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5 Bibliotheken für Märchenforscher

Bibliotheken für Märchenforscher

Für Märchenforscher genügt Wikipedia leider nicht; für sie sind Bibliotheken eher das Mittel der Wahl. Der Vorteil ist, dass heute niemand mehr unbedingt einen Lesesaal aufsuchen muss. Die Buchbestände sind in einem über das Internet zugängliche Bibliothekskatalog (Online Public Access Catalog – OPAC) gelistet; im Idealfall sind die Bestände verschiedenen Bibliotheken miteinander verbunden. In Bayern zum Beispiel gehören viele Bibliotheken zu einem großen Verbund, darunter auch die für meine Recherchen zwei wichtigsten.

Bayrische Bibliotheken im Verbund

1. Bayrische Staatsbibliothek (Stabi)

Für Superlative im eigenen Porträt kann ich mich eher nicht begeistern. Wer sich selbst dermaßen lobt wie die alterwürdige Stabi, ist mir eigentlich suspekt. Die 1558 als Hofbibliothek von den Wittelsbachern gegründete Bibliothek sieht sich aber trotz des Selbstlobs realistisch: Sie ist

  • die ERSTE Adresse – zumindest für Märchenforscher und Erzähler
  • eine innovative Kraft im Bereich digitaler Dienste – Einschränkung: Was Bibliotheken anbelangt
  • sie hat sich im Laufe der Jahre zum Schatzhaus kulturellen Erbes entwickelt.

In der guten, alten Stabi schlummert nämlich eine riesige Sammlung von Märchen aus aller Welt!

Wermutstropfen gibt es allerdings auch einen: Du musst einen Bibliotheksausweis besitzen, wenn du all diese Schätze erkunden willst d. h. einmal will die Stabi dich persönlich sehen. Aber die Mühe lohnt sich.

2. Internationale Jugendbuchbibliothek

Mindestens einen ganzen Tag plane ich ein, wenn ich in Schloss Blutenburg recherchieren will. Gott sei Dank lässt sich vieles online vorab bestellen, aber eben nicht alles. Was die Fahrt dahin entschädigt? Die Bücherschätze liegen in einem Burgzimmer, in dem du auch recherchierst – Märchengefühle inklusive.

Ein paar Zahlen in Richtung Kinder- und Jugendbuch: In der Internationalen Jugendbibliothek schlummern mehr als 600.000 Kinder- und Jugendbüchern in über 130 Sprachen aus vier Jahrhunderten. Dazu gehören

  • etwa 67.000 Bücher mit Erscheinungsjahr vom 16. Jahrhundert bis 1950,
  •  30.000 Titel internationaler Fachliteratur,
  • 30 laufende Fachzeitschriften,
  • 4.400 Plakate
  • 40.000 Einheiten Dokumentationsmaterial

Warum das für jemanden, der Märchen für Erwachsene bearbeitet, wichtig ist?

Märchen gelten vielen heute als Kinderkram, in der Internationalen Jugendbibliothek schlummern deshalb Märchen aus aller Welt, oft in der Originalprache. Außerdem finde ich neue Ideen, wie man Märchen umwandeln kann, kann entspannen und jeweils eine Ausstellung in den Burggängen zu Buchillustrationen genießen.

Wenn es rasch gehen muss

3. Münchner Stadtbibliothek

Die Münchner Stadtbibliotheken gehören nicht zum Verbund. Aber: Die haben ein Blog! Seit Mai 2016 bloggt die Bibliothek schon. Social Media habe ich bei der Stabi vergeblich gesucht, dort habe ich nur aktuelle Meldungen gefunden. Die oben zitierte innovative Kraft beschränkt sich also eher auf die Online-Bestände.

Was ich an den Münchner Stadtbibliotheken noch mag: In jedem Stadtviertel gibt es eine und alle Bibliotheken hängen zusammen. Der Weg für das einmalige, persönliche Erscheinen ist deshalb gar nicht weit. Bei mir liegt eine gleich um die Ecke. Jedes Mal, wenn ich in München umzog, zog ich unbewusst in die unmittelbare Nähe einer Stadtbibliothek. In den Präsenzabschnitt der Bibliothek – für Magazine, Zeitungen und Nachschlagewerke – springe ich daher schnell nach der Arbeit, wenn ich etwas brauche. Sonst geht so gut wie alles online.

Für die Nostalgie…

Als ich studierte, waren 90 Prozent der Zeit damit ausgefüllt, von einer Bibliothek zur nächsten zu fahren. Diejenige, die wir am meisten besuchten, hatte die größte Auswahl an Büchern.

Ok, ich geb’s zu… der Katalog war noch Zettelkasten. Schscht!

Wenn ich es also richtig nostalgisch haben möchte, fahre ich nach Wien. In die

4. Österreichische Nationalbibliothek

Zettelkasten hat sie keinen mehr.

Streife ich durch die renovierten Räume, beeindruckt mich, wie sich alles verändert hat: Kein Lesesaal mit schweren grünen Vorhängen! Keine kleine Funzel, unter der alle Studenten dem Schlummer erlagen, der sie unweigerlich im muffigen Lesesaal überfiel. Alles ist modern: der digitale Katalog, Reihen von Computern, große Glasflächen und  lichtdurchflutete Lesesäle.

Das häßliche triste Grün ist freundlichem Orange gewichen.

Nur eines ist beim Alten geblieben: Die Handschriften darf allein der Aufseher mit weißen Handschuhen vor dir blättern, während du mit Bleistift notierst. Im Extrasaal, auf Holzpanälen, im abgedämmerten Licht.

Wo Erzähler wie im Märchen leben

Nächste Station: Dinkelsbühl. Dinkelsbühl?

Ja. Auf eine Streuobstwiese in Dinkelsbühl. Dort gibt es allerdings keine öffentlich zugängliche Bibliothek, dafür einen Schatz – einen Bücherschatz. Nach Dinkelsbühl stellte die Goldmund Erzählakademie das

5. Bienenwagen-Wohnmobil

In dieser liebevoll gestalteten Bibliothek in einem Bienenwagen, finden Mitglieder des Vereins Goldmund unzählige Bücher zu Märchen, Mythen und dem mündlichen Erzählen. Gedacht ist er als „Erzähl-Lese-Rückzugsort“.

Ein Märchenparadies zum Mieten und Wohnen!

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