen und solche, die seinem Haushalt störten, schon gar nicht.

Aber nun war seine alte Amme gestorben. Die Frau, die alles von ihm gewusst, für ihn gesorgt und natürlich auch seine Dienerschaft dirigiert hatte. Plötzlich fand er, dass ihm die Gesellschaft seiner Frau doch gut tun würde – und es für sein Wohlbefinden unerlässlich sei, dass sie nach dem Rechten sähe.

So brach er auf und reiste nach Laslot.

Wie er seine Frau holte

Gib mir meine Frau! Ich will sie mit nach Hause nehmen, sprach er, kaum hatte er das Haus seines Schwiegervaters in Laslot betreten.

Sei doch nicht so ungeduldig. Setz dich, lass dich bewirten! Erzähl, wie ist es dir ergangen?

Keine Zeit, widersprach der dumme Kaufmann. Ich will nicht länger von zuhause weg bleiben als nötig. Zu erzählen habe ich nichts: Der Tag kommt, der Tag geht. Dazwischen passiert nicht viel.

Der Schwiegervater klatschte die Hände über dem Kopf zusammen. Der Kaufmann war sogar zu dumm zu erkennen, wann es Zeit war, höflich zu sein. Seufzend ließ er seine Tochter Namina holen.

Die ideale Frau für einen dummen Kaufmann

naminaNamina war zu einer hübschen jungen Frau heran gewachsen: Folgsam, tüchtig und nicht allzu klug.

Klüger zwar als es ihr Mann zu sein schien, fand der Vater, aber nicht so klug, um unfolgsam zu sein. Sie würde jedem eine gute Frau sein, auch für einen ganz anderen Mann als den dummen Kaufmann.

Und diese Frau hatte, kaum dass sie ihren Mann durch das Tor reiten sah, alles für die Abreise vorbereiten lassen. Ihre Kleider waren mittlerweile gepackt, Proviant aufgestockt und der Esel gesattelt. Namina war bereit, ihrem Mann nach Jaipur in ihr neues Heim zu folgen, als sie vor ihn trat.

Und das war gut so.

Ich hoffe, du bist fertig. Ich möchte keine Zeit verlieren.

So begrüßte sie ihr Mann. Namina ließ sich’s nicht verdrießen und nickte freundlich. Sie verabschiedete sich von ihrem Vater. Dem allerdings war das Herz schwer. Weniger davon, dass er ein Kind ziehen lassen musste, als davon, mit welchem Mann es davonzog.

Die beiden machten sich unverzüglich auf den Weg. Die Rückreise schien dem Kaufmann ein bisschen angenehmer als die Hinreise: Namina bereitete das Mahl, wenn sie lagerten; sang, wenn sie Wasser schöpfte; teilte bereitwillig ihr Lager mit ihm und schwieg, wenn er ob des beschwerlichen Wegs jammerte oder auch nur seine Ruhe wollte. Es war, als würde sie die Wünsche ihres Mannes spüren, als wüsste sie, was er wollte noch ehe er selbst selbiges wusste.

Mit ihr kann ich meine Tage verbringen! dachte der dumme Kaufmann bald und beglückwünschte sich zu seiner guten Wahl.

Man wird ja wohl noch wetten dürfen

Kurz vor seiner Heimatstadt lag das Dorf Kanota, das sie durchqueren mussten.  Dort saß am Rande eines Feldes ein Mann. Der schien auf sie gewartet zu haben, denn als sie an ihm vorbei wollten, sprach er den dummen Kaufmann an:

Wohin des Weges, edler Herr?

Was geht dich das an?

Ehrwürdiger, verzeiht, dass ich Euch angesprochen habe! Aber ich brauche Euren Rat.

Nun, es kam nicht oft vor, dass jemand den dummen Kaufmann um Rat fragte, und so ehrerbietig schon gar nicht. So neigte er huldig sein Haupt.

  • Sprich!
  • Was meint Ihr? Lebt in diesem Sanddornstrauch ein Hase?
  • Ein Hase? Ich sehe keinen.
  • So meint Ihr, da gibt es keinen?
  • Ja, wenn man keinen sehen kann, gibt es keinen.
  • Würdet Ihr darauf wetten?

Just in diesem Moment zupfte Namina am Ärmel des Kaufmanns. Er schüttelte sie ärgerlich ab.

  • Natürlich würde ich darauf wetten! Was man nicht sehen kann, gibt es nicht!
  • Gut, dann wetten wir. Läuft ein Hase aus dem Busch, wenn ich schüttle, bekomme ich deine Frau.

Und der dumme Kaufmann schlug ein. Er hatte ja recht – Was konnte ihm schon passieren?

Es kam aber wie es kommen musste. Der Mann schüttelte den Busch, ein Hase flitzte entsetzt heraus und der Kaufmann war seine Frau los.

Was war das Gejammere groß

Da musste er Namina nun mit diesem Fremden ziehen lassen.

  • Seine Namina, die ihm das schmackhafte Mahl bereitete.
  • Namina, die ihm Wasser schöpfte.
  • Seine Namina, die ihm mit ihrem Gesang unterhielt.
  • Namina, die das Lager mit ihm teilte.
  • Seine Namina, die ihm seine Wünsche von den Augen ablas.

Namina war nun verloren! Das Entsetzen des dummen Kaufmanns war groß und wurde größer, je länger er darüber nachdenken konnte und je weiter der Fremde mit seiner Frau von ihm entfernte.

Hilfe für den KaufmannUnd weil der dumme Kaufmann nicht wusste, was er jetzt tun sollte, folgte er den beiden. Während er so hinter ihnen jammernd durch das Dorf Kanota kam, hörte ihn eine kluge Alte. Was denn los sei, wollte sie wissen, weil er so jammerte. Da erzählte er von seinem Schicksal.

Wer erzählt, wird aber auch gehört: Die Leute im Dorf versammelten sich um den dummen Kaufmann und hörten gemeinsam mit der Alten zu.

Und weil der Fremde mit Namina am Dorfplatz eine kleine Rast machte, dauerte es nicht lange und die Leute holten die beiden, um ihre Version der Geschichte zu hören.

Ja, bestätigte der Fremde. Ja, der Kaufmann hat die Wette verloren! Der Hase ist aus dem Sanddorn gesprungen. Wir haben es alle drei gesehen.

Was redest du da für einen Unsinn, rief die kluge Alte. Mir gehört das Feld neben dem Busch. Im Sanddorn lebt, wie ich sehr gut weiß, kein Hase, nur eine Häsin. Ihr habt eine Häsin aufgeschreckt!

Da sah der Fremde seinen Wettgewinn entschwinden. Er schaute auf die Stirnen der Dorfbewohner, die sich runzelten und wusste, dass er verloren hatte. Beschämt ging er davon.

So bekam der dumme Kaufmann seine Namina zurück.

Und als Draufgabe zog die kluge Alte mit ihnen nach Jaipur.

Allein lassen – fand sie – konnte man diesen Kaufmann nicht!

Tipp für den 3. Dezember

Vorausgesetzt euch läuft das Gold nicht hinterher… ihr könntet es auch drucken. Oder reicht euch selbstgemachtes Weihnachtspapier?

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Im Internet gelernt
Leo Nerdette

Internet: Schon etwas Neues gelernt?

Das Internet hat durchaus seine Daseinsberechtigung. Darauf muss ich jetzt einmal hinweisen!  Auch wenn ihr zum Himmel blickt – „Na klar , was denn sonst,“ denkt und „Erzähl uns etwas Neues,“ sagt.

Da draußen gibt es Leute, die das Internet für eine Zeitfressmaschine halten. Vielleicht ganz praktisch zum Online-Shoppen, zum Ticket kaufen, Reise buchen, im Kontakt mit Familienmitgliedern und Freunden bleiben oder sich durch den Tratsch und Klatsch über Prominente klicken.

Bei all diesen Tätigkeiten frisst das Internet Aufmerksamkeit, genauso wie das gute, alte Fernsehen.

Diese Leute ärgert dieser Gebrauch des Internets, sie sprechen von Sucht, Aufmerksamkeitsdefizit und Erfahrungsarmut.

Zeitfressmaschine Internet

Stimmt das aber mit der Zeitverschwendung? Zahlen helfen manchmal, deutlicher zu sehen: Im Durchschnitt verbringen die Deutschen täglich zwei Stunden und acht Minuten im Netz – 20 Minuten mehr als noch 2015.

Unter 30-Jährige bringen es auf fast doppelt so viel Internetzeit: Sie surfen täglich etwas mehr als vier Stunden. 4 mal 7 = 28 Stunden also. Diese Zahlen stammen von der ARD/ZDF Online Studie. Die Postbank hat ebenfalls untersucht, wie lange Deutsche im Internet sind. Sie kommt auf 40 Stunden pro Woche – und das bereits 2015.

Gehen wir trotzdem von 28 Stunden pro Woche aus. Was machen wir in den 28 Stunden im Internet?
Infografik: Das machen die Deutschen im Netz | Statista

Netzwerken und Online-Shoppen wie es scheint, ein bisschen Streamen und Spielen, dazwischen noch schnell Finanzielles regeln oder telefonieren.

Oberflächlich betrachtet hat der Urvater des Internets, Tim Berners-Lee, durchaus erreicht, was er wollte:  Die Mehrheit nutzt soziale Netze.

Doch eigentlich wollte er nicht nur Personen miteinander verbinden, sondern vor allem den Informationsaustausch erleichtern.

Er wollte, dass die Wissenschafter mithilfe des Internets schneller voneinander lernen. Er wollte Forscher zusammenbringen, die an ähnlichen Themen arbeiteten. Er wollte, Lernen erleichtern. Die Idee ist nach wie vor großartig. Die Gelegenheit haben wir dank Internet sogar noch immer. Die Frage ist, ob wir sie wahrnehmen.

Jeden Tag etwas Neues

Die Herausforderung für uns: Entdecke jeden Tag etwas Neues – allerdings etwas, das Bedeutung für dich hat!

Das heißt nicht, dass wir die  zwei bis vier Stunden ununterbrochen nach etwas Bahnbrechenden suchen sollen. Nur einen Teil davon sollten wir dafür verwenden, über etwas nachzuforschen, das uns immer schon interessiert und nichts mit unserer Arbeit zu tun hat.

Damit es mir leichter fällt, habe ich für die nächsten 5 Tage ein Programm aufgestellt:

  1. Entdecke einen neuen Autor, Blogger oder Dichter.
  2. Lerne etwas über eine Stadt, die du schon immer besuchen wolltest.
  3. Lese etwas über ein Kunstwerk, das dir immer schon besonders gefallen hat.
  4. Erkundige dich über einen Alltagsgegenstand (Woher kommen die Löcher im Käse z. B.).
  5. Erforsche eine Idee, die schon länger in deinem Kopf herumspukt.

Da ich aber nicht bloß Herumsurfen will, habe ich noch zwei action item, wie es so schön Neudeutsch heißt hinzugefügt – zwei zusätzliche Aufgabe also:

  • Im Notizbuch die Fakten notieren!
  • Im Blog verarbeiten.

Wenn du bei dieser Internet Challenge mitmachen willst, melde dich unter redaktion@nebiga.net

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Süchtig nach Medien

Süchtig sind sie, die Millenials! Und alle, die danach geboren sind, sowieso!

Gemeint ist das süchtige Verhalten gegenüber dem Computer, dem Smartphone; die Sucht in Facebook, Twitter, Tinder und anderen Social Media Diensten stets präsent zu sein.

Hurra!

Ich habe das Thema für den 28 Days of Blogging Artikel gefunden!

Jetzt brauche ich eure Hilfe! Sagt mir doch, was ihr denkt!

Schreibt einen Kommentar und beantwortet die folgenden Fragen:

  • Wann ist jemand mediensüchtig? Welches Verhalten wäre für euch bedenklich?
  • Was tut ihr, um bei euch „Suchtverhalten“ vorzubeugen?
  • Wie war das bei deinen Eltern? Waren sie Medien gegenüber „suchtfrei“?

Danke! 🙂

Hexen aus dem Moor
Nebiga

Die Hexen aus dem Moor: Ein Männer-Märchen

Ein Moor fordert seinen Tribut: „Wer seinen Fuß auf trüben Grund stellt, ist zu Recht verloren“ Genau dieser Gedanke beherrscht ihn jetzt, da er merkt, wie der Boden unter ihm nachgibt. Die Rettung wäre, auf den Weg  zurück zu springen, doch er kann den schmalen Pfad nicht mehr erkennen.

Hört er tatsächlich jemand im Nebel kichern? Er lauscht; der Sturm trickst ihn aus: War es Lachen oder das Rauschen der Blätter? Letzteres vermutlich, denkt er. Wieder versucht er, ein Bein aus dem wabernden Boden zu stemmen. Dabei sinkt das andere tiefer.

In Gedanken zählt er die Jahre…

Drei sind es – drei! Im August 2013 besiegelte er den Deal. Mit einem  Handschlag! Ist die Zeit tatsächlich so schnell vergangen? Rächt sich die Hexe aus dem Moor? Geahnt hat er, dass es so weit kommen würde, gefürchtet… nein, gewusst, dass sein Handel Folgen haben würde. Er kennt die Mär:

Plötzlich – zwei kalte, knöcherne Arme griffen nach ihm, legten sich um seinen Hals. Jan konnte sich nicht befreien und der Boden schien unter seinen Füßen immer mehr nachzugeben. Da schrie er aus Leibeskräften „Hilfe! – Hilfe!“ Aber es nutzte nichts, der Sturm zerriß sein Rufen in kleine Fetzen, niemand weit und breit, der ihn hätte hören können. Es ward ernst. Die Moorhexe war´s, die ihn fest im Griff hatte. Die drei Jahre Bedenkfrist waren rum und weil Jan nicht mit der jungen Hexenbraut auf dem Moor leben wollte, zog die Mutterhexe ihn mit sich hinab in die unergründlichen Tiefen des Moores ins Moorhexenreich.

Das Märchen von Jan Termöln un de Moorhexen erzählen sich gerade jene gern, denen das Moor Lebensinhalt ist. Es  dient ihnen in späten Stunden zur Unterhaltung; in ihren Wanderungen durchs Moor aber hat es noch eine andere Funktion: Es warnt vor den Naturmächten. Ja, vorsichtiger hätte er sein sollen: Die Geschichte hätte ihm Warnung genug sein, hätte ihn endgültig davon überzeugen sollen, wen er unter allen Umständen im Moor meiden muss.

Doch welcher Wissenschafter glaubt schon an Märchen…

Die alte Moorhexe hext im Teufelsmoor herum

Winterbaeume vor mooriger Felder und einem FlussAn jenem Tag im August als er der Moorhexe begegnete, leuchteten die nahe gelegenen Berge am  blauen Horizont. Ihm brannte die Sonne ins Gesicht. Er kniff die Augen zusammen, atmete die feuchte Luft, fühlte den Wind. Unbekümmert lachte sein Herz. Nichts Bedrohliches hatte das Moor, als er auf die Alte traf. Er dachte, ihm könne nichts auf der Welt schaden – entschloss sich,  auf diese einzugehen.

Seltene Funde versprach die Hexe aus dem Moor.

Das einzige, was er dafür tun müsste, wäre, ihre Tochter aus dem Hochmoor herum zu kriegen.

Er hatte schon so lange von Opfergaben aus alter Zeit geträumt! Von Zierrat, Töpfen und bronzenen Spangen im Torf. In seinem schönsten Traum grub er sogar eine Moorleiche aus. Deshalb hatte er auch die Bauern überredet, wieder mit dem Torfstechen zu beginnen. Gelockt hatte er sie mit den Worten: Gartenhäuser bezahlen gutes Geld für Torferde.

Er hatte nicht gelogen!

Die Moore Bayerns bergen so viele Geheimnisse. Nur einige davon aufzudecken würde ihn mit einem Schlag berühmt machen: Das  Bayrische Landesamt für Umwelt wäre sicherlich interessiert, ebenso das Biologie-, das Archäologie- oder das Geologie-Institut an der Ludwig-Maximilian-Universtät (LMU) oder das Moor- und Torfmuseum. So dachte er damals.

Und nun? Eiskaltes Wasser schwappt höher und höher. Seine Bewegungen verlangsamen sich, die Kälte kriecht mit dem Wasserspiegel, dringt tiefer durch die Haut, die Muskeln, bis auf die Knochen.

Hält die ganze Welt für dumm…

Rumkriegen, war das Wort, das er gebrauchte, als er in die Hand spukte. Den Deal mit der Hexe aus dem Moor besiegelte.

Rumkriegen konnte alles Mögliche heißen! Zwar hatte de oide Rutschn gejammert, keine Enkel zu haben. Dass auch Moorhexens Töchter Verpflichtungen hätten. Dass des Dirndl endlich heiraten sollte. Das ist wahr. Aber als er einschlug, sagte er Rumkriegen.

Er war gut darin! Was kümmerte ihn, wie die Tochter aussah? Einmal würde er die Augen schon zudrücken können.

Oamoi is koamoi, dachte er. Auch Trientje gegenüber… Trientje, seine verlässliche Freundin Trientje.

Unterstützte sie ihn nicht in Allem? Sie würde verstehen!

Im ersten Jahr: Ruhm, Geld und sowas wie Liebe

Im ersten Jahr lief alles gut: Er traf die junge Moorhexe noch im August auf der Rosenheimer Wies’n. Sie saß auf einer Holzbank, vor sich eine Mass. Kaum sah er sie, wusste er Bescheid. Trotzdem zögerte er überrascht. So a graisliche Matz war sie gar nicht: Rotes Haar, gertenschlank und blass – spitzbübisch, einem Kobold gleich. Er sprach sie an: So traurig allein?

Ihre Antwort wartete er gar nicht ab, zwängte sich zwischen sie und ihren Nachbarn. Jetzt nicht mehr, lachte sie.

Umgänglich fand er sie, einfach zu unterhalten. Er verbrachte mehr und mehr Zeit mit ihr, flirtete, machte sich ihr angenehm. Sie durchstreiften gemeinsam das Hochmoor, trafen sich in der Dorfkneipe. Am frühen Nachmittag, weil er es sich nicht mit den Mädchen aus dem Dorf verscherzen wollte. Auch nicht mit Trientje. So kamen sie sich näher und näher – es fehlte nicht mehr viel…

Eine Axt aus der Bronzezeit war sein erster Fund! Ziseliert, zweigeteilt, unbrauchbar – ein Kultgerät.

Wunderschön anzusehen.

Er zog sie aus dem Torf und wusste: Er war ein gemachter Mann.

Mit diesem Beil begann das Verhängnis.

Das zweite Jahr: Ein Meer der Tränen

Der Fund aus dem Moor brachte ihm erwartungsgemäß eine Festanstellung im Biologie- und eine Belobigung im Archäologieinstitut der LMU. Die Axt verhieß Ruhm. Sie verlangte aber auch Arbeit, wie alle anderen Funde auch: die Schmuckstücke, Kessel und Opfergaben. Er stürzte sich darauf. Je mehr Aufgaben er übernehmen konnte, desto weniger musste er darüber nachdenken, auf was er sich eingelassen hatte.

Er datierte sein Leben nach diesem ersten Fund. Es gab ein „Davor“ und ein „Danach“. Danach fühlte er sich ausgeliefert, machtlos und verkauft.

Was, fragte er sich, erwartete die junge Moorhexe, wenn er ihr zufällig über den Weg lief? Waren die Treffen im Marsch tatsächlich Zufall? Verfolgte sie ihn? Betrachtete sie ihn bereits als Eigentum? Lachte sie ihn aus, wenn er sie zu fliehen suchte? Andere Wege ging. Wenn sie sich trotzdem trafen; sie ihre Hand auf seinen Unterarm legte, war dies eine unaufgeforderte Einladung? Plante sie, ihn hinab zu ziehen? Gefangen zu nehmen? Seine Zukunft zu bestimmen?

Von nun ab wich er der jungen Hexe aus. Traf er sie versehentlich, erwähnte er Stress – die ungeheure Arbeitslast, die zusätzlichen Aufgaben im Institut. Ohne gefragt worden zu sein. Er warf ihr den Vielbeschäftigten vor die Füße, bevor er grüßte; glaubte damit, sein Abgelenktsein entschuldigen zu können. Glaubte, ihre Entäuschung fast körperlich zu spüren.

Was er jedoch vergaß zu erwähnen?

Er hatte Trientje gebeten, zu ihm zu ziehen. Zu seinem Schutz, so plante er… damit sie die Dorfmädchen von ihm fernhalte, sagte er. Die würden ihm nämlich zuviel. Die Bauern trugen weiterhin Torf ab, versorgten die Gartencenter – doch die Funde machten ihm bald keine Freude mehr.

Wenn er ehrlich ist – und wer ist das nicht im Angesicht des Todes? Wenn er jetzt also endlich ehrlich mit sich ist: Das schlechte Gewissen drückt, lähmt und würgt ihn seit dem zweiten Jahr.

Moor-See bei Sonnenaufgang, Bäume im HintergrundGrund war der See – der See am Hochmoor. Er wuchs langsam, hinter seinem Haus. Ein Meer aus Tränen, nannte ihn Trientje einmal. Das traf ihn im Innersten. Er wusste, dass seine Freundin recht hatte. So nahe dem Moor wächst ein See nur, wenn die dazugehörige Hexe weint.

Spätestens wegen dieses Sees war er sich sicher, dass er die junge Hexe aus dem Moor unglücklich machte. Eine Rückkehr zu den unbeschwerten Tagen mit ihr im Hochmoor waren unmöglich.

Nur nicht daran denken, war seine Devise. Verdrängen. Vergessen. Weitermachen. Das schlechte Gewissen begleitete ihn, verlangte mehr und mehr Raum. Es fror seine Schritte ein, hielt ihn fest umklammert. Sogar seine Fingerkuppen fühlten sich taub an. Er weigerte sich, andere zu berühren, vergrub sich in seiner Arbeit, ahnte, dass er auch Trientje verriet.

Schwieg. Flüchtete. Trank.

Im dritten Jahr: Düsteres, stilles Moor

Trientje war es bald leid, auf ihn zu warten. Sie suchte Arbeit. Ihm fiel es allerdings erst auf, als sich Tierleichen auf der Fensterbank sammelten: Die bläuliche Hülle einer Hochmoor-Mosaikjungfer, ein toter Moor-Gelbling, der Kadaver eines Moorfrosches.  Trientje schloß sich den Allgäuer Moorwelten an, ließ sich zur Moorführerin ausbilden. Sie spazierte im Sommer wie im Winter mit Touristen durch das Hochmoor, wusste plötzlich völlig unnütze Dinge, wie zum Beispiel mit welcher Geschwindigkeit Moore wachsen: 1 Millimeter pro Jahr, betonte sie.

Anfangs stellte sie noch Essen warm, später ernährte er sich von Döner und Asia Food. Er sah sie kaum noch und wenn, dann stritten sie.

In der Zwischenzeit wuchs der See hinterm Haus weiter. Manchmal erwischte er am Ufer Frauen aus dem Dorf. Auch sie weinten, füllten das Gewässer. Kaum aushalten konnte er es aber, wenn er von weitem die Moorhexe vorbeihuschen sah. Sie wich ihm aus, fand er. Im Moor traf er den Rotschopf kaum noch. Und wenn, war sie abwesend, beschäftigt – er empfand sie als abweisend.

Unverdaute Gedanken, halbvergorene Gefühle, verschwiegene Worte – das schlechte Gewissen umhüllte ihn. Im dritten Jahr erstickte es jede Regung. Er lebte von der Auswertung der alten Funde; die alte Hexe ließ ihn nichts mehr finden. Sie blieb stumm.

Er verdächtigte Trientje, andere Männer zu hofieren. Sie behauptete zwar, nur auf Versammlungen zu gehen. Gemeinsam mit den anderen Moorführern zu kämpfen! Jemand müsse sich stark machen für die Erhaltung der Moore, für die Renaturierung. Ballawatsch! Auf irgendeinen müsse sie stehen, sonst würde sie sich nicht so hineinknien.

Er brütete in seinem Büro. Sein eigenes Gewissen war ihm Grund genug, misstrauisch zu sein.  Seine größte Angst: Selbst seiner verlässlichen Trientje nicht mehr zu genügen.

Lacht sich schief und lacht sich krumm…

„Danach“ gab es natürlich auch ein paar schöne Momente: Stolz war er zum Beispiel auf seinen Ruf. Er könne übers Moor laufen , ohne davor Angst davor zu haben, in trügerischem Boden zu versinken, hieß es. Er folgte dem Licht der tanzenden Alten im Moor, verließ sich auf die Abmachung.

Wie heute eben auch…

Zur Strafe sinkt er, stetig: Das brakige Wasser reicht ihm mittlerweile bis zur Brust. Er steht still. Hofft, dass er das Sinken damit aufhalten kann.  Kurz nur, dann wird ihm klar: Richtig zu schaffen macht ihm die Kälte. Mit Eisnadeln bohrt sie sich bis auf die Knochen. Im Moor geht niemand völlig unter. Solche Geschichten gehören ins Reich der Legenden. Das Moor erstarrt seine Opfer, hüllt sie in Nebel und legt eine Decke aus Eis auf ihre Schultern. Diese Decke drückt die Gefangenen hinunter, macht zerbrechlich, winzig, hilflos – egal wie breit die Schultern sind.

Ihm wird plötzlich heiß.

Eingesunken zwischen Morast, halbverdauten Blättern, Zweigen und Tierresten steht er. Im Sumpf. Das wabernde Wasser gurgelt, schlägt Blasen, beginnt zu brodeln. Er schwitzt, zieht sein Hemd aus und wirft es zur Seite. Er sieht zu, wie es liegen bleibt, nicht versinkt. Ein Schritt und er wäre gerettet! Er schafft keinen Schritt mehr. Der blonde Hüne hat seine Stärke verloren. Schwach wie ein Kind fühlt er, wie sein Atem entweicht… seine letzte Kraft. Er fällt.

Das Moorlicht tanzt

  • Spinnst du, Mama?

Deutlich dringt diese Frage an sein Ohr. Träumt er? Sein Körper liegt wider Erwarten auf festem Grund.

  • Er hat uns betrogen!

Vorsichtig öffnet er die Augen. Neben ihm kniet Trientje, die blonde, schöne Trientje. Sie hält seinen Oberarm in festem Griff. Wo ihre Finger liegen, spürt er seine Muskeln. Sonst ist alles taub.

Drei Sonnenstrahlen bohren sich durch Nebelschwaden, bestrahlen zwei Gestalten – Schatten neben den Birken. Er schließt die Augen, öffnet sie wieder. Jetzt kann er den Rotschopf und die Alte ausmachen.

  • Betrogen? Wie das denn?

Bitte, denkt er. Nicht erzählen, nicht vor Trientje. Doch vergeblich: Die Alte lässt nichts aus. Er schielt verschämt zu Seite, windet sich.

Trientje runzelt die Stirn.

Moorlicht tinyUnd die Hexentochter aus dem Moor?

Die junge Hexe lacht…

  • Aber er ist attraktiv!

… lacht so herzlich, dass die Nebelschwaden ihren Vorhang heben, ein weiterer Sonnenstrahl blinzelt. Das Moorlicht tanzt.

  • Was, Mutter, soll ich mit einem, der sich im Moor verirrt? Angst vor seinen Gefühlen hat? Sie gar nicht benennen kann?

Er hält den Atem an. Die junge Hexe dreht sich ihm zu, als würde sie den fehlenden Hauch spüren. Sie blickt ihn nachdenklich an.

  • Warum hast du so spät geschrien, Jan? Der Sumpf verschlingt dich, wenn du die Augen vor ihm schließt!

Trientje räuspert sich. Der Rotschopf nickt der Moorführerin zu.

  • Gut, dass du mich gerufen hast! Er wird deine Hilfe wieder brauchen, wenn er sich verliert.

Verschwindet mit dem restlichen Nebel – wie ihre Mutter aus dem Niedermoor. Nur deren maulende Stimme weht noch nach:

  • Ewig Zeit hast du nicht, auch wenn du glaubst…

Er zittert jetzt – weiß allerdings nicht, ob vor Wut über seine Eitelkeit oder schlicht vor Erleichterung. Es braucht lange, bis ihn das Moorlicht wärmt. Bis Trientje fertig ist mit dem, was sie zu sagen hat.

Eine weitere Chance? Das müsse sie sich gut überlegen, meint sie. Erst sehen, wie er sich bewährt.

Morgens taucht er die große Zehe in den See

Seit diesem Tag wandert er jeden Morgen zum See. In der Hand hält er eine Tasse heißen Kaffees. Mit kleinen Schlucken wärmt er sich, taucht dabei seinen Zeh in den See. Die Wärme in seinen Handflächen gibt ihm Sicherheit.

Manchmal sieht er die junge Moorhexe. Sie weint… er grüßt. Meist lächelt sie zurück.

Es fühlt sich leicht an. Trientje hat es ihm erklärt: Traurig, sagte seine Freundin, traurig macht die Hexe nur das Sterben – das Sterben der Moore im Land. Er weiß, die Bauern zu überreden, das Torf nicht mehr abzubauen, wird dauern. Doch er kämpft dafür, an seiner Seite Trientje, die ein Auge auf ihn hat.

Sieht er den roten Schopf morgens aber im See schwimmen, denkt er schaudernd daran:

Wie kalt Wasser im Moor sein kann!

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Reden wir über Flüchtlinge
Nebiga

Gut. Reden wir über Flüchtlinge

Flüchtlinge kommen als Welle, als Flut und marschieren auf Grenzen zu. Sie stürmen Zäune, wälzen sich durch Staaten und lösen Krisen aus; sie  ängstigen Frauen, Kinder und die, die schon immer dort leben, wohin sie jetzt eben flüchten. Bilder wie diese entstehen in den Köpfen durch Monologe; Monologe in U-Bahnen, die  wildfremd Entrüstete Passanten entgegenschleudern. Monologe, die an Stammtischen, am Tresen im Café nebenan genauso wie beim Essen unter Freunden abgenickt werden – ja, sogar unter Freunden. Monologe, die jene, die tagtäglich mit Flüchtlingen arbeiten, mundtot machen. Ihr Mund ist ausgetrocknet von ständigen Widerworten, ihren Beschreibungen, wie sie das Leben mit Flüchtlingen erleben. Widerworte, die oft ungehört verhallen.

Andere Wörter schwirren herum, haben offenbar mehr Gewicht. Bekannte Kriegs- und Angstterminologie, Sätze wie Man wird doch noch sagen dürfen; Es ist nun mal eine ganz andere Kultur; die verstehen unsere Werte nicht; Flüchtlinge lungern herum, respektieren nicht… In der Presse  können wir alle Begriffen nachlesen, falls uns eine Platitüde oder ein Angstbild abhanden gekommen ist: Wort für Wort – und die Bilder verdichten sich, die Furcht dahinter wächst proportional mit. Sie hindert daran, im Sprachgewühl nach ihm oder ihr zu suchen, dem/der einen, dem „Flüchtling“: Wer kommt? Wer flieht? Wie ist der Mensch denn so?

Flüchtlinge sind… Kriegskinder, Asylanten

vielfältige FlüchtlingeZum Beispiel Fadi, der Junge, der vor mir sitzt und seine Zwillingsschwester liebevoll auf den Arm boxt, weil sie etwas Kluges sagt. Zwei Kurden aus dem Iran. Ismahan mit ihren bunten, weiten Röcken, ihren freizügig offenen Blusen, die alle mit Riesenblumen bedruckt sind. Rhana trägt in der Klasse nur Tschador. Beide Frauen kommen aus Somalia – zicken sich täglich an und arbeiten niemals in derselben Gruppe zusammen. Basil, der Bulgare mit seinen feingliedrigen Händen und seiner ungewöhnlichen Sprachbegabung, hat seinen Platz mitten in der Gruppe afghanischer Jungs gefunden. Es dauert gewöhnlich bis dieser Tisch sich füllt. Die Jungs kommen nicht pünktlich, verstehen nicht, warum das überhaupt von ihnen gefordert ist; Basil ist immer da. Der schon ältere Sami zählt gern vermeintliche Erfolge bei Frauen. Er telefoniert mitten im Unterricht „mit seiner Mutter“ und kommt morgens nicht gut aus dem Bett. Und Amit? Amit, der Syrer, setzt seine Mütze nicht ab. Er kam am Morgen nicht dazu, sich zu frisieren.

Wer wissen will, wie „Flüchtlinge“ ticken, muss warten können. Warten, bis sie diskutieren.

„Nein“, antworte ich auf eine beliebte Frage, die ich die Monate zuvor umgangen habe. „Nein, ich glaube nicht an Gott!“

Wer gerade tuschelte, die Augen zum Fenster hinaus schweifen ließ, verstohlen in seinem Handy wischte – vergisst sein Tun. Dieses Thema interessiert, betrifft die Jugendlichen; sie finden es zu wichtig, um es ignorieren zu können.

„Das gibt es nicht“, entgegnen die einen – entrüstet. Tarik nickt jedoch heftig, zustimmend. Er glaube nicht mehr an Allah, sagt er: „Der Glaube an Gott löst zuviele Kriege aus.“

Ausnahmslos hören sie zu, wollen ihre Ansicht kundtun, wollen gehört werden. Hände winken mir zu, andere unterbrechen einfach. Selbst die wenigen Frauen in der Klasse beteiligen sich, vertreten sich, finden Worte. Sie alle fühlen sich sicher genug dazu. Ein Gefühl, an dem wir zusammen arbeiten, seitdem sie hier in der Klasse sitzen. Dieser Raum ist ein vertrauter, sicherer Raum. Dieses Gefühl kommt allerdings nicht von heute auf morgen. Nicht nach den Erlebnissen ihrer Flucht; nicht nach Jahren der Unsicherheit in ihrem Land. Vertrauen muss wachsen. Ein Jahr ist dafür auch schon mal nicht lange genug.

Sobald wir über Gott, über Frauen, Männer, Geschlechterrollen und Lebensstile diskutieren können, ohne dass jemand aus Angst verstummt, weiß ich, dass diese Flüchtlinge angekommen sind. Dass sie ihren weiteren Weg in der Gesellschaft suchen und ihren Platz finden werden.

… auf der Suche nach einem besseren Leben

FlüchtlingSie haben nicht das Recht, hier zu sein. Sie halten sich nicht an die Gesetze, sind Kleinkriminelle und werfen ein Zwielicht auf diejenigen, die wirklich Hilfe brauchen. Verdächtig sind Marokkaner, Griechen, Bulgaren, Albaner, Mexikaner… Slawen und Lateinamerikaner generell und auch noch alle anderen, die aus ihrem Land auswandern, nur um ein besseres Leben in einem anderen zu suchen. Diebsgesindel nannte man sie in der Zwischenkriegszeit und gemeint waren oft die jüdischen Einwanderer aus dem Osten. Wirtschafts-Flüchtlinge heißen sie heute. Sie flüchten ja nur aus wirtschaftlichen Gründen und landen bei uns, die wir doch auch nicht genug haben, sagen die „guten Bürger“ verärgert, verunsichert. Das Ziel dieser Flüchtlinge sei es einzig und allein den Sozialstaat auszunützen.

Zu diesen guten Bürgern zählt sich auch der Busfahrer, der seine Aushilfstour im kleinen Café des Ortes unterbricht. Er hat sein ganzes Leben lang gearbeitet. Sogar jetzt, in der Pension, hilft er noch aus. Weißhaarig sitzt er mit seiner frisch gebügelten Uniform am Holz-Tresen, vor sich den Cappucchino und lamentiert. Darüber, dass das Geld hinten und vorne nicht reicht, dass der Staat zuviel Steuern abzwickt, um es dann den Flüchtlingen hinterher zu tragen. Dass eben diese Flüchtlinge ja nur kommen, weil sie wissen, dass für sie gesorgt ist. Sein Sermon ist nicht zu überhören: Das Café ist zu klein, als dass man sich taub stellen könnte. Bald beteiligen sich andere Gäste, auch die Kaffeebesitzerin, an seiner Einschätzung der Weltlage – in Deutschland, in der EU. Sie stimmen zu, tragen mit ihren kleinen Alltagsgeschichten bei. Quintessenz: Dem kleinen Mann gehe es generell nicht gut, er müsse jetzt auch noch für die Flüchtlinge aufkommen, nur weil Angela sie eingeladen hat.

Die Sonne brennt mir unbarmherzig ins Gesicht. Ich wende der Fensterfront den Rücken zu, sehe direkt zum Tresen hin.

Wie schlecht es den Leuten in Deutschland heute tatsächlich geht, illustriert der Busfahrer mit der Geschichte über seinen Neffen, von Beruf Rettungsfahrer. Wegen der hohen Steuern, der Schichtarbeit und der unübersichtlichen Verwaltung in den Krankenhäusern sei es kein leichtes Leben. Hier in Deutschland. In Norwegen aber! In Norwegen sei alles besser!

Die Vertretungen sind hervorragend organisiert, die Mitarbeiter werden über ein gemeinsames Pool verwaltet. Das funktioniert bestens! Der Lohn ist natürlich wesentlich höher, denn die Norweger haben noch einen Sozialstaat. Steuerlich sieht es auch gut aus. Weil der Neffe Deutscher ist, fallen diese nicht so hoch aus.

„Ein Wirtschaftsflüchtling also“, unterbreche ich.

Aber nicht doch: Das ist etwas ganz Anderes!

Flüchtlinge brechen Gesetze

Das Thema Flüchtlinge spaltet sogar Immigranten, Freunde. Sie haben in einem anderen EU-Land studiert, arbeiten jetzt dort und leben noch zusammen in der WG. Der Riss geht mitten durch – es steht 2:2 am Tisch. Ich bin das Zünglein an der Waage, höre mir an, worüber die Freunde streiten.

„Flüchtlinge – refugees – halten sich nicht an Gesetze, kommen illegal ins Land“, ärgert sich das eine Paar. „Die sind nicht so wie wir.“

Wir sind hierher gekommen, wir arbeiten, wir haben Papiere, wir verdienen genug, zahlen Steuern. Wir haben das Recht, hier zu sein.

„Flüchtlinge müssen erst dahin kommen, wo wir schon sind“, hält das andere Paar dagegen. Sie brauchen Sicherheit, natürlich gehen sie in das Land, wo sie sich am sichersten fühlen. Bulgarien, Ungarn, Griechenland – das sind keine sicheren Länder, schon gar nicht, wenn Flüchtlinge sich registrieren müssen. Die Situation sei doch ähnlich, ist wie unsere, betonen sie. Immigranten und Flüchtlinge seien fremd im Land!  Warum könnt ihr das nicht sehen?

Abend für Abend versuchen die einen die anderen davon zu überzeugen:

das patt beim Thema Flüchtlinge

  1. Immigranten sollten zumindest Verständnis dafür haben, dass Flüchtlinge unsicher und misstrauisch sind; sich nicht registrieren lassen wollen. Man bräuchte doch nur die eigene Lage genauer ansehen. Auch für Immigranten gilt, was Hannah Arendt über Flüchtlinge schrieb: Wir haben unsere Sprache verloren und mit ihr die Natürlichkeit unserer Reaktionen, die Einfachheit unserer Gebärden und den ungezwungenen Ausdruck unserer Gefühle. Unsere Identität wechselt so häufig, dass keiner herausfinden kann, wer wir eigentlich sind. […] und das bedeutet den Zusammenbruch unserer privaten Welt. (Aus: Hannah Arendt: We Refugees) Dieses Gefühl ziehe Misstrauen nach sich.
  2. Das andere Paar, darunter die Juristin der Freundesrunde, beharrt auf das Einhalten des Schengenabkommens. Darauf, dass Flüchtlinge sich an den Außengrenzen registrieren lassen, damit die EU-Staaten das Wandern unter Kontrolle halten können. Solange Flüchtlinge dies vermeiden, seien sie illegal im Land. Gesetzesbrecher – und damit abzuschieben.

Ein Patt.

„Wie definiert die Runde eigentlich, wer ein Flüchtling ist?“, frage ich. Wir suchen im Internet.

„Als Flüchtling bezeichnet man eine Person, die ihre Heimat gezwungenermaßen verlassen musste und in absehbarer Zeit nicht dorthin zurückkehren kann“, heißt es in Wikipedia. Ob dies aus Kriegs-, Verfolgungs- oder Wirtschaftsgründen passiert, ist in dieser allgemeinen Definition völlig unwichtig. Die Würde des Menschen, seine Sicherheit, seine Existenz ist ausschlaggebend. Menschenrecht zählt.

Im juristischen Sinn der Genfer Flüchtlingskonvention aber ist nur Flüchtling, wer

[…] aus der begründeten Furcht vor Verfolgung aus Gründen der Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will; oder der sich als staatenlos infolge solcher Ereignisse außerhalb des Landes befindet, in welchem er seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte, und nicht dorthin zurückkehren kann oder wegen der erwähnten Befürchtungen nicht dorthin zurückkehren will. (Artikel 1 Genfer Flüchtlingskonvention)

Erst wenn wir verstehen, dass Gesetze von Menschen gemacht und Abkommen von Juristen getroffen worden sind und sich verändern lassen, erst dann dürfte unsere Verantwortung völlig klar sein:

Im Zentrum muss der Mensch stehen, der flüchtet: Ein Flüchtling eben.

Ohne Welle, Flut oder Krise.

@SCommIntercultural
Der bösen Schwiegermutter das Wort
Nebiga

Der bösen Schwiegermutter das Wort

Schwiegermutter: So beschimpfen mich manche. Böse sei ich, sagen sie, eifersüchtig wäre ich von Anfang an gewesen – neidisch auf die Schönheit einer der ihren, einer Sterblichen! Was die sich nicht alles seit Jahrhunderten zusammenreimen! ICH – wütend, weil manche Menschen damals behauptet hätten, das Mädchen Psyche wäre schöner als ich; ja es sogar einige unter ihnen gab, die deren Reinheit anbeteten; Psyche Blumen vor die Haustür streuten.

Was wissen diese Menschen denn? Nur, weil ihnen der Schreiberling Apuleius seine Version erzählte – dieser Dichter, der doch nur ein Sprachrohr meines größten Widersachers Apollon war –  ein Schwätzer, ein Lügenverbreiter.

Aber ihr glaubt ihm natürlich, ihr Sterblichen. Ihm und all seinen Nachfolgern. Ehrlich, was für eine armseelige Vorstellung ist das denn? Könnt ihr euch nichts Anderes ausdenken? So – und offenbar nur so – kennt ihr es. Von euch selbst. Ihr interpretiert Psyches Geschichte um, macht mich zur einzigen Ursache ihres Schicksals; passt ihr Leiden eurem schwachen Weltbild an. Wart ihr etwa dabei? Habt ihr gesehen, gefühlt, erfahren?

Nein!

Ihr kennt das Märchen von Amor und Psyche nur vom Hörensagen und seht offenbar keinen Grund das Lügengespinst zu hinterfragen. Ein Märchen war es damals, als Apuleius es aufschrieb, sonst nichts. Nicht einmal ein Märchen… ein Lügengeflecht… ein Propagandagedicht! Ihr habt vergessen, wer ich wirklich bin, wer Cupido, wer Apollon. Ihr habt uns sogar andere Namen gegeben: Venus, Amor, Apollo. Das Orakel von Delphi hat auch noch das seine dazu beigetragen. Aber… was tun die denn anderes, als Lügen zu verbreiten? Als  wüssten sie – gerade die! Sie wissen schon so lange nichts mehr. Schon seit damals, als Apollo meine Seherinnen umbringen ließ…

Als Schwiegermutter sage ich euch

Schönheit vergeht, gerade bei den Sterblichen! Und was bleibt? Charakter. Nur der. Wie sollte Psyche aber einen solchen entwickeln, wo sie doch den ganzen Tag in ihrer Kammer in Algier herumsaß und sich die Augen nach einem Geliebten leer weinte; sich sehnte, nach einem, der sie und nicht nur ihre Schönheit lieben sollte.

Ach geh…

Besser wäre gewesen, sie hätte sich die Augen nach einem ausgeweint, von dem sie glaubte, ihn selbst zu lieben. Das nämlich bildet!  Nichts bildet so sehr – den Charakter…

Sie hätte sich aufmachen sollen, zu lernen, sich selbst zu vertrauen. Doch dafür hätte sie einen besonderen Mann gebraucht; einen, der weder dem gängigen Schönheitsideal entspricht,  noch göttlich ist; einer, der durchschnittlich oder hässlich, männlich, aber nicht dumm ist, dessen Interessen nur eben fern von den ihren liegen.

Einen, auf den sie warten müsste, stundenlang, weil er vergessen hat, sie zu treffen, weil er zu arbeiten hat, weil er andere Frauen trifft; einen, der trinkt, dem Männerfreundschaften wichtiger sind als ein Abend mit ihr; einer, der sie schlägt, der achtlos ist, der lieber Sport macht oder Gefährte repariert. Ach, es gibt unzählige Spielarten!

Schlicht einen, der ihr die Augen öffnen konnte; ihr zeigen würde, wie wichtig es ist, unabhängig – bei sich selbst – zu sein und ihr eigenes Leben mit Freude zu füllen. Ihr Leben täglich mit allen Facetten zu genießen. Nur dann nämlich würde sie überhaupt den Mann finden können, der sie tatsächlich liebt – nicht nur ihre Schönheit!

Zu dieser Erfahrung wollte ich ihr verhelfen: Ich wollte, dass sie sieht, wovor sie sich hüten muss: Wahllos irgendjemandem ihr Leben zu schenken… schon gar nicht jemandem, der es nicht wert ist, weil er ihr Leben nicht achtet!  Das aber konnte sie nur durch einen Menschen erfahren, von dem sie glaubte, ihn zu lieben. Zu einem solchen sollte ihr mein Sohn verhelfen, damit sie sieht…

Was aber tat Amor?

Er verliebte sich selbst in sie – er, ein Gott, kein Sterblicher, kein normaler Mann, ein allwissender, göttlich-machtbesessener. Dann wollte er sie gleich auch noch besitzen; ohne ihre Zustimmung entführte er sie. Umgehend und ohne über Konsequenzen nachzudenken. Er war ja verliebt.

Als ob das irgendetwas entschuldigen würde!

Psyche lernte – entführt und entehrt – meinen Sohn zu lieben… ja, doch, was blieb ihr auch Anderes übrig? Amor versteht etwas davon, eine Frau die Nächte genießen zu lassen. Was diese unerfahrene Liebe allerdings für beide bedeuten würde, das konnten sie nicht vorhersehen: Das Techtelmechtel ging solange gut, bis Psyche Amor ins Gesicht sah. Ihn erkannte. Sah, was und wie mein Sohn tatsächlich ist. Das verträgt ein Gott nicht, das verletzt ihn. Das macht ihn zu menschlich. Wohin floh Amor damals vor diesem Blick? Zu Muttern! Aber nicht, dass er mir etwas erzählt hätte!

Ein Tropfen Kerzenwachs hätte ihn verletzt… also bitte! Eine schwächere Ausrede hätte ihm kaum noch einfallen können!

Er verkroch sich in sein Zimmer, schlich mit Leidensmiene herum… Er kam nur dann aus seinem Zimmer, wenn er was brauchte. Wenn ich fragte, was er hätte, bekam ich ein schmollendes „Nichts!“. Dass das „Nichts“ in meinem Haus die Stimmung verdarb, störte ihn nicht.

Psyche war wesentlich geschickter

Sie ahnte, dass ihr bei Liebeskummer nur eine Frau helfen konnte, eine erfahrene: Deshalb kam sie zu mir – der Schwiegermutter in spe. Sie bat um Hilfe. Sie liebe Amor, sagte sie, wolle ihn, wie er war. Sie dachte allerdings an eine Verbindung in Augenhöhe. Ich entdeckte den Keim zur doch noch möglichen Charakterbildung und war entschlossen, ihn zu nähren, ihn wachsen zu lassen: Psyche sollte sich selbst vertrauen lernen!

Ein Gott wie Amor brauchte eine Göttin als Partnerin; eine Unsterbliche, die ihm Grenzen setzen konnte. Eine, die mit ihrer Ewigkeit auch ohne ihn etwas anzufangen wusste – und nicht eine sterbliche Seele, deren Schönheit durch vergebliches Warten vergehen, die ohne Freude dahinsiechen und letztendlich sterben würde.

Das war dem Mädel natürlich noch nicht so ganz klar, aber sie murrte trotzdem nicht.

Drei Aufgaben stellte ich – nicht mehr

Drei, nicht vier, wie mir der Lügenbaron, Apuleius, später unterstellte:

  1. Psyche sollte binnen Tagesfrist einen Berg aus Gerste, Mohn, Hirse, Weizen und Erbsen verlesen. Sie holte Hilfe – das kluge Kind. Sie rief die Ameisen, die ihre Aufgabe erledigten. Korn und Samen nach Sorte getrennt auf Häufchen stapelten.
  2. Zur Locke der Schafe vom goldenen Vlies verhalf ihr der Fluss. Sie selbst betörte ihn mit ihrer Klug- und ihrer Schönheit.
  3. Was ich wegen dieses Tropfens aus der Quelle, die von einem Drachen bewacht wird, sagen möchte: Wenn selbst Götter vor diesem Drachen zurückschreckten… wie sehr wäre Psyche unter ihnen geachtet worden, hätte das Mädchen zum rechten Zeitpunkt begriffen…. hätte sie bloß Apollos Behauptung, ihr geholfen zu haben, von Anfang an zurückgewiesen! Denn geholfen hat er wahrlich nicht! Der Gott der Dichtkunst rührte nicht einen Finger, obwohl es seine Anhänger immer wieder behaupten. Psyche überlistete den Drachen selbst. Sie allein bat den Adler des Zeus, ihr zu helfen, sie zur Quelle zu bringen. Und der Adler half, weil es seine Natur war.

FreiheitDoch noch war das Mädchen zu jung, zu schwach. Sie konnte ihre eigene Leistung nicht erkennen! Zu zögerlich war sie, um ihr Können wert zu schätzen. Zu unerfahren mit göttlichem Werk! Und schon nutzten andere ihre Zweifel, ihre mangelndes Selbstvertrauen!

Apollo hätte auch hier geholfen. Ja klar, ausgerechnet… Als könnte der Gott der schönen Worte der Natur befehlen? Hah – diese Macht hat er nicht und wird er auch nicht bekommen, ewig nicht.  Er kann die Natur besingen, gern. Aber mehr ist nicht! Da nützt es ihm auch nicht, das Orakel von Delphi erobert und meine Priesterinnen getötet zu haben. Da können die Usurpatoren – seine Priester – erzählen, was sie wollen. Tatsache ist: Die Herrscherin der Natur bin und bleibe ich. Weiblich. Und Psyche gehört zu uns, ist eine Frau!

Die vierte Aufgabe

Die vierte Aufgabe war in Wahrheit überhaupt keine Aufgabe. Die Büchse mit Proserpinas Schönheit sollte nicht für mich sein. Was sollte ich mit Proserpinas Schönheit aus der Unterwelt? Ich bin ja schon die Göttin des Todes! Er ist Teil meiner unsterbliche Schönheit! Die Büchse war kein von mir geplanter Verrat! Ein Quentchen dieser Schönheit hätte Psyche unsterblich gemacht.

Ach, hätte das Mädchen ihre Neugier nur eine kleine Weile bezähmen können! Gerade so lange bis es wieder an der Oberwelt gelandet wäre! Ja, dann hätte Psyche ihre Göttlichkeit aus eigener Kraft geschafft. Leider war Diskretion nicht gerade ihre starke Seite! Das hatte sie ja schon bei Amors Bitte bewiesen, ihn niemals direkt anzusehen. Dass diese Sterblichen so furchtbar neugierig sind…

Ein Blick nur genügt – schon wandelt sich die ganze Geschichte.

Psyche versank in todesähnlichen Schlaf

Kaum glaubte mein Sohn, seine Geliebte auf ewig verloren, wurde er aktiv. Er flehte mich an, bettelte, bat und schmeichelte. Amor nämlich besitzt die Macht nicht, Leben zu schenken. Noch so eine Lüge der Orakelverdreher, Dichter und Poeten. Da braucht der Gott der Liebe schon Muttern dazu. Und ich gab nach.

Der nächste Schritt war ein Fehler. Diesen Schritt bereue ich bis heute! Oh, und wie ich ihn bereue… jeden Tag.

Ich erweckte das Mädchen, ohne dass ich selbst vor ihr erschien. Ja, ja… ich war zu faul, ich gebe es zu. Ich war Amors Gebettel leid, wollte meine Ruhe. Um keinen Preis wollte ich reisen… noch dazu an so ungastlichen Ort. Ich ahnte ja nicht, wie hoch der Preis tatsächlich sein würde! Ich kam nicht auf die Idee, dass Amor seiner Geliebten beim Aufwachen nicht die Wahrheit sagen, ihr einreden würde, sie verdanke ihm und Apollo alles.

Das I-Tüpfelchen setzte Zeus. Auch das hätte ich wissen müssen: Männer unterstützen sich gerne bei ihren Machtgelüsten – Götter sind da keine Ausnahme, da braucht man nur Hera zu fragen. Zeus machte das Mädchen zur Göttin von seinen Gnaden!

Was schlimm genug ist! Wo bleibt dabei das eigene, weiblich-göttliche Selbst!

Dann verheiratete er Psyche auch noch mit dem Lügenbeutel, meinem Sohn. Das Mädchen konnte gar nicht aus freien Stücken wählen. Sie hat in der Unterwelt vergessen, vergessen, was sie geleistet, wofür sie gekämpft und gestritten hatte. Für ihre Göttlichkeit, ihre Freiheit, ihre Lebenslust. Psyche gehorchte vor Zeus und den anderen – erduldet bis heute, weil sie sich abhängig glaubt.

Als Schwiegermutter aber weine ich täglich heiße Tränen…

Psyche vertraut sich nicht mehr!

  • Heute werkt sie in Amors Haus, gebiert ihm seine Kinder. Kocht, putzt, wäscht und wartet –  wartet Stunde um Stunde: mit dem Essen, mit dem Schlafen oder darauf, dass er sie in die Stadt mitnimmt… wartet sehnsüchtig darauf, dass Amor sie wieder schätzt, so aufmerksam ist wie früher. Sie vergeudet ihr Leben.
  • Manchmal findet sie sogar Arbeit, aber übt sie nur solange aus, solange Amors Bequemlichkeit nicht leiden muss.
  • Ohne Hidschab geht sie nie aus dem Haus. Ihre Schönheit, sagt sie, hebe sie auf – für meinen Sohn. Sie sei ihm so unendlich dankbar… dass er sie genommen, sie gerettet hat.

Amor, weiß ich, hat mittlerweile beides satt: Psyches Schönheit und ihre Abhängigkeit. Wie ich höre, vergnügt er sich in der Stadt.

Er denkt, sagt er, über eine zweite Frau nach. Eine, die Psyche ersetze, ihn herausfordere, ihr eigenes Leben lebe…

„Eine, die von mir unabhängig ist, Mama.“

©SCommIntercultural

Schreibt mir zum Muttertag
Nebiga

Zum Muttertag: Eine Mackensammlung

Zum Muttertag schon Pläne? Hier ist einer: Schreibt mir die Macken eurer Mütter! Sie haben tatsächlich welche. Ihr braucht nur genau hinzusehen.

Mütter sind ein spezieller Fall und jede Tochter kennt die Macken der ihren. Sie lebt ja schon ihr ganzes Leben mit ihnen. Einige sind liebenswürdige Eigenheiten, andere schrammen am schwer Erträglichem. Manchmal ist es nur ein kurzer Moment, in dem alles hochkommt, manchmal ein heftiger Streit, eine wehmütige Erinnerung. Aber am Muttertag vergeuden wir gemeinsamen Stunden damit, uns so zu verhalten, wie es die Muttertagsindustrie scheinbar von uns verlangt: Schon eine Karte besorgt, etwas gebastelt, Tisch bestellt…? Sind die Kinder noch jünger, dürfen die Gedichte nicht fehlen.

Beachtenswert ist, dass die Persönlichkeit der Mutter an „ihrem“ Tag so gar keine Rolle spielt. Was für eine Chance wäre das aber für das Zusammenleben, das Miteinander!Das Wissen ist vorhanden: Für das Mutter Märchen hatte ich in kürzester Zeit eine Unzahl von Macken zusammen – um vieles mehr Eigenheiten als ich in diesem einen Blogbeitrag unterbringen konnte.

Ich habe sie gesammelt, für eine Serie. Wenn ich genug zusammenbekomme, gibt’s zum Muttertag 2017 eine Überraschung.

Erzählt mir über eure Mütter! Was euch so richtig auf die Nerven geht, was ihr mögt, was ihr bewundert, was euch regelmäßig ärgert und was ihr an ihr einfach  nicht versteht.

Ich freu mich auf eure Beiträge!

Gruß

Muttertag für Nebiga