Frida Kahlo
Leo Nerdette

Frida Kahlo: Träume? Ich male meine Wirklichkeit

Frida Kahlo sei eine von ihnen. Das behauptete André Breton, Gründervater der surrealistischen Bewegung in Frankreich. Diese Strömung in der Malerei beschäftigte sich seit 1921 mit Unbewusstem, Fantastischem, Geträumten. Frida, davon war Breton überzeugt, male Träume. Seitdem haftet Frida Kahlo das von einem Europäer vergebene Etikett  an: Kaum eine Surrealistinnen-Ausstellung, die sie nicht als Zugpferd benutzt.[Weiterlesen]

Frau Holle lässt es schneien
Leo Nerdette

Warum schneit es so wenig, Frau Holle?

Der Pfad zu Frau Holle erfordert Überwindung. Auch ich musste springen – vom Brunnenrand in unbekannte, schwarze Tiefe. Die alte Dame erklärte es mir: Würde ich mich weigern, könne ich das Interview vergessen. Ihr Zuhause sei eben unten! Sie käme selten nach oben und wenn, dann hätte sie Besseres zu tun als mit Journalist*innen zu sprechen. Besonders im Winter.

  • Die Rauhnächte kommen bald und ich weiß sowieso nicht, wo mir der Kopf steht.

Mir blieb also nichts Anderes übrig: Ich bin ins Unfaßbare gesprungen und – praktisch sofort – in Ohnmacht gefallen.

Drum weiß ich auch nicht genau, was bei meinem Sprung passiert ist. Auch dass ich die Diktier-App anhatte, hilft uns nicht. Zuerst rauscht die Aufnahme, dann zwitschern Vögel, eine Biene summt und wir hören einen Plumps. Irgendwas ist auf eine weiche Unterlage gefallen, denn es plumpste gedämpft. Das war ich, vermute ich.

Bei Frau Holle unten

Denn als ich wach wurde, roch ich zuerst einen Hauch Hyazinthen und Gras; durchzogen von gebackenem Brot. Ich konnte auch den Holunderblüten ausmachen. Frühlingsdüfte! Ich öffnete die Augen und sah Frau Holle sofort:

Sie saß vor dem Haus auf der Sonnenbank, hielt einen Ast Holunder im Arm. Ich war erleichtert! Frau Holle war nur eine weißhaarige Frau mit roten Wangen und einem Zwinkern in den Augenwinkeln. Sie entsprach nicht einem einzigen der Schreckensbilder, die in der Welt oben kursieren: Ein Monster mit Fangzähnen zum Beispiel, wirrem Haar und mit strengem Geruch.

Vor mir saß jedoch eine Dame. Ihre Haare hatte sie aufgesteckt; der Kragen ihrer Bluse war gestärkt. Damenhafte Umstände machte Frau Holle jedoch keine:

  • Fangen wir gleich an, wie gesagt, ich habe nicht viel Zeit!

Tja dann, Frau Holle – äh – bekannt sind Sie ja durch die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm geworden. Die beiden Märchenforscher haben Frau Holle in den Kinder- und Hausmärchen veröffentlicht. Wie leben Sie mit diesem Ruhm?

  • Hier herunten? Nicht anders als zuvor.

Hat sich gar nichts verändert?

  • Doch, wenn Sie so fragen: Ich bekomme nicht mehr viel Besuch; eigentlich verirren sich höchstens Medien hierher. Hängt das mit diesem Buch zusammen?

Ähem…

Wer glaubt noch an Märchen?

Ich fürchte, das muss an etwas Anderem liegen, Frau Holle. Das Buch war eher gute Werbung.

  • Was? Mit dieser alten Geschichte? Was ist mit dem Jungen, der mir auch geholfen hat? Jakob, ja Jakob vom Wanderzirkus. Von dem könnt ihr erzählen. Aber nein, ihr wiederholt diese Geschichte von den Grimms wieder und wieder, wie eine Schallplatte, die einen Kratzer hat. Ach nein, ich vergesse … heute hört keiner mehr Platte, heute streamt ihr.

Über Jakob gibt es einen Film. Kennen Sie den noch nicht? Dadurch wurden Sie auch solchen Menschen bekannt, Frau Holle, die nicht lesen. Eigentlich müssten sie Ihnen die Bude einrennen. Schon allein für ein Selfie!

  • Selfies… So etwas kommt mir nicht ins Haus!

Aber…

Bettenmachen bei Frau HolleIch sehe sie ständig. Kaum schüttele ich die Kissen, stürzen sie aus dem Haus, springen unter den Schneeflocken herum, knipsen, knipsen und knipsen. Vor diesem Baum, hinter jenem Strauch, unter dem Denkmal und auf dem Weihnachtsmarkt. Mit Mütze, Felljacke und in Schals gemummelt. Zehn Minuten vielleicht, höchstens! Danach gehen sie ins Haus.

Was stört Sie daran? Die Menschen freuen sich halt, Frau Holle!

  • Mir  ziehen sie den letzten Nerv. Ich mag nicht mehr. Die Kissen sind schwer, ich bin alt. Ich schüttele sie, werde aber so schnell müde. Früher haben die Menschen Schneemänner gebaut, sind herumgetollt, Schi gefahren, Eis gelaufen, haben eine Schneeballschlacht gemacht – was weiß ich. Stundenlang! Das war Freude – die Freude, die mir Energie gab.

Vielleicht holen Sie sich doch wieder Hilfe, Frau Holle. Damit Sie besser schütteln können.

  • Weißt du, wie Hilfe heute aussieht? Die wischt mehr im Handy herum als meinen Boden. Ganz zu schweigen von den Kissen. Wenn sich alle schon bei meinen Verschnaufpausen beschweren, dass es so wenig schneit! Nein, nein… kennen Sie vielleicht Jugendliche ohne Smartphone?

 Puh… leider, Frau Holle. Mir fällt da niemand ein!

Dann bin ich neben dem Brunnen aufgewacht. Neben mir das Handy, einen verkohlten Laib Brot und den Ast eines Hollunderbusches.

Frau Holle hatte wirklich wenig Zeit.

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Barbara, die sich weigert
Leo Nerdette

Die eine Barbara, die sich weigert

Barbara war nie „recht“. Das fing schon früh an. Ihr Vater Dioscuros konnte sich nicht mehr erinnern, wann, aber er wusste noch, dass sie ein wunderschönes und eigentlich verträgliches Baby gewesen war. Schön anzusehen fand er sie auch mit neun, aber …

Pferde sind nichts für dich, Barbara! Was schleichst du im Stall herum? Geh und hilf Mutter beim Kochen! Was heißt, du willst nicht? Ich habe es gesagt – und basta. Geh!

Eine Augenweide war sie mit elf, aber…

Was steckst du deine Nase schon wieder in die Schriften? Die sind nichts für dich. Davon bekommst du nur Falten… füll deinen hübschen Kopf mit Nützlichem. Stick etwas!

Wunderschön sah sie mit dreizehn aus, aber

Wo treibst du dich herum? Du hast nicht in die Stadt zu gehen? Was? Du diskutierst? Mit wem? Am Marktplatz? Hattest du jemanden mit? – Bist du wahnsinnig? Du ruinierst meinen Ruf! Geh in deine Kammer!

Als fünfzehnjährige war sie die Schönste der Stadt, jeder junge Mann – und auch so mancher alte – renkte sich den Hals aus, als er ihr nachsah, wenn sie auf den Marktplatz lief, aber

Der Sohn des Baders hat um deine Hand angehalten. Was heißt, du willst nicht? Wir haben nicht ewig Zeit. Du wirst früh genug faltig und alt. Wie? Ich kann mir die Mühe sparen, einen Mann für dich zu suchen? Was, bitte, heißt das? Du heiratest! Wen ich will!

Heirat als Ausweg?

Mit 18 hatte sich nicht nur die Kunde von Babaras Schönheit über das ganze Land verbreitet, sondern auch ihr Ruf, alle Anträge abzulehnen. Was natürlich noch mehr junge und alte Männer in das Haus des Vaters trieb und noch mehr Streit brachte. Barbara ließ sich nicht erweichen.

Sie wolle nicht heiraten – nicht einen einzigen dieser Männer. Sie überlegte, Nonne zu werden und „Jesus zu heiraten“. Eines Tages teilte sie ihrem Vater ihren Entschluss mit.

Waaas? Ist das nicht der Jüngling am Holzkreuz? Bist du völlig übergeschnappt? Was für Unsinn reden dir diese Christen ein? Lauter Verrückte, Gotteslästerer! Mit ihnen sprichst du nicht mehr. Ich verbiete es!

Doch selbst Väter lernen dazu. Da Dioscuros wusste, dass seine Tochter sein Verbot kaum einhalten würde, ließ er einen Turm bauen. Einen Turm ohne Tür, aber mit zwei Fenstern – und sperrte sie ein.

Hier bleibst du, bis du Vernunft angenommen hast!

Barbara weiß, ihre Vernunft ist eine andere

Für ihren Vater „vernünftig zu sein“, da weigerte sich Barbara: Sie fand einen Weg, sich taufen zu lassen, dem Turm beizukommen und zu fliehen. Ein Hirte verriet ihren Fluchtort – worauf ihr wahres Martyrium begann. Dieses endete damit, dass Dioscuros höchstselbst seine Tochter enthauptete.

Erleichterung brachte ihm weder die Quälerei noch seine schändliche Tat: Barbara verweigerte sich als Geschundene genauso wie als Tote. Sie wollte nicht „funktionieren“:

  • Ein Kirschzweig, den sie berührt hatte, begann mitten im Winter zu blühen.
  • Heuschrecken fraßen den verräterischen Hirten.
  • Den Vater tötete ein Blitz, genau nach seinem tödlichen Streich.
  • Die Menschen beten zu Barbara und flehen um Schutz – und das über Jahrhunderte hinweg.
  • Ja, sie schlich sich sogar in den Volksmund, vor allem den süddeutschen:

Margaretha mit dem Wurm, Barbara mit dem Turm, Katharina mit dem Radl, das sind die drei heiligen Madl.

Sind die Zweige der Barbara Zeichen der Rebellion?

In der römisch-katholischen Kirche beäugten Historiker Barbara ebenfalls skeptisch. Sie passte eigentlich nicht. Nicht unter die Heiligen.

Hatte sie tatsächlich gelebt?

Bekannt seien ja nur die Legenden, historisch nachweisen ließe sich nichts. So kritisierten die Heiligsprech-Experten den Status der rebellischen Barbara. Sie strichen deshalb im Zuge der Liturgiereformen des zweiten vatikanischen Konzils (1962-1964) die  heilige Barbara aus dem römischen Generalkalender.

Doch die Dame ist populär! Sie lässt sich nicht stillschweigend streichen. So beobachtet am 4. Dezember der Vorbeifahrende auch heute noch in manchen Regionen Vasen mit „Barbara-Zweigerl“ im Fenster. Abends von einer Kerze beleuchtet.

Außerdem blieb sie die Schutzherrin der Architekten, der Glöckner, der Maurer, der Zimmerer – und all der anderen Bauarbeiter. Die Heilige Barbara gewährt weiterhin als Patronin aller Berufe, die mit Feuer zu tun haben, ihren Schutz – auch der Artillerie.

Die Kirche wurde ihr einfach nicht Herr!

Ihr Gedenktag blieb daher in einigen Regionalkalendern erhalten: in Österreich zum Beispiel, in Polen, Portugal, Slowenien, Frankreich und Italien. Barbara wehrt sich weiterhin hartnäckig. Sie kämpft immer noch an vielen Fronten.

Warum lässt sie es nicht gut sein?

In Theorie… weil sie eine Andere ist, eine viel Ältere. Es heißt, sie gehöre eigentlich zu den keltischen Göttern. Sie sei Borbeth, eine der drei Bethen.

Die Römer hätten ihr einfach einen anderen Namen gegeben:

„Barbara“ – die Ausländerin.

Beitragsbild: Saint Barbara of_Nicodemia - Jan van Eyck (1437)

 Tipp für den 4. Dezember

Im Mühl- und auch im Waldviertel, Österreich, steht ab 4. Dezember nahezu in jedem Haus ein Strauch aus Barbarazweigerl. Er soll spätestens am Christtag zu blühen beginnen.

Früher schlossen die Bauern daraus, ob es eine gute Ernte geben wird. Barbara soll aber mit den blühenden Zweigen auch zeigen, wer von der Familie im nächsten Jahr Glück haben wird: Dafür stellt man einen Zweig pro Familienmitglied in die Vase und schmückt ihn mit einem Wollfaden – für jedes Familienmitglied in einer anderen Farbe.

Macht euch also auf! Heut ist ein milder Tag – genießt den Waldspaziergang! Nehmt eine Gartenschere mit und schneidet ein paar Zweige. Weicht sie über Nacht in Wasser ein und stellt sie in eine Vase. Vielleicht antwortet Barbara ja.

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Frida Kahlo
Leo Nerdette

Das Leben von Frida Kahlo (1907 – 1957)

Geboren ist Frida Kahlo am 6. Juli 1907 im Casa Azul.

25. September 1925: Sie verunglückt schwer. Dieser Unfall ändert ihre Pläne, Medizin zu studieren. Neben langen Perioden in einem Gipskorsett folgen auch 36 Operationen.

Frida Kahlo und ihre Wirbelsäule

1926 beginnt sie zu malen.

1929 Heirat mit Diego Rivera, Revolutionsmaler und Generalsekretär der Kommunistischen Partei Mexikos.

Die Ehejahre der Frida Kahlo

1930-33: Aufenthalt in den USA, zunächst in New York, später in Detroit. In diesen Jahren erleidet die Malerin mehrere Fehlgeburten.

1933 stirbt Fridas Mutter. Die Malerin kehrt nach Mexiko zurück.

Nach der Rückkehr lebte das Paar in San Angel, einem Viertel in der Nähe von Coyoacan – in Riveras Haus.

1937 kam Leo Trotzki und wohnte für fast zwei Jahre mit seiner Frau im Elternhaus der Frida Kahlo, dem Casa Azul. Frida soll mit dem Revolutionär ein Verhältnis gehabt haben.

1938 erste Einzelausstellung Kahlos in New York.

1939 Ausstellung in Paris. Im selben Jahr erfährt sie von Riveras Verhältnis mit ihrer Schwester. Dies wertet Frida als schwerwiegenden Vertrauensbruch. Sie lässt sich von Rivera scheiden.

Leben im Blauen Haus

Kahlo zieht allein in ihr Elternhaus zurück. Sie schneidet sich die Haare und malt wie eine Wilde.

1940 heiratet sie Rivera erneut. Die Bedingungen des Zusammenlebens änderten sich allerdings: Der Muralist zieht zu Kahlo in das blaue Haus und baut ihr einen eigenen, abgetrennten Wohn- und Arbeitsbereich.

Mitte der 40er Jahre verschlechtert sich Kahlos Gesundheitszustand. Es folgen mehrere Rückenoperationen. Ab 1951 braucht sie einen Rollstuhl, 1953 wird ihr rechtes Bein bis zum Knie amputiert.

Im gleichen Jahr findet die einzige Ausstellung ihrer Bilder in Mexikostadt statt. Sie wohnt dieser in ihrem Bett bei.

Im Sommer 1957 stirbt sie an den Folgen einer Lungenentzündung.

Kahlos Werk umfasst in etwa 200 Bilder, davon sind ein Drittel Selbstporträts.

Sie ist heute die bekannteste mexikanische Malerin. 2016 erzielte das Bild Zwei Nackte am Waldrand acht Millionen Dollar. Laut Christie’s ist das die höchste Summe, die jemals für ein Gemälde eines südamerikanischen Künstlers bei einer Auktion erzielt wurde.

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Diätplan für erfüllte Tage
Leo Nerdette

Ultimativer Diätplan für ein erfülltes Leben

Für euch, die ihr genug habt! Die ihr befürchtet, Social Media süchtig zu werden – oder seid ihr es gar schon? Also für jene, die in den nächsten Wochen alles zu tun gedenken, damit sie wieder los werden, was sie in den letzten Wochen, Monaten, Jahren in sich hineingestopft haben. Ja, für die, die ein erfülltes Leben suchen –  jenseits von Social Media, eher so im Hier und Jetzt.  Genau für dich also haben wir diesen Diätplan erstellt.

Den einzig wahren – den ULTIMATIVEN Diätplan!

Unsere erkärte Mission: Wir wollen Menschen helfen, sich von unnötigem Ballast zu befreien. Auf dass sie sich wieder freier bewegen, klarer denken und öfter freuen können!

Diätplan für schlaue Köpfe

Eines schicken wir jedoch noch voraus: Wie alle Diäten ist auch diese kein Honigschlecken! Du musst hart arbeiten und einige Durststrecken überstehen. Daher solltest du gut überlegen, ob du dich unserem Plan anschließt.

Grundsätzliche Fakten

gemeinsam begleiten

  • Dauer: Sechs Wochen. Sie reichen völlig aus, nachhaltig zu entschlacken.
  • 112prozentige Erfolgsgarantie – vorausgesetzt du hältst den Diätplan tatsächlich durch.
  • Ein klarer Diätfahrplan pro Woche, von dir selbst erstellt
  • Punktesystem für Sport, kreative Aktivitäten, Treffen mit Freunden, Real life time
  • 30-50 Prozent Steigerung des Glücksquotienten sind garantiert.

Zuerst einmal die Bestandsaufnahme

Am Beginn eines Diätplans steht eine umfassende Analyse des Ist-Zustands. Daher gilt es zunächst zu sammeln,

  1. Wie viele Stunden deiner Freizeit verbringst du online?
  2. Gliedere diese Stunden in Geräte: Smartphone, PC, Tablet, TV…?
  3. Analysiere, wie lange du welche Social Media Kanäle nutzt: Dein Hauptaugenmerk liegt auf Snapchat, Instagram, Facebook, Twitter, Pinterest, You Tube, flickr…
  4. Mache dir eine exakte Liste dazu
  5. Dieser stellst du eine andere Liste gegenüber: In ihr hältst du fest, wie viel Zeit du mit Freunden, der Familie, Sport, in der Natur, auf Reisen verbringst – ohne Fotos davon sofort zu teilen.

Hast du die Bestandsaufnahme beendet, formulierst du dein Ziel: Die Stundenanzahl, die es für dich ermöglicht, entspannt deine Freizeit zu genießen. Doch sei dir bewusst: Alles, was höher als 1-2 Stunden täglich liegt, gefährdet die Zufriedenheit eines jeden Menschen.

Was gibt es zu tun?

  1. Du folgst deinem detaillierten Wochenplan.
  2. In ihm hast du Aktivitäten mit Punkten zwischen 1-5 vorgesehen – je höher die Punktezahl, desto lieber die Tätigkeit.
  3. In einem Kalender notierst du in Stichworten, was du bewältigt hast, woran du gescheitert bist.
  4. Du zeichnest dazu, wie du dich fühlst: 🙂 oder 🙁 oder 😉
  5. Jede Woche fasst du zusammen, was du anders gemacht, was du Neues kennengelernt hast und was dir daran Freude macht.
  6. Dabei verzeichnest du, um wieviel leichter du dich fühlst.

 Woche eins – Die Umstellungsphase

ErfrischenWie bei jeder guten Diät, muss sich dein Körper erst darauf einstellen, dass der Entzug von Gewohntem droht. Daher gibt es am ersten Tag nur Gemüse ohne Fett… In unserem Fall

  • darfst du durch zwei Netzwerke scrollen, aber nicht interagieren: Kein Gefällt mir, kein Teilen, keine Kommentare. Kurz, nur schauen bzw. hören!
  • gibt es NOCH kein Zeitlimit!

Am zweiten Tag gibt es

  • nur noch Netflix, ein Computerspiel oder deinen Blog/Lieblingsblog oder Ähnliches.
  • Keine sozialen Netze!
  • Zeitlimit: 3 Stunden.

Die folgenden Tage darfst du nur noch in soziale Netze,

  1. um deinen Freunden mitzuteilen, dass du eine Diät machst und sie auf dich verzichten müssen – online zumindest. Tipp: Nutze die Gelegenheit, um gleich Termine für echte Treffen auszumachen.
  2. sie um Hilfe bittest, weil du Zuspruch brauchst.

Das Zeitlimit für alle Online-Tätigkeiten gemeinsam: Maximal 1,5 Stunden.

Aufgabe der Woche: Organisiere dich! Aus diesem Grund sind noch keine Aktivitäten geplant. Doch wir haben Beispiele, wie du dich in der plötzlich frei gewordenen Zeit beschäftigen kannst:

  • Gestalte deine Wochenpläne besonders schön.
  • Überlege detailliert, was du mit der neu gewonnenen Freizeit tun könntest. Male es dir aus!
  • Schreibe eine Liste von jenen Aktivitäten, die du immer schon machen wolltest, wozu du aber nie gekommen bist. Vergiß die Punkte nicht!
  • Telefoniere viel mit Freunden,
  • Schreib‘ Briefe – keine Mails 😉
  • Lies ein Buch oder auch zwei
  • Wenn lesen nicht so deine Sache ist: Gibt es Erzähler*innen in deiner Region? Zuhören geht immer!
  • Lausche den Geschichten deiner Familie, deines Partners, deiner Freunde!

Wenn du den Drang nach einem Blick auf dein Smartphone verspürst: Lass den Moment vorüber gehen, ohne eine Aktion gesetzt zu haben. Genieße die Stille – und widme dich deiner unmittelbaren Umgebung besonders aufmerksam.

Woche zwei bis fünf: Schrittweises entschlacken

Das Zeitlimit geht Schritt für Schritt auf 0 Minuten hinunter. Das klingt schlimmer als es ist! Du arbeitest dich ja langsam vor.

Wie du es schaffst?

Zunächst einmal ist es wichtig, konsequent zu sein: Ausreden gelten nicht – auch wenn du dir plötzlich einbildest, unbedingt noch ein Dokument in der Freizeit abarbeiten zu müssen!

Arbeit bleibt im Büro, Studium auf der Uni! Zuhause online zu arbeiten, gibt es nicht. Genauso wenig wie es erlaubt ist, länger in der Arbeit zu bleiben, nur weil du deine Online-Zeit vermisst. Die Freunde triffst du persönlich oder eben nicht!

Es gab übrigens eine Zeit vor Google Maps, SnapChat oder Facebook. Wenn du gar nicht mehr weiter weißt, frag‘ deine Eltern.

Fotoalbum Nostalgie

  • Wie haben sie in der Präcomputerzeit überlebt? Haben sie überhaupt gelebt?
  • Wie konnten sie Lokale finden, wenn ihnen Google nicht den Weg wies.
  • Woher bekamen sie ihre Bücher, als es Amazon noch nicht gab?
  • Wie beantworteten sie ihre Fragen – so ganz ohne Suchmaschine?

Überlebensnotwendig ist es jedoch für dich, Balance zu halten! Für jede Viertelstunde weniger Zeit in den den Social Media Kanälen, gibt es eine Aktivität aus deiner in der ersten Woche erstellten Liste. Du tust, was du eigentlich immer schon einmal machen wolltest!

0 Minuten. Das musst du dir vorstellen: Du kommst nach vier Wochen runter auf 0 Minuten…

Ein großes, fast rundes 0…

Die letzte Woche: So fühlt es sich an zu leben

Mit Null endet der Diätplan jedoch noch nicht.

Null ist eine Leistung, eine großartige – ja!

GitarristNur – der nächste Schritt führt dich noch weiter. Er führt weg von der Aktivität hin zur Stille. Die Seele baumeln lassen – das ist deine Aufgabe in dieser Woche, 7 Tage lang…

Nein: Du musst deine Wohnung nicht putzen. Deine Mutter besuchen? Das geht doch nächste Woche noch! Regale, Papiere, Schränke ordnen… Sorry! Nein, Das einzige, was erlaubt ist:

Ruhe, Stille, Nachdenken. Kreativ sein.

Das ist es.

Du wirst sehen: Voller kriegst du deine Tage nie mehr wieder!

Tipp: Ein Beispiel, wie es noch geht

Den kalten Entzug hat Jan Rein durchgezogen. Seit einem halben Jahr lebt er Social Media frei. Wie er damit lebt und was es ihm bis jetzt gebracht hat, lest oder hört ihr am besten selbst!

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Auf Reisen schreiben
Leo Nerdette

Orte, wo ich auf Reisen schreiben kann

Schreib-, Küchen- und Wohnzimmertische: Das sind die am häufigsten genannten Plätze, wenn Leute erzählen, wo sie schreiben. Österreicher runzeln da gern die Stirn: „Im Café“, sagen sie. Aber auch Cafés gibt es nicht immer.

Globetrotter müssen beim Schreiben improvisieren. Es soll Länder geben, wo es an Tischen fehlt, auch in Zügen; wo jemand, der alleine sitzt und schreibt oder liest, als „traurig“ gilt und aufgeheitert werden muss; wo Hotelzimmer so niedrig und schmal sind, dass es schwierig ist, im Bett aufrecht zu sitzen, geschweige denn dass Tisch und Stuhl vorhanden sind. Trotzdem will und muss ich auf Reisen schreiben, mich für eine oder zwei Stunden auf ein Thema konzentrieren. Bloggen, Geschichten erfinden, Gespräche notieren…

Welche Lieblingsplätze habe ich also, wenn ich unterwegs bin? An welchen Orten verbinde ich Reisen und Schreiben; tauche ich ab, weg in eine andere Welt. Höre nichts, beobachte und denke mir meinen Teil.

Lieblingsplätze?

Notlösungen, nennen es Andere. Diese Orte sind aber meine Favoriten, geordnet nach Prioritäten. Die Liste habe ich nach meinen liebsten Schreiberinnerungen erstellt.

Auf Reisen: Das Schreibplatz-Ranking

Platz 5: Im Bus/Zug oder Auto

Ich fahre gern Auto. Allein. Schlaue Menschen aber, die meinen, besser, schneller und versierter zu fahren, dürfen mich kutschieren. Und nachdem jeder einzelne, den ich kenne, davon überzeugt ist, der beste Autofahrer zu sein, genieße ich mein Leben als Beifahrerin. In Schweigen.

Wenn sich die Fahrer umsehen, um nachzusehen, warum ich so wortkarg bin, wundern sie sich. Zumindest beim ersten Mal. Wie kann es sein, dass ich auf meiner Tasche in ein Notizbuch kritzle? Es gibt doch genügend Gegend zum Beobachten, interessante Gesellschaft und dann… die Ruckelei! Aber ich schreibe und nehme nicht einmal wahr, wenn der Fahrer weiterzappt – Patty Smith durch Rap ersetzt.

Platz 4: Das Bett

Truman Capote liebte es, Sigmund Freud auch – die Reihe derer, die im Liegen schrieben, ist lang. Tintenflecke auf weißem Laken sind heutzutage ja auch kein Ärgernis mehr. Wer schreibt den noch per Hand, mit Kuli oder Feder? Wir greifen einfach zum Nachtkästchen hinüber. Dort liegt Tablet oder Laptop zum Arbeiten bereit. Wir führen ohne der Ahnväter Probleme die Tradition weiter: Im Bett entstehen Geschichten, ja sogar Romane! Das bewies schon Marcel Proust.

Das berühmteste Bett, in dem ich schrieb?  Frida Kahlos Schlaf-, Mal – und Werkstatt… Ihr Bett mussten Arbeiter in das Museum Bellas Artes tragen – mitsamt der Künstlerin. Sie konnte nicht mehr gehen, sollte und wollte der Ausstellung aber beiwohnen.

Auf der berühmten Kante saß ich Jahrzehnte später, notierte und wartete. Es dauerte eine Weile, bis sich die Menschenmenge vom Schlafzimmer in den Garten verlief.

Platz 3: Terasse mit Ausblick

Reisen und der Allgäu, GebirgspanoramaGebirgspanoramen regen die Phantasie an. Vor allem dann, wenn sie in das Licht eines Sonnenuntergangs  getaucht sind. Dafür verbringe ich schon einmal ein paar Stunden auf einer zugigen Terasse: Finger frieren, der Atemhauch rieselt fröstelnd auf das Tischtuch und der Tee vor mir wärmt schon lange nicht mehr.

„Komm schon, wir gehen!“

Nicht doch! Ein Satz geht noch, nur noch einer… warte, da fällt mir ein… nein, fallen mir zwei… oder waren es drei…

Wer auf mich wartet, kann nur hoffen, dass die Sonne bald verschwindet.

Platz 2: Des Menschen ureigene Unterlage

Für Strand, südlichere Gefilde oder die Wüste hat sich dieser Ort leider als ungeeignet erwiesen: Tablets und Laptops laufen warm. Das kann auf Oberschenkeln ziemlich ungemütlich werden.

Dafür muss man gar nicht weit reisen: Teliko Tarnovo, Bulgarien, schafft schon mal 40 Grad Celsius im Sommer. Im April heizte sich mein Tablet dermaßen auf, dass es sich von selbst ausschaltete. Gut so! Denn meine Oberschenkel rauchten…

1. Auf dem Koffer

Flughäfen, Grenzübergänge und Bahnhöfe: ein spezieller Fall. Sie haben des öfteren keine Sitzplätze. Grenzgängern und fahrendem Volk darf es nicht zu bequem gemacht werden!

Tijuana, Mexiko, Grenzübergang zu San Diego, USA, ist keine Ausnahme. Eines Nachts verweigerte der US-Zollbeamte Reisenden den Wartesaal. Der Grund: Das Computersystem sei zusammengebrochen. Wir müssen draußen warten.

Warum?

Vorschrift.

Wie lange?

So lange die Reparatur dauert.

Tijuanas Grenzübergang verlässt niemand nachts freiwillig. Selbst hartgesottene Mexikaner nicht. Wir scharrten uns um die Grenzstation, harrten der Dinge. Die meisten stehend. Von 22 Uhr bis vier Uhr morgens.

In diesen Stunden habe ich meinen Koffer schätzen gelernt! Notizbuch und Stift auch.

Ich hatte viel zu schreiben.

Und du? An welchen Orten schreibst du?

Was sind deine Lieblingsorte? Wo geht dir das Schreiben leicht von der Hand?

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ebooks sind keine Bücher
Leo Nerdette

Weil ebooks keine Bücher sind

Liebe ebooks-Freunde,

da wollte ich einem von Euch zum Ankommen im neuen „Lebensmittelpunkt“-Land ein Buch schenken.

  • Schick mir deine Adresse, bat ich.
  • Nicht nötig, mir genügt ein Titel.

Er würde es kaufen, downloaden und lesen. Wie ebooks-Leser es eben gewohnt sind zu tun. So leicht. So gut. Damit hätte ich dann den Zweck meiner Geschenkidee erreicht. Habe ich?

Ich leitete meine Empfehlung weiter. Bei Gelegenheit würde er es sich runterladen.

Passt schon, denke ich. In der haptischen Welt ist es mit geschenkten Büchern auch nicht anders. Und doch. Irgendwie war es nicht ganz das, was ich mit meinem Geschenk sagen wollte. Es fehlte etwas… das brachte mich zum Grübeln.

Was war denn nun anders? Bücher bleiben doch Bücher, egal ob gedruckt oder digital. ebooks haben den gleichen Inhalt. Sie sagen also das Gleiche aus. Oder etwa nicht? Was bedeuten für mich die bedruckten Bände, die so schwer in der Hand liegen? Was wollte ich mit dem Geschenk sagen?

Bücher und ebooks sind Wegbegleiter

Als ich vor Jahren am Flughafen Benito Juarez stand und auf den Transport zu meiner neuen Wohnung im mir fremden Land wartete, hatte ich Kind und zwei Koffer bei mir. Je Koffer waren damals 25 Kilo erlaubt. Damals. Im Gepäck kullerten auch die Kosmetikartikel noch frei herum, zwischen ein paar Kleidungsstücken, Geschenken und – natürlich – Büchern. Vier Stück in jedem – mehr ging nicht: Nur meine Bibeln – Bücher, die ich auf gar keinen Fall missen wollte. Den Rest hatte ich trockenen Auges verlassen, fünf Kisten bereits vor Jahren in der Elternwohnung – Kinder- und Jugendbücher. Hoch oben hatte ich sie verstaut, nicht leicht wieder herunter zu holen.

Einen Teil der Bücher, die mich durch das Studium begleitet hatten, hatte ich an ein Antiquariat verkauft. Spottbillig – zwei Schilling pro Buch. Trotzdem war eine schöne Summe zusammen gekommen. Ich hatte jahrelang Bücher gesammelt wie andere Lesezeichen im Browser. Chaotisch zwar, aber immer nach meinen Vorlieben.

Zehn Kisten davon schickte ich aufs Land – zum Frische Luft-Atmen. Zu ihnen wollte ich zurückkommen. Sie hatte ich fein säuberlich in Butterbrotpapier eingewickelt, geschlichtet, fürsorglich verstaut. Eines Tages würde wir uns wiedersehen, irgendwann dann…

Hätte es damals schon ebooks gegeben, hätte ich mich nicht trennen müssen.

 

Abstand tut schon auch mal ganz gut

Frau - glücklich, freiWie ich so in der Ankunftshalle des Flughafens stand und auf einen Transport wartete, fühlte ich mich befreit, leicht, bereit für Neues. Ich war in ein Land geflogen, dessen Sprache ich nicht sprach – und war gekommen, um zu bleiben. Wie lange? Das würde sich herausstellen.

Die Bücher des Landes waren mir zunächst einmal verschlossen. Zu ihnen musste ich mir erst Zugang verschaffen: die Sprache lernen, Neues erfahren, selber denken.

Vertrauten Wegen konnte und wollte ich in den nächsten Wochen nicht folgen; zu viele Eindrücke stürzten auf mich ein. Zurück ziehen und lesen war nicht drin. Das war gar nicht üblich in diesem Land. Wer allein saß, ging oder blieb, galt als einsam, vernachlässigt, traurig – Zustände, die dem Bild der allgegenwärtigen Gastfreundschaft zuwider liefen.

Nur nachts in meinem Zimmer, nahm ich hin und wieder eine meiner vier Bibeln in die Hand, las wenige Seiten – für mehr war ich zu überwältigt.

Wenn die Sehnsucht überhand nimmt

Vier Monate später aber hatte das Gefühl von Freiheit der Neugier Platz gemacht.

Unter Arkaden büffelte ich die Landessprache anhand von Artikeln aus Magazinen. Interessant schienen alle möglichen Ressorts zu sein. Wie ein Staubsauger nahm ich alles auf: Sogar die Gespräche im Mikrobus klangen spannend. Hauptsache die Sprache stimmte.

Bücher Chaos So hortete ich ein Sammelsurium an Wissen über Dinge, Personen, Ansichten, von denen ich bis dahin keine Ahnung gehabt hatte. In meiner neuen Heimat gehörte dies alles zum alltäglichen Umgang, jeder kannte sie – die Namen, die Geschichten, die Skandale. Niemand dachte darüber nach, woher er es wusste. Es half zu überleben, mitzureden und dabei zu sein.

Ich war mit den Wochen nach diesem Wissen hungrig geworden, wollte endlich entschlüsseln, was unter den Leuten brodelte, gesagt und verstanden wurde. Beobachten allein reichte nicht mehr.

Zwar hatte ich mir mittlerweile ein loses Geflecht an Anknüpfungspunkten geschaffen, aber das noch grobmaschige Netz war eingebettet in das alte Bezugssystem, das System eines anderen Kontinents. Eines arroganten, sich als das Zentrum der Welt empfindenden Kontinents. Das sollte sich ändern, denn Mark trat in mein Leben. Mark, der Texaner.

Bücher kommen, wenn sie willkommen sind

Mark hatte bereits zwölf Jahre lang im Land verbracht, ein Kind und lebte in Scheidung. Er brauchte einen Platz für sich. Einen, wo am Wochenende sein Kind willkommen war. Er zog bei uns ein – und mit ihm kam auch seine Bibliothek.

Hunderte Bücher in Obstkisten, gestapelt – Kunst, Sprache, Musik, Religion, Philosophie, Geschichte… es nahm kein Ende. Wir schleppten die Kisten einen Vormittag lang, stapelten Wände voll und füllten so den gut 30 Quadratmeter großen Raum, der sich bald schon als das Zentrum unseres Hauses entpuppen sollte. Denn in seinem eigenen Zimmer hätte Mark sie nicht unterbringen können, nicht, wenn er oder sein Kind sich noch bewegen wollten.

Heimat ist… wenn das richtige Buch in der Bibliothek steht

Abends saß ich am Boden, mitten in der Obstkisten-Bibliothek, und staunte eine völlig neue, doch vertraute Welt an. Ein Universum. So viele Empfehlungen, Einladungen und Möglichkeiten, den Kontinent, das Land, Denken und Leute kennenzulernen. Es machte mich neugierig und gleichzeitig unsicher. Ich brauchte etwas Vertrautes, etwas von dem ich ausgehen, den neuen Kontinent erobern konnte. Einen Anfang.

Zunächst fand ich ihn nicht. Ich versuchte es. Wirklich! Ich stellte meine Bibeln in die Obstkisten dazu – sie reihten sich ein, blieben aber fremd. Da war ein Abgrund dazwischen, ein Verbindungsglied fehlte.

Ich las ein Stückchen auf der einen Seite, ein paar Absätze auf der anderen, breitete die Bücher aufgeschlagen vor mir auf, wanderte umher, strich über die Einbände, blätterte, schnupperte, roch das Papier, suchte – suchte die Brücke, den Übergang.

An diesem Abend fand ich sie nicht. Auch Tage danach noch nicht. Ich stöberte, aber tauchte nicht wirklich ein, blieb fremd.

Bis von einem Freund der alten Welt ein Päckchen mit der Post kam. Darin lag ein kleiner roter Band der Reihe Salto vom Wagenbach Verlag: des Katalanen Manuel Vázquez Montalbán. Montalbán beschreibt seine Reise zu den Nachfahren der Mayas im Bundesstaat Chiapas in Mexiko. Er erzählt, wie er, der Europäer, auf Subcomandante Marcos – militärischer Führer der indigenen Bevölkerung Chiapas – wartet, um ein langes Gespräch mit ihm zu führen.

Ein paar Stunden nur, dann war ich durch. Ich stellte das Bändchen zu den anderen Büchern. Es fügte sich, verband das Vertraute mit dem Fremden. Die Brücke war da.

Ich war angekommen, war zuhause. Genau dieses Gefühl, liebe e-books-Freunde, wollte ich weitergeben. Dieses Mal bin ich gescheitert. Beim nächsten Mal gebe ich mich nicht so leicht geschlagen. Da bin ich mir sicher!

Auf bald

Eure Leo

Globetrotter-Tipp in Sachen ebooks

Zum Unterwegs-Sein sind ebooks durchaus eine großartige Erfindung. Handlich, leicht und solange die Batterie reicht, sind sie äußerst nützlich. Wenn du folgende Punkte beachtest, wirst du sogar glücklich damit:

  • Lade vor deiner Reise nur jene Bücher herunter, die du lesen möchtest. Besondere Freude macht es, schwere Schinken runterzuladen.
  • Wenn dir eines der Bücher wirklich gut gefallen hat, leiste es dir als „echtes“ Buch für dein Bücherregal.
  • Stell dich mindestens einmal die Woche vor dieses und genieß‘ es!
  • Geh‘ regelmäßig in Buchhandlungen – ja Bibliotheken gehen auch – schmöckere und atme vor allen Dingen diese Luft ganz tief ein, die Lust zum Lesen macht.
  • Halte dir den Platz zuhause für genau diejenigen Bücher frei, die du liebst. Gelegenheitsbekanntschaften und Fehlgriffe  können im e-books-Archiv verbleiben. Regelmäßiges Ausmisten hilft.

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Online Dating kurz gefasst
Leo Nerdette

5 Gründe, warum Online Dating nicht funktioniert

Alle elf Minuten… Die knallroten Plakate des Online Dating Portals, das Singles jeden Alters kennen, strahlen mir entgegen. Eines nach dem anderen, überlebensgroß. Sie säumen meinen Weg in die Stadt und täglich scheinen es mehr zu werden.

Attraktive Models lächeln von der Wand – mehr Frauen als Männer natürlich. Die Plakate wirken gut, schaffen Vertrauen.

„Ein seriöses Dating Portal“, denkt der Passant. „Vielleicht finde ich dort endlich den ersehnten Partner!“

Mir aber vergiften die Plakate den Morgenspaziergang ins Büro genauso wie abends die Fahrt zu Freunden. Denn Online Dating bringt mehr durcheinander, als wir gemeinhin denken.

Es tut nicht gut. Warum ist das so?

1. Verlieben oder Partner – was jetzt?

Alle elf Minuten verliebt sich ein Single über…

JA UND? Heißt das, dass Suchende sich mit diesem Portal schneller verlieben als anderswo?

Eine Million registrierte Mitglieder gibt der Portalbetreiber an, ein Jahr hat aber immer noch nur 525.600 Minuten.  Verlieben sich also pro Jahr 47.781 Singles. Ist das schneller? Schneller als was?

Nein, nein, nein, das ist nicht gemeint.

Gemeint ist, dass alle elf Minuten die Hormone rasen und ein Single Schmetterlinge im Bauch hat. Aha!

Ist das im (realen) Leben seltener? In Deutschland leben insgesamt 16, 8 Millionen Alleinstehende, wie oft verliebt sich denn nun einer/eine davon – so ganz ohne Dating App?

Wenn ich von mir ausgehe: Die Schmetterlinge flattern schon, wenn ich jemanden ansprechen soll, den ich toll finde. Reagiert sie/er zugewandt und nett, bin ich verliebt. Kurzfristig. Ich bilde es mir jedenfalls ein.

Doch die meisten Singles haben völlig etwas Anderes im Blick, wenn sie sich bei einem Online-Dating Portal anmelden. Sie sehnen sich nach Liebe, Beziehung und einem erfüllten Leben.

das sehnen nach glückMit genau diesen Sehnsüchten spielt Online Dating. Die Werbeplakate machen das deutlich. Perfid ist, dass für unser Kopfkino ein Satz genügt, der nichts aussagt und den wir mit nichts vergleichen können; kombiniert mit einem Bild von einem Model und dem knalligen Hintergrund. Den Rest reimen wir uns selbst zusammen:

  • Das Portal hilft mir, den/die Richtige/n zu finden
  • Die schaffen sicher schneller, was ich bisher nicht konnte
  • Das erleichtert meine Beziehungssuche, die Suche nach Zweisamkeit, nach Glück.

Zur Sicherheit lächelt Model vom Plakat, die unterschiedlich aussehen, damit die Werbung den Geschmack von möglichst vielen Singles trifft. Das unbewusste Sehnen löst ja nur jemand aus, der uns gefällt – und das schafft er/sie bei Menschen jeden Alters. Je mehr Models, desto größer die Zielgruppe.

2. Online Dating erhöht die Auswahl

Das ist doch gut! Je mehr Auswahl, desto besser das Ergebnis. Da finde ich bestimmt den/die Richtige .

Dieses Argument ist laut Statista der am häufigsten genannte Grund, warum Online Dating zunehmend beliebter wird. Leider ist es ein Trugschluß. Eine große Auswahl führt

  • zu innerer Lähmung. Wir können uns nicht mehr entscheiden.
  • zu schlechteren Entscheidungen. Der Auswahlstress ist so groß, dass das Gehirn sich nur nach einem einzigen Kriterium orientiert.

Dieses Phänomen bezeichnet die Psychologie als Auswahl-Paradox. Auf den Partnerschafts-Seiten zeigt sich das folgendermaßen:

Männer wissen zwar genauso gut, welche Eigenschaften ihre Traumfrau haben soll, wie jene Frauen, die Listen über ihre Traummänner führen, doch vergessen sie auf einem Flirtportal diese Ideen. Es zählt letztendlich nur ein einziges Kriterium: Die Attraktivität.

Wie Parship- und Elitepartner-Gründer, Arne Kahlke, in einem Interview in Magazin Die Zeit erzählt, finden Männer jeden Alters Frauen zwischen 20 und 30 am attraktivsten. Deshalb tummeln sie sich verstärkt in dieser Altersgruppe. Es spielt für viele von ihnen daher keine Rolle, ob sie aufgrund ihrer Erfahrungen, Wünsche und Lebensumstände mit Frauen anderen Alters besser zusammen passen würden.

Wenn wir Frauen jetzt glauben, wir wären weiser in unseren Entscheidungen, entäuscht die Praxis. Passiert einem Kandidaten nämlich ein Rechtsschreibfehler, ist das für viele von uns schon ein Ausschließungsgrund. Wie es scheint suchen wir mehrheitlich nach einem Akademiker mit Orthografiekenntnissen.

Tatsächlich ist es auch so: Frauen streben überdurchschnittlich oft nach dem gebildeten Ernährer. Dies hat eine Langzeit-Studie über das Verhalten von Online-Daterinnen herausgefunden. Und das, obwohl sie sich  selbst schon längst bestens versorgen können und eigentlich jemand wollen, der verständnis-, humor- und rücksichtsvoll ist. Würde nicht das evolutionstechnisch begründete Wahlkriterium „Ernährer“ den Ausschlag geben, würden wir uns für denjenigen entscheiden, der unser Leben bereichert.

3. Unterstützt sozial gestörtes Verhalten

Wer online Partner sucht, kann sich nicht wehren. Passt dem Gegenüber etwas nicht, bricht es häufig den Kontakt ohne Erklärung ab und wendet sich neuen Kandidaten zu. Es gibt ja so viele.

Online gilt das als „normales“ Verhalten.

Der Kommunikationsabbruch schwingt unangenehm nach, besonders dann wenn man nicht weiß, warum die/der Andere schweigt. Auf Dauer beeinträchtigt er sogar uns im realen Leben. Nach einigen Abbrüchen weigert sich unser Selbstbewusstsein , draußen in der Welt Leute anzusprechen, weil es von vornherein mit Ablehnung rechnet.

Verletzendes soziales Verhalten – massenhaft und täglich ausgeführt  – wird nicht menschenfreundlicher, weil es alle tun und viele es für normal erklären. Es verändert über die Jahre die soziale Kompetenz einer Gesellschaft.

4. Die Fehler hat der Andere

Die Suche scheitert, wieder und wieder… woran es liegt? Wir haben kaum Zeit, uns zu fragen. Sollten wir einmal innehalten und an uns zweifeln, schieben wir die „Fehler“ flott hinüber zum Anderen. Es wartet ja schon das nächste Profil, der vielversprechende Chat, ein tolles Foto.

Fehlertoleranz, Lachen über Missverständnisse, längeres Beobachten, ob eine Gewohnheit hinter schlechtem Benehmen steckt oder eher eine einmalige Verkettung von Umständen schuld daran ist – das alles findet online kaum Platz.

Je länger man in solchen Online-Dating-Plattformen Mitglied ist, desto abgestumpfter wird man. Ein neues Mitglied beantwortet anfangs noch alle Mails, doch nach einer Weile geht ihm die Luft aus. Nach einigen Wochen fängt die Selektion bei den Profilen an. Erst wenn alles passt, wird geantwortet.  Irgendwas findet sich immer:

Hat das witziges Motto nicht verstanden? Weg. Zu große Ohren? Weg. Zu viele Selfies in der Galerie? Weg. Einen Meter 70 groß? Weg. Kurze Haare? Lebt 200km weit weg? Entspricht nicht exakt dem, was du dir vorgestellt hast? Wegwegweg…

Perfektionismus hat nichts damit zu tun, den richtigen Partner für eine erfüllte Beziehung zu bekommen. Für genau die Beziehung, wie ich sie mir in meinen einsamen Stunden ausmale. Manchmal gleicht diese übrigens jener, die schon vor einiger Zeit zu Ende gegangen ist.

Nein, Perfektionismus ist meine eigene Weigerung voranzugehen. Online Dating hält mich davon ab hinzusehen, wie es zum Scheitern des Kennenlernens kam. Es liegt ja am Anderen. Ich muss nur den/die Richtige/n finden.

5. Online Singlebörsen fressen Zeit

Uhren bestimmen Mann„Vielbeschäftigt wie ich bin, bleibt mir wenig Zeit, einen Partner in der realen Welt zu suchen. Für mich ist Online Dating ideal.“

Ist es nicht.

Die Zeit, die es braucht, um durch Profile zu klicken, Nachrichten zu schreiben und nachzudenken, was witzig, interessant und verführerisch klingt, genau diese Zeit braucht es, sich mit jemanden beim Bäcker, in der Mittagspause, in der Bahn oder beim Sport zu unterhalten.

„Keine Zeit“ ist die beliebteste Ausrede unserer Zeit – für Unaufmerksamkeit, Rücksichtslosigkeit und die Angst unter Leute zu gehen. Manchmal haben wir tatsächlich viel zu tun, aber das hat wenig Bedeutung. Um jemanden kennen zu lernen, müssen wir einzig und allein neugierig und offen sein.

Das sind wir nicht immer gleich nach einer gescheiterten Beziehung – und manchmal auch dann nicht, wenn wir denken, wir wären schon bereit für eine neue. Online Dating hilft uns, die Augen zuzuhalten, damit wir da nicht so genau hinsehen.

Wir tummeln uns täglich im Portal. Anstatt ein erfülltes Leben zu genießen und Leute kennen zu lernen, führen wir uns ständig vor, was „fehlt“ und bilden uns ein, es online zu finden. Das gehört zur virtuellen Illusion.

Aber XYZ hat sofort den Partner fürs Leben gefunden!

Versteh mich nicht falsch: Ich weiß, dass man mit Online Dating Erfolg haben kann. Ich behaupte auch nicht, dass offline alles einfacher ist und wir digital ignorieren sollen. Nur ist Leben und Partnerschaft zu kostbar, um auf ein Online Dating Portal zu setzen.

Zukunft des Online Datings?

Matthew Hussey, DER Dating-Coach in USA, bezweifelt ebenfalls die Nützlichkeit der Online-Dating Portale, obwohl er und seine Kundinnen keineswegs digitalabstinent leben. Er träumt die Entwicklung im Dating-Business deshalb weiter.

Schau dir an, was die Zukunft bringt… 😉

Und schreib mir! Was hast du für Online Dating Erfahrungen gemacht?

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